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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich Kinder nicht jeden Film ansehen dürfen

Fans allüberall: Die 7 Jahre alte Amerikanerin Julianna Backoski hat sich zur Filmpremiere als Prinzessin Leia verkleidet Bild: AP

Alle reden über Star Wars. Selbst Kindergartenkinder kennen Yoda, Darth Vader oder Chewbacca. Doch im Kino dürfen eigentlich erst Kinder ab 12 den neuen Film sehen. Doch es gibt eine begründete Ausnahme.

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          Der neue Star-Wars-Film ist ab 12 Jahren freigegeben. Das bedeutet: Jüngere Kinder dürfen „Das Erwachen der Macht“ nicht im Kino sehen. In Deutschland müssen alle Kinofilme solche Altersfreigaben haben: ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren. Eine Altersfreigabe bedeutet, dass eine Gruppe von erwachsenen Prüfern sich den Film vorher angeschaut und entschieden hat, dass der Film jüngeren Kindern schaden kann. Sie könnten Angst davon bekommen oder schlecht träumen. Von manchen Szenen würden sie sich vielleicht auch unangenehm berührt fühlen. Oder sie würden noch nicht verstehen, warum sich eine Person im Film auf eine bestimmte Weise verhält, und das würde sie durcheinanderbringen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein wichtiger Grund, warum Filme erst ab einem bestimmten Alter freigegeben werden, ist die Gewalt, die darin gezeigt wird. Wenn Filmfiguren grausam sind und andere leiden lassen, müssen die Prüfer genau hinsehen. Manchmal ahnt der Zuschauer schon während des Films, dass alles gut ausgehen wird, oder der Film erklärt gut, warum bestimmte Figuren böse sind. Dann sagen die Prüfer eher, dass den Film auch schon jüngere Kinder sehen dürfen. In anderen Filmen wird das aber nicht so gut abgefangen. Die einen Figuren töten, die anderen sterben, und es geht so schnell und ist so überwältigend, oder der Zuschauer sieht die Gewalt so genau und von Nahem, dass sie entscheiden: Damit kommen Zuschauer erst klar, wenn sie schon 12 sind oder sogar 16 oder 18.

          Im neuen Star-Wars-Film wird viel geschossen, und es sterben viele Menschen. In einer Szene verbrennt eine Riesenwaffe eine ganze Siedlung. In einer anderen werden Geiseln zusammengetrieben und von bösen Kämpfern erschossen. Für die Prüfer waren die Kampfszenen ein Grund, den Film für Kinder unter 12 nicht freizugeben. Außerdem fanden sie, dass sich die Geschichte zwischendurch auf eine Weise wendet, die jüngere Kinder beim Zuschauen aufwühlen kann. So etwas kann zum Beispiel geschehen, wenn eine Figur, die man eigentlich gut findet, plötzlich etwas sehr Böses tut und man den Grund nicht versteht.

          Über die Altersfreigaben gibt es immer wieder Streit. Denn natürlich sind nicht alle Kinder gleich, und nicht jeder Prüfer kann alles über die Gefühle von allen Kindern wissen oder darüber, wie gut sie bestimmte Szenen verkraften. Kinder denken oft, sie könnten locker auch schon Filme für Erwachsene schauen. Die Eltern meinen dagegen bei vielen Filmen, dass die Altersfreigaben eigentlich deutlich  strenger sein müssten. Denn sie haben es schon oft erlebt, dass ihr Kind schlecht geschlafen hat, nachdem es einen angeblich für sein Alter unbedenklichen Film gesehen hat.

          Die Prüfer werden von der Filmwirtschaft selbst beauftragt. Das sind alle, die mit Filmen Geld verdienen, also zum Beispiel Filmproduzenten und Filmverleiher. Daher kommt auch die Abkürzung FSK, die immer vor den Altersfreigaben steht. Das bedeutet „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“. Die FSK hat ihren Sitz in Wiesbaden, dort kommen auch immer die Prüfer zusammen. Sie sitzen dann zu fünft in einem großen Kinosaal und schauen sich Filme an, die in den nächsten Monaten ins Kino kommen.

          Insgesamt gibt es ungefähr 250 Prüfer, sie machen ihren Job ehrenamtlich. In ihren richtigen Berufen haben sie oft mit Kindern und Jugendlichen zu tun oder mit Filmen, sie dürfen aber nicht in einem Unternehmen der Filmwirtschaft arbeiten. Bei jeder Freigabe-Sitzung sind Prüfer dabei, die beim Staat arbeiten, zum Beispiel in einer Jugendschutzbehörde, und auch aus den Kirchen kommen viele Prüfer. Wenn sich eine Fünfer-Gruppe nicht einigen kann, wird abgestimmt. Wenn es drei gegen zwei steht, bekommt der Film die Altersfreigabe, für die drei Prüfer gestimmt haben.

          Es ist also gar nicht verkehrt, sich über die Alterskennzeichnungen auch mal aufzuregen, wenn noch nicht mal die Experten von der FSK da immer derselben Meinung sind. Normal ist es auch, dass man sich in der Familie über das Thema streitet. Über eine Spezial-Regel werden manche Familien auch jetzt bei Star Wars wieder diskutieren: In Begleitung eines Elternteils dürfen nämlich auch schon Kinder ab 6 Jahren in Filme ab 12. Das ist nicht so bekannt, aber schon seit ein paar Jahren erlaubt. Bei der FSK gehen sie davon aus, dass der Unterschied zwischen Sechs- und Elfjährigen besonders groß ist. Deshalb sollen da im Einzelfall die Eltern entscheiden dürfen, ob ein Film ab 12 vielleicht doch schon etwas für ihr zehn- oder elfjähriges Kind ist. Denn die Prüfer müssen natürlich bei ihren Entscheidungen immer von den Jüngsten in einer Altersgruppe ausgehen.

          Viele Erwachsene finden diese Regel, die „Parental Guidance“ heißt, aber falsch. Sie entscheiden sich dagegen, gemeinsam mit ihrem Kind unter 12 Jahren in „Das Erwachen der Macht“ zu gehen, auch wenn das Kino das Kind reinlassen dürfte. Denn es wäre ihre Verantwortung, wenn die Gewalt im Film das Kind überrumpelt. Im besten Fall haben sie sich vorher über den Film informiert oder ihn sich sogar alleine komplett angesehen, um diese Entscheidung zu treffen. Seit ein paar Jahren gibt es auch auf der Internetseite der FSK Begründungen für alle Altersfreigaben. Das hilft Eltern zusätzlich, sich zu orientieren.

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