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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum immer noch so viel über die DDR geredet wird

Wer nicht mitjubelte, war verdächtig: Kinder bei einer Pionier-Demonstration im August 1986 in Ost-Berlin zum 25. Jahrestag des Mauerbaus. Bild: Picture-Alliance

Vor dreißig Jahren demonstrierten immer mehr DDR-Bürger, bis die Regierung endlich die Grenzen öffnet. Aber warum war das so besonders? Und warum wollen manche Erwachsene heute in die DDR zurück?

          7 Min.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Reisen zu können, wohin man möchte; sagen zu dürfen, wenn einem etwas nicht gefällt – für uns ist das heute selbstverständlich. Doch die Eltern des einen oder der anderen erinnern sich noch gut an eine Zeit, in der das anders war. 

          Die Deutsche Demokratische Republik – die DDR – wurde 1949 gegründet und bis zum Mauerfall 1989 von einer einzigen Partei regiert, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz SED. Vierzig Jahre mit nur einer Partei klingt nicht demokratisch? War es auch nicht. Die Demokratie gab es nur auf dem Papier. In der Realität war es eine Diktatur der SED, die alle Entscheidungen allein traf, sie aber als Entscheidungen des Volkes darstellte. Wer damit nicht einverstanden war, wurde bestraft. Die DDR sollte ein „Arbeiter- und Bauernstaat“ mit einer sozialistischen Gesellschaft sein. Sozialismus bedeutet, dass Gleichheit, Zusammenhalt und Gerechtigkeit wichtiger sind als die Interessen jedes Einzelnen. Zur gleichen Zeit wurde in der Bundesrepublik Deutschland, der BRD, eine soziale Marktwirtschaft aufgebaut. Dort konnte jeder Unternehmer selbst entscheiden, was er produzieren möchte und was seine Waren kosten sollen. 

          In der DDR war das ein bisschen anders: Alle Gebäude, Maschinen, Werkzeuge und Materialien, die für die Produktion gebraucht wurden, gehörten nicht dem Besitzer des Unternehmens, sondern dem Staat. Die obersten Entscheider, die im sogenannten Zentralkomitee saßen, legten außerdem fest, was und wie viel produziert werden sollte. Die SED-Politiker erstellten genaue Pläne, welche Dinge in den nächsten Jahren hergestellt werden sollten und welche nicht. Diese Form der Wirtschaft heißt Planwirtschaft. Um alle Menschen möglichst gleich zu stellen, wurden auch die Löhne und Preise vom Zentralkomitee festgelegt: Alle verdienten ungefähr gleich viel, egal ob sie ein Studium oder eine Ausbildung hatten. Die Preise für lebensnotwendige Dinge wie Essen oder Wohnen wurden „staatlich gestützt“. Das bedeutet, dass die Regierung einen großen Teil der Herstellungskosten bezahlte und Alltagsdinge nur sehr wenig kosteten. So hatte jeder genug zu essen, und niemand musste auf der Straße leben.

          Das führte jedoch dazu, dass die Bauern ihre Schweine mit Brötchen fütterten, weil ein Brötchen weniger kostete als das Getreide, aus dem es gebacken wurde. Alles, was nach Meinung der SED nicht lebensnotwendig war, galt als „Luxus“ und war entweder sehr teuer oder man musste sehr lange darauf warten, manchmal auch beides. Auf ein Auto musste man in der DDR über zehn Jahre warten. Wenn man es dann bekam, musste man dafür fast so viel bezahlen, wie man in einem ganzen Jahr verdient hatte. Wohnungen waren zwar günstig, aber auch darauf konnte man schon mal zehn Jahre warten. Paare mit Kindern wurden bevorzugt und bekamen sofort eine Wohnung. Wo man dann wohnen durfte, konnte man sich aber nicht aussuchen. Das legte das Amt für Wohnungswesen fest.

          Keine Sorgen um den Arbeitsplatz

          Viele Dinge, die es in Westdeutschland gab, bekam man in der DDR überhaupt nicht und wenn, dann nur gegen D-Mark oder wenn die Verwandtschaft aus der Bundesrepublik etwas mit der Post schickte. Besonders begehrt waren Strumpfhosen, Musikgeräte und Zeitschriften. Andere Dinge gab es nur selten. Dann war es hilfreich, wenn man eine Verkäuferin kannte, die sich dann für einen nach Bananen oder Kaffee unter die Theke bückte. Deswegen hießen solche Sachen bei den Leuten in der DDR „Bückware“. Viele Menschen fanden sich mit der Zeit damit ab, dass es manche Sachen einfach nicht zu kaufen gab und sie politisch kein Mitspracherecht hatten. Also versuchte man, das Beste aus der Situation zu machen, und half sich gegenseitig. Zum Beispiel waren Schrebergärten sehr beliebt, um sich selbst mit Obst und Gemüse zu versorgen. Denn das Gemüse im Geschäft sah häufig schon recht traurig aus. Also bauten die Leute an. Und wer zu viel hatte, tauschte mit dem Nachbarn – oder mit jemandem, der begehrte Dinge wie Dosenananas oder Baumaterial hatte.

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