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Wie erklär ich’s meinem Kind? : Warum wir uns vor Zika fürchten

Hierzulande zum Glück selten: Die Asiatische Tigermücke kann Zika-Viren übertragen. Bild: dpa

Bald sollen die Olympischen Spiele in Rio stattfinden. Doch die Furcht geht seit Monaten um, seit das Zika-Virus sich in Südamerika ausbreitet, dass die Sportler und Besucher nicht sicher genug sind. Warum hat man das Virus noch immer nicht im Griff?

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          Vor Krankheiten, die sich ausbreiten und die wir nicht kennen, fürchten wir uns immer ganz besonders. Zika ist da ein Paradebeispiel. Es wird durch Viren übertragen, wie die Grippe. Nur dass wir mit den Grippeviren schon sehr lange leben und sie auch einigermaßen für uns berechenbar sind. Jedes Jahr kommt eine Grippewelle. Von Asien aus breiten sich die Viren aus, und fast jedes Jahr sind es Erreger, die sich ähneln. Grob wenigstens. Richtig gefährliche, unberechenbare Grippeviren tauchen selten auf.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Zika-Viren sind da ganz andere Viren, sie haben eine andere Hülle, andere Gene, und vor allem verbreiten sie sich anders: Sie werden durch Stechmücken verursacht, während Grippeviren mit den Tröpfchen in unserer Atemluft von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wenn die weiblichen Mücken Blut saugen (die Männchen der Stechmücken stechen uns nicht), gelangen die Viren in das Insekt und von dort, beim nächsten Stich, in weitere Menschen. Wo viele Mücken und viele Menschen zusammen vorkommen, ist deshalb die Gefahr der Ausbreitung besonders groß. Zika-Viren und vor allem die Mücken als Überträger, hauptsächlich die Gelbfiebermücke, wissenschaftlich Aedes aegypti, aber auch zum Teil die Asiatische Tigermücke brauchen Wärme, um sich zu entwickeln und zu vermehren. Deshalb ist Zika als Tropenkrankheit bekannt. Lange schon sogar. Seit fast siebzig Jahren kennt man die Viren unter Tropenmedizinern, damals wurde sie in Uganda mitten in Afrika gefunden und hat deshalb auch nach dem afrikanischen Fundort seinen Namen bekommen.

          Was Viren so gefährlich macht

          Viele Jahrzehnte lang blieb das Zika-Virus auf die feuchtheißen Tropen begrenzt, es breitete sich etwas in Asien aus, in Afrika weiter, aber immer blieb es ein Virus, das als harmlos galt. So wie bei uns die Rhinoviren, die den gewöhnlichen Schnupfen verursachen, als harmlos gilt. Es gab in den Tropen schon immer viel gefährlichere Erreger, die Malaria-Parasiten zum Beispiel, die auch mit (anderen) Stechmücken übertragen werden, oder Gelbfieber oder Denguefieber. Mit dem Dengue-Virus ist Zika eng verwandt. Aber wie gesagt: Es war viel harmloser, Gliederschmerzen, etwas Übelkeit, Gelenkschmerzen und Fieber, mehr war es nicht.

          Bild: Johannes Thielen

          Doch Viren verändern sich ständig, das macht manche so unberechenbar und gefährlich für uns. Das Aidsvirus hat sich, bevor es vom Affen auf den Menschen übergesprungen ist, genetisch verändert – es hat sich an den Menschen angepasst und schadet ihm, weil es sich nun so wohl und sicher im Menschen fühlt, auf so grausame Weise.

          Eine besondere Vorliebe für Nervenzellen

          Etwas Ähnliches muss auch mit Zika passiert sein. Vor einigen  Jahren sind Zika-Viren vermutlich mit reisenden Menschen auf die Inselatolle von Französisch-Polynesien mitten im Südpazifik eingeschleppt worden, sie haben sich im Inselvolk vermehrt und dabei tragischerweise auch verändert. Und zwar so verändert, dass die Viren nun nicht mehr nur Schnupfensymptome verursachen, sondern mit Vorliebe sich teilende Nervenzellen befallen. Das ahnte man damals nicht. Es ist erst jetzt herausgekommen, dass Zika die Häufigkeit einer an sich sehr seltenen Nervenkrankheit, die man Guillain-Barré nennt, auf das Sechzigfache erhöht. Die Nerven in den Beinen und Armen vor allem entzünden sich, über Monate werden die Lähmungen immer schlimmer.

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          Welche Veränderungen genau im Virus diesen Wandel bewirkt haben, das herauszufinden, daran arbeitet die Forschung noch. Nun ist aber noch etwas anderes passiert, und das macht Zika so bedrohlich. Offenbar können die „neuen“ Zika-Virenstämme zusätzlich die Plazentaschranke im Mutterleib überwinden, aus dem Blutkreislauf einer werdenden Mutter auf ihr Baby im Bauch überspringen – und sich dort vermehren. Richtig gefährlich wird es allerdings dann in der Phase, in den ersten Monaten des Fötus, wenn sich das Nervensystem und der Kopf mit dem Gehirn ausbildet. Die Viren haben nämlich, wie man inzwischen in Tierexperimenten eindeutig nachgewiesen hat, eine besondere Vorliebe für Nervenzellen. Die befallen sie in Massen, und die zerstören sie damit auch.

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