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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Woher eigentlich die Schokolade kommt

Ein köstlicher Anblick: Warme Schokolade fließt in eine Form. Bild: Picture-Alliance

Schokolade essen wir wie die Weltmeister, in diesen Wochen am liebsten in Form von Ostereiern oder -hasen. Dabei hat die Sache eigentlich mal ganz anders angefangen. Nämlich ziemlich bitter.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          „Guten Tag, Herr Xiuhcoatl, wie laufen die Geschäfte?“ „Guten Tag, Herr Moctezuma, erhabener König der Azteken, gut geht’s Geschäft, danke der Nachfrage. Womit kann ich dienen?“ „Ich hätte gern ein Pfund Mais für meine Tortilla und ein Brathähnchen.“ „Bitteschön, das macht 200 Gramm Schokolade.“ „Ich hab’s passend, hier sind Ihre 200 Gramm. Schönen Tag noch, Herr Xiuhcoatl.“ „Den wünsche ich Ihnen ebenfalls, Herr König.“

           Irgendetwas stimmt nicht an dieser Unterhaltung, aber was? Genau: Ein richtiger König würde niemals selbst in ein Lebensmittelgeschäft gehen, um sein eigenes Essen einzukaufen, das ist falsch. Richtig allerdings ist, dass die Azteken und all die anderen Indianer in Mexiko vor der Ankunft der Europäer ihre Sachen mit Kakaobohnen bezahlten, dem Grundstoff für Schokolade. Sie benutzten Kakao also wie wir heute Münzen und Scheine. Manchmal verarbeiteten sie ihn auch zu einem ziemlich bitteren Getränk, das sie „xocólatl“ nannten. Und weil die Azteken, Olmeken und Maya hin und wieder doof waren, durften nur die Männer „xocólatl“ trinken, oft sogar nur der König selbst, Frauen und Kinder aber nicht.

           Nachdem Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckt und Hernán Cortez 1521 das Azteken-Reich erobert hatte, kam der Kakao nach Europa. Die Leute waren natürlich sofort verrückt danach, so wie heute jedes Kind – allerdings nur die reichen Leute, denn Kakao war damals sehr teuer, das konnten sich meist nur Adelige leisten. Sie mischten Zucker und Honig unter die Bohnen und  verwandelten das Azteken-Wort „xocólatl“ in „Schokolade“.

           Irgendwann wurden Kakao und Zucker so billig, dass sich viel mehr Menschen Schokolade leisten konnten. Überall in Europa entstanden nun Schokoladen-Cafés und Schokoladenfabriken, wobei man von den Belgiern und Schweizern sagt, dass sie die beste Schokolade der Welt machen. Darüber kann man streiten, am Ende muss das jeder für sich selbst herausfinden. Unbestritten ist hingegen, wer am meisten Schokolade isst: die Deutschen. Jeder von uns verputzt statistisch pro Jahr etwas zehn Kilo. Diese Menge entspricht 100 Tafeln normaler Milchschokolade und bedeutet, dass wir im Schnitt fast an jedem dritten Tag eine ganze Tafel aufessen – ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass manche Menschen gar keine Schokolade mögen.

          Jedes Kind weiß: Zu viel Schokolade ist nicht gesund, und spätestens bei der zweiten Tafel bekommt man Bauchschmerzen. Dabei ist gar nicht der Kakao das Schädliche, sondern der viele Zucker, der heute in die Schokolade gemischt wird. Im Kakao sind in geringen Mengen Stoffe drin, die gute Laune machen, das Herz schützen und die Haut reparieren. Ein Medikament ist Schokolade deswegen aber noch lange nicht, sondern vor allem eine Leckerei, die Spaß macht. Und wenn man seine Schokoladenhasen und Ostereier aufisst, kann man sich sogar ein bisschen wie ein aztekischer König fühlen.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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