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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Erwachsene einander so eklig küssen

Küssendes Paar in Hamburg. Nicht zu erkennen: die beteiligten 80 Millionen Bakterien. Bild: Picture-Alliance

Es sieht komisch aus, es macht Geräusche, die beim Essen verboten sind, und es ist eigentlich ein einziges Gesabber – was finden Erwachsene denn nur am Knutschen?

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          Jetzt gibt es die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Dass ausgerechnet Kinder oft lautstark protestieren, es sei eklig, wenn Erwachsene miteinander knutschen, ist eigentlich sonderbar. Schließlich sind es Kinder, die Nutellabrote gerne so selbstvergessen und zugleich engagiert essen, dass die Creme sich übers ganze Gesicht verteilt. Das kommt dem Knutschen eigentlich ziemlich nah.

          Viele Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen haben in den letzten Jahren versucht herauszufinden, warum Menschen sich eigentlich küssen, und dann auch noch mit Zunge. Eine Biologin erklärte, damit würden die Menschen über den Speichel Botenstoffe austauschen und erkennen, ob sie körperlich gut zueinander passen, also gesunde Kinder bekommen können. Das machen Menschen tatsächlich auch übers Riechen, und beim Knutschen riecht man sein Gegenüber sehr intensiv. Aber wenn das alles wäre, würde es ja genügen, jemanden einmal zu küssen, um Bescheid zu wissen.

          Andere Forscher vermuten, Menschen knutschen miteinander, so wie Tiere an den Hinterteilen potentieller Partner riechen. Man sieht das ja oft bei Hunden. Und weil die Menschen irgendwann begonnen haben, aufrecht zu gehen und Kleidung zu tragen, musste man von unten nach oben ausweichen – so die Vermutung. Aber wenn es ganz so wichtig wäre wie bei Hunden, würden ja alle Menschen in allen Teilen der Welt knutschen, und das tun sie nicht. In Mittelamerika etwa, ergab eine Studie, wird nicht geknutscht, und auch in einigen afrikanischen Regionen ist es nicht üblich.

          Und dann gibt es noch die Vermutung, es erinnere uns daran, gefüttert oder gestillt zu werden. So wie Vögel ihre Küken füttern und Schimpansen ihre Kinder, Schnabel zu Schnabel, Mund zu Mund. Da wären wir dann wieder beim Nutellabrot. Das klingt jetzt allerdings, als würde man knutschen wollen, wenn man hungrig ist – so ist es nicht, aber Küssen macht Erwachsene schon ähnlich glücklich wie Schokolade Kinder. Dieses Glücksgefühl ist der eigentliche Grund, warum wir knutschen.

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          Und warum macht es glücklich? Zum einen kann man einem Menschen kaum näher sein als beim Knutschen, die Gesichter verschwimmen dabei quasi miteinander. Und wenn man verliebt ist oder sich von jemandem angezogen fühlt, will man dem sehr nah sein. Aber es gehört auch das Wissen dazu, dass dieser Mensch jetzt nicht mit jedem knutschen würde, dass es also etwas Besonderes ist, dass man ihm so nah kommen darf. Denn wenn Erwachsene ganz ehrlich sind, ist Knutschen eigentlich schon ein bisschen eklig: Wie ein Mikrobiologe herausfand, übertragen wir dabei 80 Millionen Bakterien. Jemanden gefunden zu haben, den man genug mag, dass man mit ihm gerne 80 Millionen Bakterien austauschen möchte, und dass der dann auch noch begeistert von dieser abstrusen Idee ist, so etwas Ekliges mit einem zu tun: Das ist ein echt gutes Gefühl.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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