https://www.faz.net/-i35-8n0iq

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir Clowns lieben und fürchten

  • -Aktualisiert am

Oleg Popow 2009 bei einem Auftritt mit dem Großen Russischen Staatszirkus in Düsseldorf Bild: dpa

Im Zirkus sind sie der Liebling vieler Kinder, auf der Straße erschrecken sie Menschen und sollen sogar gelegentlich handgreiflich werden. Dass gerade Clowns so widersprüchliche Gefühle auslösen, hat einen Grund.

          Die Figur des Clowns ist alt, seit jeher bringt sie überall auf der Welt das Publikum zum Lachen, in verschiedenen Kostümen und auf verschiedene Weisen. Meist treten Clowns zu zweit auf und unterhalten mit Streichen und Slapstick. Nicht nur im Zirkus, sondern auch in Krankenhäusern („Klinik-Clowns“) oder in Krisengebieten („Clowns ohne Grenzen“) verbreiten sie gute Laune.

          In der Woche vor Halloween haben Clowns aber auch das Gegenteil verbreitet, Angst und Schrecken. In Masken mit spitzen Zähnen und blutunterlaufenen Augen haben sie auf der Straße Leute erschreckt und mitunter sogar angegriffen. Sollte man beim Stichwort Clown Angst bekommen oder eher an  viel zu viele Clowns mit viel zu großen Schuhen in einem viel zu kleinen Auto denken? Oder an jemanden wie Oleg Popow?

          Was steckt nur hinter der Maske?

          Popow galt als bester Clown der Welt und reiste überall umher, Worte brauchte er nicht, nur mit seinem Körper schaffte er die schönsten Slapsticks. Am Mittwoch ist er im Alter von 86 Jahren gestorben, die Clown-Gemeinschaft ist um ein wertvolles Mitglied ärmer geworden, und das genau dann, wenn man sympathische Hans im Glücks wie ihn gut gebrauchen könnte.

          Schon lange wurden Clowns nicht nur positiv dargestellt. Die Figur des Narren drufte sich in der Antike schon einiges erlauben, das Mittelalter kennt ihn auch als Tunichtgut, der in schroffer Sprache voller Kraftausdrücke vom liderlichen Leben erzählt. In Nordamerika werden Clowns vor hundert Jahren als Tagelöhner und Streuner dargestellt. Charlie Chaplin ist noch heute populär, auch wenn Krusty aus den „Simpsons“ unter Kindern und Jugendlichen wohl die bekanntere Figur ist: ein Clown, der hinter der Kamera nicht ganz der Spaßmacher ist, den er im Fernsehen spielt.

          In Dutzenden Horrorbüchern und –filmen treten Clowns als Schreckgestalten auf. Man verbindet sie nicht mehr mit dem tollpatschigen Spaßvogel, sondern mit etwas Schrecklichem.

          Was den Clown dabei gruselig erscheinen lässt, ist nicht die komische Gestalt, sondern das, was sich hinter seiner unbeweglichen Maske verbergen könnte, jederzeit bereit, sich zu offenbaren: Das wahre Gesicht wird verhüllt und bietet der Fantasie Platz für die schlimmsten Vorstellungen.

          Doch selbst hinter den Masken herumtreibender Gruselclowns verbergen sich keine Monster, sondern meist unzufriedene Menschen, die ihren Frust an anderen auslassen wollen. Schön ist das nicht. Vielleicht sollten sich auch diese Clowns in Massen in ein viel zu kleines Auto quetschen und einfach davonbrausen.

          Weitere Themen

          CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf Youtube : CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf ihren Youtube-Kanal warb die CDU mit Videos ihrer Politiker aus Talkshow-Auftritten in den öffentlichen Kanälen. Abgesprochen hatte sie das nicht – und damit offenbar gegen Urheberrecht verstoßen. Aufgefallen ist das einem Satiriker und Politiker.

          Ist Banksy in Venedig? Video-Seite öffnen

          Rätselhaftes Video : Ist Banksy in Venedig?

          Auf Instagram kündigte der Streetart-Künstler, dessen Identität geheim bleibt, an, mit einem eigenen Stand auf der Biennale in Venedig vertreten zu sein. Die Kunstschau in Venedig zählt zu den größten Weltweit

          Topmeldungen

          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.