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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es die Zeitumstellung gibt

Die Skulptur „Profit of Time“ von Salvador Dalí vor dem Customs House in Sydney Bild: Picture-Alliance

Das Ende der Sommerzeit naht: In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren wieder umgestellt. Was soll das eigentlich bringen – und warum will Mallorca die Normalzeit gleich ganz abschaffen?

          Jedes Jahr, wenn der Oktober endet, ist es wieder so weit: Wir können eine Stunde länger schlafen. Denn am letzten Sonntag des Monats stellen wir die Uhr eine Stunde zurück und befinden uns fünf Monate lang in der Normalzeit. „Normalzeit“? Wieso das? Ist der Rest der Zeit etwa nicht normal? Das kann man durchaus so sehen, denn die übrigen sieben Monate des Jahres leben wir in der sogenannten Sommerzeit. Die Sommerzeit beginnt schon lange vor dem Sommer, nämlich am letzten Sonntag im März. Wenn dieser Tag naht, müssen wir die Uhr eine Stunde vorstellen. Das ist dann ungefähr so, als würden die „grauen Herren“, die Zeitdiebe aus Michael Endes „Momo“, zu uns schleichen und uns Zeit stehlen. Ganze sechzig Minuten nehmen sie uns weg.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Die Zeitumstellung passiert immer in der Nacht. Zur Normalzeit wird die Uhr von drei auf zwei Uhr in der Früh gestellt, in der Sommerzeit von zwei auf drei Uhr. Dadurch verschiebt sich natürlich auch Tag und Nacht. Nach der Umstellung auf die Normalzeit ist es schlagartig abends früher dunkel und morgens früher hell. In der Sommerzeit verhält es sich genau umgekehrt.

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          Die Zeitumstellung gibt es schon sehr lange. In Deutschland wurde sie vor genau hundert Jahren eingeführt. Das geschah in der Erwartung, damit Energie zu sparen. Weil es in der Sommerzeit abends länger hell ist, gingen viele davon aus, dass dann weniger künstliches Licht erzeugt werden muss. Es wurde aber seit 1916 nicht jedes Jahr die Zeit umgestellt; es kam auch immer wieder zu Unterbrechungen. Bis 1996 wurden die Uhren schon Ende September auf die Normalzeit zurückgestellt. Um die Sommerzeit in der Europäischen Union zu vereinheitlichen, wurde die Normalzeit schließlich um einen Monat verkürzt.

          Schon vor längerem hat sich herausgestellt, dass die erhofften Effekte zum Energiesparen nicht eingetreten sind. Trotzdem wird hartnäckig an der künstlichen Sommerzeit festgehalten. Es gibt allerdings auch Leute, denen das gefällt, weil es dann abends nicht so früh dunkel wird. Eigentlich erledigt die Jahreszeit das ja von alleine, Tag für Tag scheint die Sonne auf natürliche Weise ein bisschen länger, aber mit dem Vorstellen der Uhr wird das Tempo des Aufhellens beschleunigt. Dabei sagen manche Experten, dass die Sommerzeit gesundheitlich gar nicht zu empfehlen sei. Tieren wie zum Beispiel Milchkühen macht die Zeitumstellung zu schaffen, weil sie es gewohnt sind, zu einer bestimmten Zeit gemolken zu werden. Auch Kinder und erwachsene Menschen kommen damit oft nicht zurecht. Viele mögen das nicht, weil die innere Uhr dann ganz durcheinander kommt und man zu wenig schläft.

          Eigentlich ist es ja auch gar nicht nötig, wenn die gewünschte Wirkung nicht eintritt und es stattdessen einen Haufen Nachteile durch die Zeitumstellung gibt. Es gibt durchaus Politiker, die die Sommerzeit wieder abschaffen wollen. Und in Mallorca wollen sie gerade die Normalzeit abschaffen, damit es abends länger hell bleibt. Das wirkt nur auf den ersten Blick, als wären das gegensätzliche Forderungen: Für viele ist die Hauptsache, dass die Umstellung wegfällt. Das würde wahrscheinlich auch die Tiere freuen.

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