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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Demonstrationen bewirken können

  • -Aktualisiert am

Ein Demonstrant hält bei Protesten gegen Donald Trumps Einreisepolitik in Lynchburg, Virginia, seine Hand hoch. Auf ihr steht „#No Ban No Wall“ Bild: dpa

Wir leben in aufgeregten Zeiten. Die Möglichkeiten, für oder gegen etwas auf die Straße zu gehen, sind schier unendlich. Doch was können diese Proteste bewirken?

          Bukarest, Rumänien: Tausende Menschen protestieren Abend für Abend gegen Korruption und Amtsmissbrauch in der Regierung. Washington, New York, Miami, London, Paris: Auf der ganzen Welt demonstrieren in der vergangenen Woche Tausende gegen den Einreisestopp, den der amerikanische Präsident für sieben mehrheitlich muslimische Länder erlassen hat. In Wiesbaden, Stuttgart und Nürnberg demonstrieren Angestellte des öffentlichen Dienstes für mehr Geld. In Frankfurt am Main gehen jeden Sonntag Hunderte für die Zukunft Europas auf die Straße. Und in Berlin braucht man sich an einem beliebigen Tag an beliebiger Stelle sowieso nur hinzusetzen und abzuwarten. Früher oder später kommt eine Demo vorbei. Meist eher früher als später. Im Stadtteil Zehlendorf zum Beispiel demonstrierten im vergangenen Juni 700 Schüler gegen marode Schulen.

          Leider sind nicht alle Proteste friedlich. Die Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo in Deutschland vertreten ein menschenfeindliches Weltbild und rufen nahezu unverhohlen zur Gewalt auf. Dennoch sind Demonstrationen wichtig – und haben Tradition in Deutschland. Die Wiedervereinigung ist ohne friedliche Massenproteste undenkbar. Sie hatten entscheidenden Anteil daran, dass 1989 die DDR zusammenbrach, später der gesamte Ostblock. Überall, von Prag bis nach Riga gingen die Menschen auf die Straße.

          Es ist so: Eine Stimme hört man nicht. Hundert Stimmen überhört man. Hunderttausend kann man nicht überhören. Sie haben Macht.

          Und das fühlt sich gut an. Wenn Erwachsene in Demokratien unzufrieden sind, können sie alle paar Jahre wählen gehen. Aber was ist mit der Zeit dazwischen? Und mit den Kindern, die nicht einmal wählen dürfen, aber trotzdem unter einsturzgefährdeten Aulen und schimmligen Schultoiletten leiden? Auf Demonstrationen haben sie die Möglichkeit, sich auch abseits der Wahlen Gehör zu verschaffen. Aktiv und friedlich. Es kann sehr befreiend sein, ein Plakat zu schwenken, seinen Frust herauszuschreien und sich mit Menschen zu treffen, die genauso denken. In Rumänien hat das gerade dazu geführt, dass der Justizminister zurückgetreten ist. Er ist schon der zweite Minister, der aufgrund der Proteste sein Amt niedergelegt hat.

          Demonstration vor dem Regierungssitz in Bukarest

          Und in Amerika? Dort wütet Präsident Donald Trump gegen alle, die nicht seiner Meinung sind. Freie Medien werden der Lüge bezichtigt, ein Richter als unfähig abgekanzelt. Das zeigt, dass die Kritik Wirkung zeigt. Und dass sie dringend notwendig ist. Demonstrationen sind da keine schlechte Idee.

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