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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wofür man bei der Arbeit rausfliegt

Eine Kündigung ist gar nicht so leicht auszusprechen – dafür muss schon einiges passieren. Bild: Picture-Alliance

Für unterschlagene Pfandbons verliert man seinen Job, aber der umstrittene Chef des Verfassungsschutzes wird befördert – wie soll man das erklären? Fangen wir bei den Grundlagen an.

          3 Min.

          Die Politiker haben in dieser Woche sehr viel über eine Entlassung gestritten. Also darüber, ob jemand bei seiner Arbeit rausfliegen sollte. Auch in der Wirtschaft, also in Unternehmen, gibt es immer wieder Entlassungen. Aber die lassen sich mit denen in der Politik überhaupt nicht gut vergleichen, weil sie nach ganz anderen Regeln funktionieren. Wann aber fliegt man eigentlich bei der Arbeit raus, wenn man in einem Betrieb arbeitet, also zum Beispiel bei einem Autohersteller, in einer Bank oder in einem Restaurant?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Jetzt gibt es die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Die Antwort ist viel komplizierter als man denkt. In Betrieben bekommt man eine Kündigung, wenn das Unternehmen nicht mehr möchte, dass man für es arbeitet. Das kann viele verschiedene Gründe haben. Hauptsächlich gibt es drei Arten von Kündigungen.

          Die erste sind so genannte betriebsbedingte Kündigungen. An denen sind die Mitarbeiter meist nicht selbst schuld, sondern es gibt einfach keinen Platz mehr für sie in dem Betrieb. Zum Beispiel, weil das Unternehmen gar nicht mehr so viel Arbeit hat, die erledigt werden muss. Oder weil es mit einem anderen Betrieb zusammengelegt wurde. Vielleicht will es auch in Zukunft ganz andere Sachen herstellen und braucht dafür Leute, die andere Dinge gelernt haben. Bei betriebsbedingten Kündigungen schaut das Unternehmen oft, dass die Leute ihren Job behalten können, die ihn am dringendsten brauchen. Zum Beispiel Eltern mit kleinen Kindern. Oder ältere Menschen, die schon lange in dem Betrieb arbeiten und woanders nicht mehr so leicht eine neue Arbeit finden würden.

          Die zweite Gruppe von Gründen, wegen denen man bei der Arbeit rausfliegen kann, sind so genannte personenbedingte Gründe. Zum Beispiel kann man Leuten kündigen, die ständig schlecht arbeiten. Oder Menschen, die ihre Arbeit gar nicht mehr machen können – zum Beispiel einem Lastwagenfahrer, der seinen Führerschein verloren hat. Manchmal kann man auch Leuten kündigen, die sehr lange krank sind und deshalb nicht mehr arbeiten können, aber das ist sehr schwer, weil die Gesetze kranke Menschen schützen. Übrigens schützen die Gesetze auch noch weitere Gruppen von Leuten vor Kündigungen, z.B. Frauen, die ein Baby erwarten. Dazu kommt, dass die Mitarbeiter vieler Betriebe regelmäßig einen so genannten Betriebsrat wählen. Das sind Leute, die sich für die Mitarbeiter einsetzen. Die schauen auch, dass bei Kündigungen alles mit rechten Dingen zugeht.

          Die dritte Gruppe von Gründen für einen Rauswurf sind die so genannten verhaltensbedingten Gründe. Das sind die interessantesten, weil man eigentlich nur diese Gründe wirklich beeinflussen kann. Eine verhaltensbedingte Kündigung bekommen Mitarbeiter, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Zum Beispiel, wenn sie gestohlen oder den Chef verprügelt haben. Aber auch, wenn man Geheimnisse ausgeplaudert hat oder wenn man ständig betrunken zur Arbeit kommt, kann man rausfliegen. Es gibt noch sehr viele weitere Möglichkeiten, gegen Regeln zu verstoßen und deshalb eine Kündigung zu bekommen. Manchmal muss der Chef vorher eine Warnung aussprechen, das ist so ähnlich wie eine gelbe Karte im Fußball. Manchmal benehmen sich Menschen bei der Arbeit aber auch so schlimm daneben, dass man ihnen ohne Vorwarnung kündigen darf – sie bekommen sozusagen sofort die rote Karte. Und noch etwas: Für eine Kündigung reicht auch manchmal schon der Verdacht, dass sich jemand nicht an die Regeln gehalten hat.

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          Oft ist es so, dass Menschen sich darüber streiten, ob eine verhaltensbedingte Kündigung erlaubt war oder nicht. Sie ziehen auch immer wieder deshalb vor Gericht, dann müssen Richter das entscheiden. Eigentlich auch wie im Fußball – da gibt’s ja auch die Schiedsrichter.

          Und manchmal ist es so, dass Chefs einen Mitarbeiter nicht mehr haben wollen, aber nicht genau wissen, ob sie ihn rauswerfen dürfen. Die Gesetze schützen nämlich auch die Mitarbeiter davor, dass sie zu Unrecht rausfliegen. Manchmal ist es dann eine gute Lösung, zu schauen, ob man den Mitarbeiter versetzen kann. Das heißt, man gibt ihm eine andere Aufgabe, vielleicht in einer anderen Abteilung mit anderen Kollegen und anderen Chefs. Oder man setzt ihn in einer anderen Stadt ein.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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          In den meisten Fällen ist es übrigens auch so, dass man Mitarbeiter nicht sofort rauswerfen kann. Die meisten dürfen noch einige Monate nach der Kündigung weiterarbeiten. Das ist oft nützlich, weil man sich in dieser Zeit schon nach einer neuen Stelle umsehen kann. Umgekehrt ist es in der Regel auch so, dass man noch einige Monate im alten Job weiterarbeiten muss, wenn man selbst weg will. Damit auch der Chef Zeit hat, sich einen neuen Mitarbeiter zu suchen.

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