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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Lehrerwechsel

Wie kommen wir wohl miteinander aus? Lehrerwechsel sind eine aufregende Sache. Bild: Picture-Alliance

Auf einmal steht jemand Neues vor der Klasse: Warum ein Lehrerwechsel manche Schüler ängstigt, andere erleichtert und insgesamt eine gute Sache ist. Auch wenn manchmal selbst die Eltern dagegen sind.

          Nach den Sommerferien heißt es für viele Schulkinder einfach nur: zurück ins Vertraute. Für manche geht es aber auch darum, mit etwas ganz Neuem anzufangen – in einer neuen Klasse in einer neuen Schule zum Beispiel. Oft ist aber auch nicht alles neu, sondern nur ein paar Leute sind es. Bei Mitschülern ist das kein großes Ding, aber wenn es um neue Lehrer geht, kann es manchmal ganz schön Aufregung geben: Die Kinder machen sich Sorgen, wer da kommt, und hätten am liebsten, dass der alte Lehrer oder die alte Lehrerin einfach weitermacht. Und ab und zu versuchen sogar die Eltern zu erreichen, dass die Klassenlehrerin bleibt. Selbst wenn in der Schule eigentlich die Regel gilt, dass sich alle zwei Jahre jemand Neues um die Klasse kümmern soll.

          Das ist eine Regel, die es nicht in allen Schulen gibt. Aber sie hat ihr Gutes. Der Mensch ist nämlich, so hat das vor mehr als hundert Jahren der Schriftsteller Gustav Freytag ausgedrückt, ein Gewohnheitstier. Und das gilt für Schüler wie für Lehrer. Die Schulkinder haben sich an ihren Lehrer gewöhnt, sie kennen seine Vorlieben und Launen, wissen, was sie sich bei ihm erlauben können und was nicht, ob und wie sie mit ihm klarkommen.

          Neuer Lehrer, neuer Eindruck

          Manchmal ist er ihnen ans Herz gewachsen. Und manchmal sind auch die Schüler dem Lehrer ans Herz gewachsen. Dann ist es schwer, sich voneinander zu lösen. Und trotzdem ist es vielleicht gut, nicht noch mehr miteinander zu verwachsen, weil es dann später noch schwerer wird, sich umzugewöhnen und mit einem neuen Lehrer einen Neuanfang zu versuchen. Und mit etwas Neuem muss man schließlich sein ganzes Leben lang immer wieder zurechtkommen.

          Der Mensch ist aber nicht nur ein Gewohnheitstier, sondern er entwickelt sich auch ständig. Kinder gehen ja auch deshalb in die Schule, um sich zu entwickeln. Manchmal können die Lehrer-Gewohnheitstiere das aber gar nicht so gut erkennen. Wenn einer früher mal viel Quatsch gemacht hat, fällt es dem alten Lehrer vielleicht gar nicht auf, dass er es neuerdings anders macht. Wenn ein Lehrer einen Schüler erst einmal für unkonzentriert oder verträumt hält, ist es gar nicht so einfach, von diesem Eindruck loszukommen. Und ein neuer Lehrer muss sich eben einen neuen Eindruck verschaffen.

          Lilith, zwölf Jahre alt, findet es eigentlich ganz gut, wenn Lehrer wechseln. Schließlich hat jeder Lehrer andere Lehrmethoden, und so kann man verschiedene Arten des Lernens kennenlernen. Es könne auch sein, ergänzt der gleichaltrige Jasper, dass man sich mit dem neuen Lehrer besser versteht, dass er fairer ist oder unparteiisch. „Ich bin immer sehr gespannt, wenn ein neuer Lehrer kommt“, erzählt Mathilda, elf Jahre alt: „Man macht sich vorher schon ein Bild von ihm oder ihr, das trifft dann aber meistens nicht zu. Meine neue Deutschlehrerin habe ich mir jung und schön vorgestellt, aber das war sie dann nicht.“

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          Für Simon, zwölf Jahre alt, ist es seltsam, einen neuen Lehrer zu bekommen, weil man sich umstellen muss. Lilith hingegen sieht in ihren Lehrern so eine Art „Arbeitgeber“, schließlich geben sie den Kindern ganz schön was zu arbeiten. Während die Erzieher im Kindergarten oder auch die Lehrer in der Grundschule eher wie Freunde gewesen wären, sei das Verhältnis auf der weiterführenden Schule einfach nicht mehr so eng.

          Übrigens, das ist Mathilda aufgefallen, sind nicht nur die Schüler aufgeregt, sondern auch die Lehrer, wenn sie die erste Stunde vor der Klasse stehen. Vielleicht, überlegt Simon, könnten die Schüler ja zu Anfang versuchen, ein bisschen netter zu sein, um den Lehrer nicht gleich abzuschrecken.

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