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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich Erwachsene selbstgemachte Geschenke wünschen

Rückzug in die Weihnachtswerkstatt: Sechs Jahre alter Junge beim Basteln in Dresden Bild: Picture-Alliance

Meist kaufen Erwachsene, was sie zu Weihnachten verschenken. Aber von Kindern wünschen sie sich etwas Selbstgemachtes. Das hat einen Grund, der Kindern nicht von allein in den Sinn kommt.

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          Mit dem Schenken ist es so eine Sache. Wer freut sich nicht über ein Geschenk, wer zieht nicht ungeduldig an der Schleife und reißt am Papier, um schnell zu sehen, was er bekommen hat? Doch auch die andere Erfahrung kennen eigentlich alle: dass uns partout nicht das richtige Geschenk für jemanden einfallen will, der aber unausweichlich eins bekommen soll. Das wird so erwartet. Von dem, der das Geschenk bekommen soll, von der Familie, oder man selbst nimmt es sich fest vor.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Überhaupt geht es beim Schenken viel um Erwartungen – auf beiden Seiten. Die eine erwartet ein Geschenk, vielleicht sogar ein ganz bestimmtes, das sie sich sehnlich wünscht. Die andere erwartet, dass das Geschenk dem Beschenkten Freude macht: Glück und Dankbarkeit. Das geht nicht immer gut. Dann ist der eigene Hund, der wichtigste Geburtstagswunsch, leider nur ein Stofftier. Oder man hat das Buch schon längst gelesen, das im Paket des Patenonkels war. Weiß der das denn gar nicht? Vielleicht findet man den Strickpullover, mit dem sich die Großmutter so viel Mühe gegeben hat, auch nicht ganz so schön wie die Umstehenden. Außerdem kratzt er. Die Erwachsenen wünschen sich ja immer zu Weihnachten strahlende Kinderaugen, und oft strahlen ihre Augen erwartungsvoll selbst, wenn ein Geschenk ausgepackt wird, das sie ausgesucht haben. Und es ist gar nicht so einfach, dann zu sagen, dass etwas nicht stimmt.

          Bild: Johannes Thielen

          Eine Erwartung der Erwachsenen finden Kinder besonders merkwürdig: dass ihr Geschenk etwas Selbstgemachtes sein soll. Dabei schenken alle anderen den Kindern und einander meist etwas Gekauftes. Das hängt damit zusammen, dass Erwachsene sich um das, was sie gerade brauchen oder sich wünschen, in den meisten Fällen ganz gut selbst kümmern können. Und Sachen, die uns an Leute erinnern, die wir lieben, kann man sich nun mal nicht selbst besorgen.

          Es ist das Persönliche, das Einzigartige der selbstgemachten Geschenke, das Erwachsenen daran wichtig ist. Und davon bleibt sogar dann noch etwas erhalten, wenn die Kinder das Geschenk in der Schule gemacht haben, neben allen Klassenkameraden, die gleichzeitig an der gleichen Sache für ihre Eltern gearbeitet haben. Wenn sich die Kinder zu Hause Zeit nehmen und sich fragen, was denn das beste Geschenk wäre, das ihnen für die Oma, den Onkel, die Eltern so einfällt. Wenn sie es dann noch sorgfältig machen, so gut sie können, ist das natürlich noch besser.

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