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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie ein Tintenkiller funktioniert

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Wie macht er das nur? Tintenkiller im Einsatz Bild: Picture-Alliance

Ohne sie sähe es in manchem Schulheft anders aus: Wie seltsam riechende Filzstifte es schaffen, Tintenspuren auf Papier verschwinden zu lassen – und warum es nur bei blauer Tinte klappt.

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          Wir kennen ihn alle, und für viele Schulkinder ist er die Rettung, wenn es darum geht, Wörter zu verbessern, bei denen man sich verschrieben hat: der Tintenkiller. Doch wie schafft der Tintenkiller es eigentlich, dass er die Tinte auf dem Papier wie durch Zauberei verschwinden lässt?

          Dafür muss man sich erst einmal anschauen, woraus Tinte überhaupt besteht. Tinte ist eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen zum größten Teil ein Lösungsmittel, also zum Beispiel aus Wasser enthält, in das ein Farbstoff gemischt wird. Verschiedene Farbstoffe sorgen für unterschiedliche Farben – deshalb gibt es Tinte nicht nur in blau, sondern zum Beispiel auch in grün, lila, schwarz und rot. Aber nur blaue Tinte kann durch einen Tintenkiller entfernt werden. Dafür gibt es eine Erklärung, die mit chemischen Prozessen zu tun hat.

          Methoden zur Entfernung von Tinte gibt es schon seit fast hundert Jahren. Die erste Firma, die einen Tintenlöscher entwickelte, war Pelikan. Zuerst entdeckte sie in den dreißiger Jahren ein Bleichmittel, das Radierwasser genannt wurde und mit dem man Tinte entfernen konnte. Doch erst ungefähr vierzig Jahre später wurde der Tintenkiller erfunden, wie wir ihn heute kennen: ein Filzstift, der in eine Flüssigkeit getränkt ist, die Tinte verschwinden lässt.

          Namen wie „Tintenkiller“ und „Tintentod“ für den Filzstift lassen vermuten, dass die Tinte dabei wirklich gelöscht wird wie Feuer durch Wasser. Das stimmt aber nicht. Sie wird nur unsichtbar gemacht.

          Und das funktioniert so: Der Farbstoff in der Tinte reflektiert Licht. Es gibt verschiedene Arten von Licht in verschiedenen Farben, die unser menschliches Auge sehen kann, und andere, wie zum Beispiel die UV-Strahlen der Sonne, die wir nicht sehen können. Der Farbstoff in der blauen Tinte sieht dadurch blau aus, dass er zwar Licht in allen möglichen Farben aufnimmt, aber nur blaues Licht reflektiert.

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          Wenn ein Tintenkiller die Tinte berührt, verändert er die Struktur des Farbstoffs in der Tinte. Tintenkiller enthalten einen Stoff namens Natriumsulfit, der dafür sorgt, dass der Farbstoff in der Tinte das Licht nicht mehr aufnehmen kann und es deswegen komplett reflektieren muss. Es werden also alle möglichen Arten von Licht gleichzeitig reflektiert, sodass wir nicht mehr eine bestimmte Farbe sehen. Deshalb ist die Tinte für unsere Augen unsichtbar.

          Die Farbstoffe in andersfarbigen Tinten bestehen nicht aus den gleichen Stoffen wie die blaue Tinte. Das Natriumsulfit im Tintenkiller reagiert aber nur auf blaue Tinte. Schreibt man mit Tinte in einer anderen Farbe, kann der Tintenkiller also nichts gegen sie ausrichten.

          Spannend ist auch, dass man Tinte sogar wieder sichtbar machen kann, wenn sie einmal unsichtbar gemacht wurde. Kramt man nach ein paar Jahren zum Beispiel alte Schulhefte wieder hervor, hat die Wirkung des Stoffs im Tintenkiller manchmal schon nachgelassen und man kann das Wort, das man früher mal mit Tinte geschrieben und dann unsichtbar gemacht hat, schon wieder erkennen. Man kann auch versuchen, ein bisschen hellen Essig auf unsichtbar gemachte Tintenschrift zu träufeln – und plötzlich sieht man wieder, was lange im Verborgenen gelegen hat.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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