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Wie erkläre ich‘s meinem Kind? : Die Sache mit den Sommerferien

  • -Aktualisiert am

Am schönsten ist der Strand mit der Familie: Ein Vater mit seinen Kindern auf der Insel Norderney. Bild: dapd

Karibik, Kanaren, Kanada: Im Sommer fliegen Deutsche immer öfter und weiter in den Urlaub. Seit wann fährt man eigentlich in den Urlaub? Und warum ist das auch heute für viele Familien nicht selbstverständlich?

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          Das ganze Schuljahr freuen sich die Kinder auf den Sommer, denn Sommer bedeutet Sommerferien, und Ferien bedeuten Reisen. Vielleicht hat man sogar die Wahl: Mit Oma und Opa an die Ostsee oder mit den Eltern ans Mittelmeer? Letztes Jahr hat mehr als die Hälfte aller Deutschen eine Reise unternommen, die mindestens fünf Tage lang war. Die durchschnittliche Urlaubsreise dauerte sogar zwölf Tage, also fast zwei Wochen. Die Schulferien allerdings sind noch viel länger. Was soll man bloß mit den restlichen vier Ferienwochen anstellen?

          Weil die meisten Eltern nicht für die ganzen Schulferien Urlaub bekommen, müssen kreative Lösungen her. Manche Kinder verbringen ihren Sommer deshalb auf Ponyhöfen, andere auf Zirkuszeltlagern. Und wieder andere gehen auch während der Sommerferien in den Hort. Oder weiter in die Schule, um dort zum Beispiel an kreativen Schreibkursen teilzunehmen. Auch wenn das alles nicht so schön ist, wie Ostsee oder Mittelmeer mit der Familie: Es ist immer noch spannender, als alleine zuhause zu sitzen. Doch es gibt auch Familien, die gar nicht verreisen können.

          Wer mehr verdient, verreist auch häufiger

          In den letzten Jahren ist die Zahl der Deutschen, die in den Urlaub fahren, gestiegen. Außerdem fahren sie nicht nur an einen Urlaubsort in der Nähe, sondern sie fliegen immer öfter an immer fernere Ziele. Letztes Jahr hat jeder fünfte seinen Urlaub auf einem anderen Kontinent verbracht. Noch vor wenigen Jahren war das nicht so normal wie heute. Und für viele Familien ist das auch jetzt nicht selbstverständlich. Denn die meisten, die in Asien, Afrika oder Amerika Ferien machen, haben überhaupt keine Kinder. Nicht einmal jede vierzehnte Familie mit Kindern unter fünfzehn Jahren konnte sich so eine teure Reise leisten. Auch innerhalb Europas sind Familien weniger unterwegs als andere. Stattdessen sorgen Jugendliche ab siebzehn Jahren, Jungsenioren und Ruheständler für die stetig steigenden Reisezahlen.

          Bild: Johannes Thielen

          Außerdem zeigt eine Studie, dass vor allem der Geldbeutel bestimmt, ob und wie lange jemand Balkonien hinter sich lassen kann: 2014 reisten Menschen, die weniger als 1500 Euro im Monat verdienten, nur etwa halb so oft wie Besserverdiener. Weil jedes zusätzliche Hotelbett extra kostet, ist gerade für Familien mit vielen Kindern eine große Reise im Sommer oft viel zu teuer.

          In den Sommerferien die Verwandten besuchen

          Natürlich gibt es neben Geldgründen auch noch andere Faktoren, die die Urlaubsplanung schwierig machen: Wenn beide Elternteile berufstätig sind, klappt es nicht immer, dass beide zur gleichen Zeit Urlaub bekommen. Das liegt daran, dass alle Kollegen, die Kinder haben, auch am liebsten während der Schulferien frei haben wollen. Oft bleibt deshalb keine andere Möglichkeit, als nur mit einem Elternteil zu verreisen, während der andere alleine zuhause und im Büro bleibt.

          Das Reisen wird nicht einfacher, wenn die Eltern nicht zusammen leben und nicht gemeinsam in den Urlaub fahren wollen. Nur wer Glück hat, kann in dem Fall sogar zweimal verreisen: einmal mit Mama und ein zweites Mal mit Papa. Wenn das jedoch nicht jedes Jahr klappt, ist es gut, ein paar Tage bei den Großeltern verbringen zu können. Und auch das kann eine weite Reise ins Ausland sein: In den großen Ferien bietet sich vielen, die Verwandte im Ausland haben, die Gelegenheit ihre Familie in Polen, der Türkei oder in Vietnam wiederzusehen.

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