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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Soll man in den Ferien für die Schule lernen?

Entspannung oder Lernen, was ist in den Ferien wichtiger? Bild: dpa

Sechs Wochen Faulenzen in den Sommerferien – da kann man einiges vergessen, und ins neue Schuljahr geht man unvorbereitet. Was ist wichtiger, Entspannung oder Lernen?

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          Jeder Schüler kennt das besondere Gefühl am letzten Schultag. Erst die Zeugnisausgabe,  kurzer Kommentar vom Klassenlehrer,  Pausengong. Schon während man das Schulgebäude verlässt, seinen Freunden noch ein „Tschüss, bis in sechs Wochen zuruft“, spürt man eine  Leichtigkeit. Endlich  Ferien! Lange Ferien! Die längsten des Jahres!  Auf die Sommerferien freut sich jeder: Ausschlafen, Rumgammeln, Freunde treffen, ans Meer, in die Berge, zum Sportcamp oder ins Ferienlager fahren. Sechs Wochen Freiheit. 42 Tage ohne Druck. Aber ist das wirklich so?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es gibt immer mehr Kinder, die auch in den Ferien für die Schule lernen.  Selten kommt der Impuls von den Kindern selbst. Fast immer sind es die Eltern, die sich das Lernen von ihren Kindern wünschen oder sie gar dazu zwingen, sich auch in den Ferien mit Bruchrechnung  oder Englischvokabeln zu beschäftigen. Manche wollen das, weil die Noten ihrer Kinder nicht so gut sind. Andere weil sie möchten, dass ihr Kind ein Einser-Schüler wird.

          Dass es immer mehr Eltern gibt, die ihre Kinder dazu nötigen, in den Ferien für die Schule zu lernen oder sie in Lerncamps anmelden – laut Umfragen sind es mehr als die Hälfte – , hat mit dem Leistungsdruck in der Gesellschaft zu tun. Eine gute Arbeit zu finden ist schwerer geworden, sie zu behalten nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor dreißig Jahren. Diese Ängste geben die Eltern oft an die Kinder weiter. Sie wollen, dass etwas aus ihnen wird und sie sich keine Sorgen machen müssen. Viele denken, dass ihr Kind auf jeden Fall das Abitur machen sollte, damit es alle Möglichkeiten hat, später erfolgreich zu werden.

          Aber selbst manche Lehrer sagen, dass die Sommerferien eine sehr lange Zeit sind, in denen der Stoff wieder vergessen wird, und dass es mühsam ist, nach den Sommerferien wieder daran anzuknüpfen. Tatsächlich haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass es ein Sommervergessen gibt, das „Summer learning loss“. Das betrifft vor allem das Fach Mathematik. Allerdings haben die amerikanischen Schüler auch drei Monate lang Sommerferien, viel Zeit also zum Vergessen, während in Deutschland die Sommerferien „nur“ sechs Wochen dauern.

          Ferienlernen kann sinnvoll sein,  wenn zum Beispiel in den letzten Ferientagen eine Nachprüfung ansteht und davon die Versetzung abhängt. Oder wenn das Kind in einem Hauptfach die Note 5 hat. Vielleicht ist es sogar so, dass die Kinder selbst den Wunsch nach Lernen äußern und ihre Noten verbessern wollen. Wenn schon lernen, dann sollte es am besten in der zweiten Ferienhälfte sein. Weil die Kinder dann den Stoff zu Schulbeginn parat haben. Und weil sie sich vorher schon erholt haben. Auf keinen Fall  sollte sechs Wochen Dauerlernen stattfinden.

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          Denn schließlich bekommen auch die Eltern von ihren Arbeitgebern gesagt, dass man den Urlaub zur Erholung nutzen soll. Im Bundesurlaubsgesetz steht, dass der  Arbeitnehmer während des Urlaubs von der vertraglichen Arbeitspflicht befreit ist. Und wenn der Chef anruft und  möchte, dass der Arbeitnehmer etwas erledigt,  ist das nicht erlaubt.

          Auch für Schüler sind die Ferien grundsätzlich dazu da, sich von den anstrengenden Schulwochen zu erholen. Dabei geht es nicht nur  um den Unterricht, es kann auch wichtig sein, mal Abstand von den Mitschülern zu gewinnen, vom sozialen Druck, der mitunter in den Klassen oder auf dem Pausenhof herrscht. Ferien, das bedeutet  auch, sechs  Wochen lang einfach mal man selbst sein zu können.

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