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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie man es nach Trump wieder gutmachen kann

Paradise in Schutt und Asche: Donald Trump besichtigt Mitte November die Wildfeuerschäden in Kalifornien. Bild: AP

Wenn Donald Trump in zwei Jahren vielleicht das Weiße Haus verlassen muss, wird er viel verändert haben in seinem Land und in der Welt. Zum Schlechteren, sagen einige. Was, wenn man es wieder verbessern will?

          Jetzt gibt es die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          In Amerika wagen sich jetzt alle paar Tage Politiker der Demokratischen Partei aus der Deckung. Sie  kündigen an, dass sie gegen Donald Trump von der anderen großen Partei des Landes, den Republikanern, antreten und ihn als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ablösen wollen. So viele Amerikaner finden Trump so schrecklich, dass sich viele Politiker ziemlich gute Chancen ausrechnen. Welche Frau oder welcher Mann mit welchen Versprechungen und Plänen am Ende für die Demokraten antritt, ist deshalb noch überhaupt nicht absehbar. Und erst recht nicht, ob sie oder er gegen Trump eine Chance hat.

          Denn die Wahl findet erst am 3. November 2020 statt, also in fast zwei Jahren. Wenn Trump so weiterwirbelt wie bisher, dann wird bis dahin noch sehr viel passieren. Es ist auch denkbar, dass sich einer von Trumps Kritikern aus seiner eigenen Partei ein Herz fasst und gegen den amtierenden Präsidenten antritt. Alles ist offen – denn es gibt auch sehr viele Amerikaner, die Trump nach wie vor großartig finden. Oder die sich so sehr darüber ärgern, wie Trump von früh bis spät verteufelt wird, dass sie sich persönlich angegriffen fühlen und ihm schon deshalb die Stange halten.

          Aber nehmen wir einmal an, dass Trump tatsächlich verliert und im Januar 2021 aus dem Weißen Haus ausziehen muss. Könnte seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger dann rasch alles wieder gut machen, was sich unter Trump zum Schlechteren verändert hat? Teils, teils.

          Gesetze kann man schnell ändern, wenn der Präsident das ebenso will wie die Mehrheit der Abgeordneten und der Senatoren, also das Parlament. Zum Beispiel könnten die Politiker Trumps große Steuerreform zurücknehmen und beschließen, dass Reiche wieder mehr Geld an den Staat abgeben müssen (wobei viele Politiker sehr ungern höhere Steuern beschließen, denn das ist unbeliebt).

          Schnell zurück zum Klimaschutz

          Noch einfacher wäre es für den nächsten Präsidenten, Beschlüsse zurückzunehmen oder zu ändern, die Trump allein erlassen hat, sogenannte Dekrete. Denn manche Sachen darf ein Präsident allein entscheiden, ohne Zustimmung des Parlaments. Zum Beispiel hat Trump es für die meisten Menschen aus einigen Ländern in der muslimischen Welt fast unmöglich gemacht, eine Erlaubnis für Reisen nach Amerika zu bekommen. Das könnte ein anderer Präsident sofort rückgängig machen: Unterschrift genügt.

          Das gleiche gilt für die Zölle, mit denen Trump Deutschland und andere Länder empört hat. Damit amerikanische Fabriken zum Beispiel mehr von ihrem ziemlich teuren Stahl verkaufen können, verlangt Trump jetzt eine Art Steuer von ausländischen Herstellern, die ihren Stahl in Amerika verkaufen wollen. Um das tun zu können, hat Trump behauptet, dass der Import von Stahl selbst von verbündeten Ländern in Europa Amerikas Sicherheit bedrohe. Wenn Trumps Nachfolger das nicht so sieht, entfallen die Zölle wieder. Auch eine andere Entscheidung, die in Europa viele entsetzt hat, könnte das Weiße Haus zügig zurückdrehen: Amerika könnte sich wieder dem Pariser Abkommen unterwerfen, also die Vereinbarungen aller Staaten zur Bekämpfung des Klimawandels befolgen.

          Wunden, die nicht so schnell verheilen

          Doch Politik ist viel mehr als eine Kette von Gesetzen, Dekreten und Verträgen. Mindestens so wichtig ist, was der Präsident als angeblich „mächtigster Mann der Welt“ sagt – und wie er es sagt. Man könnte auch sagen: Der Ton macht die Politik. Trump hat ganz bewusst viel Porzellan zerschlagen, und das wird sich nicht so schnell kitten lassen.

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          Zum Beispiel stellt der Präsident seit Jahren illegal eingewanderte Personen als Verbrecher dar, obwohl die allermeisten sehr friedliebend sind. Er hat Rechtsextremisten verharmlost, als sie im Sommer 2017 auf einem Fackelmarsch judenfeindliche Sprüche brüllten. Damit hat er bei ganzen Bevölkerungsgruppen Wunden gerissen, die nicht so schnell verheilen werden. Und er hat andere Leute, die solche bisher zum Glück verpönten Meinungen teilen, in ihrem Irrglauben bestärkt.

          Trump als Vorbild

          Außerdem stellt Trump andere Länder, mit denen Amerika seit langem partnerschaftlich zusammenarbeitet, oft als eine Art falsche Freunde dar, die Amerika von früh bis spät über den Tisch zögen – nicht zuletzt Deutschland. Er hat sogar immer wieder Zweifel daran gesät, ob Amerika wirklich europäischen Verbündeten zu Hilfe käme, wie es sich die Länder in dem Militärbündnis Nato eigentlich fest zugesagt hatten. Dafür hat er sehr freundliche Dinge über Diktatoren wie den Nordkoreaner Kim Jong-un oder autoritäre Politiker wie den russischen Präsidenten Wladimir Putin gesagt. Mit solchen Worten hat Trump für längere Zeit die Kräfteverhältnisse auf der Welt verändert: Herrscher, die sich um Demokratie nicht scheren, werden sich noch lange auf Trump berufen – und sich bestimmt nicht so bald von Amerika Lektionen in Sachen Demokratie gefallen lassen.

          Wenn sich Amerikaner zum Beispiel eine neue Arbeit suchen müssen oder vielleicht von ihrem Ehepartner verlassen wurden, dann sagen sie gern optimistisch: Ich erfinde mich neu. Das kann auch in der Politik funktionieren. Als vor zehn Jahren zum Beispiel Barack Obama ins Weiße Haus zog, hellte sich schlagartig in vielen Ländern das Bild auf, das sich die Leute von Amerika machten. Doch die Gefahr ist groß, dass künftig auch Politiker, die ganz andere Meinungen vertreten, so dreist lügen oder ihre politischen Gegner auf Twitter attackieren, wie Trump es vorgemacht hat. Denn Trump hat bewiesen, dass das politisch funktioniert: Er hat die Wahl auf diese Weise gewonnen.

          Das Vertrauen, das Trump im eigenen Land und auf der ganzen Welt erschüttert hat, kehrt nicht von heute auf morgen zurück. Selbst wenn der nächste Präsident ganz anders redet.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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