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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Eltern etwas gegen Schimpfwörter haben

Als Emoji sogar zu einer Filmrolle gekommen: Kacke ist als Kraftausdruck ziemlich beliebt. Bild: Columbia Pictures /Courtesy Everett Collection

Für Kinder ist es manchmal ein Spaß, wenn sie Schimpfwörter benutzen, für Eltern oft ein Ärgernis. Was ist das Problem? Und was haben Forscher über den Nutzen von Kraftausdrücken herausgefunden?

          2 Min.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei allen Eltern gibt es den Moment des Schocks. Aus einem niedlichen kleinen Kindermund, der eben noch gesagt hat: „Mami, ich hab’ dich lieb“, kommen plötzlich Sätze wie: „Mami, du bist ein Arschloch.“ Für Eltern ist das schwer auszuhalten. Warum sagt mein Kind das? Habe ich was falsch gemacht? Wo hat es das überhaupt her, hat es den falschen Umgang? Was denkt man über mich,  wenn mein Kind das vor anderen sagt? Und was, wenn Oma das hört?

          Ein „Arschloch“ – und das Gedankenkarussell wird in Gang gesetzt. Eltern  stellen sich dann selbst in Frage. Nicht nur das Kind hat in ihren Augen etwas falsch gemacht, sondern im weiteren Sinne auch sie selbst, das macht die Sache doppelt schwer. Wenn Eltern dann heftig reagieren, ist das für die Kinder ein Volltreffer. Nur ein einziges Wort und so eine Wirkung, wo gibt es das schon?  Sie lernen so, dass sie etwas haben, mit dem sie die Eltern auf die Palme bringen können: Wenn ich das A-Wort sage, flippt Papa aus, und ich habe Macht über ihn.

          Der Gebrauch von Kraftausdrücken wird so zum wunderbaren Experimentierfeld, mit dem man seine Grenzen austesten kann. Eltern sollten sich klarmachen, dass der Gebrauch von Schimpfwörtern in einem bestimmten Alter dazugehört. Fachleute haben sich dafür das Wort „verbalanale Phase“ ausgedacht, also Abschnitt, in dem es mit Wörtern viel um den Po geht. Und Eltern sollten im Blick haben, dass viele Kinder oft gar nicht wissen, was das heißt, was sie auf dem Schulhof gehört haben. Das gilt insbesondere für die F-Wörter. Vielleicht fragen sie sich dann selbst: Was soll ich da jetzt mit meinem Kind machen?

          Und wenn Eltern ehrlich sind, haben sie vielleicht auch ihren Teil dazu beigetragen, dass die eigenen Kinder Schimpfwörter kennen, denn wer ist schon frei vom Fluchen?

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          Das erste schlimme Wort, das Kinder sagen, ist meistens "Scheiße". Weil es eben auch den Eltern herausrutscht, wenn ihnen der Einkauf hinfällt oder wenn sie vergessen haben, die heiße Pfanne vom Herd zu nehmen. Es sind kleine Ausnahmesituationen im Leben, in denen man eben nicht wohlformuliert sagt: "Das ist jetzt aber schade, dass meine Bratkartoffeln angebrannt sind."

          Der Gebrauch von Schimpfwörtern hat eine Entlastungsfunktion, die es einem erlaubt, den Ärger rauszulassen, sprachlich. Wissenschaftler der britischen Universität Keele haben außerdem herausgefunden, dass Fluchen die Schmerztoleranz erhöht: Versuchspersonen, die ihre Hand in Eiswasser tauchen mussten, konnten dies länger aushalten, wenn sie fluchen durften. Im Körper wird dann Adrenalin freigesetzt, das den Schmerz lindert und Kräfte mobilisiert.

          Das heißt nicht, dass Kinder fluchend durch die Welt gehen und die Eltern  lächelnd dabei zusehen sollten, schließlich kann man mit Schimpfwörtern auch andere verletzen.  Nur:  Strafen, Schimpfen und helle Aufregung bringen wenig oder verstärken die Sache noch. Besser ist es, die Nerven zu behalten und ruhig zu erklären: „Ich bin kein Arschloch, das Wort verletzt mich. Und ich mag es deshalb nicht mehr hören.“

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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