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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Chinesen jetzt Neujahr feiern

  • -Aktualisiert am

Ein Tempel in Kuala Lumpur ist für das chinesische Neujahrsfest ganz in rot geschmückt. Bild: AFP

Das Neujahrsfest ist der wichtigste Feiertag in China. Dabei hat es nicht einmal ein festes Datum. Was und wie wird da gefeiert – und wieso beginnt jetzt das Jahr des Erd-Hundes?

          An diesem Freitag beginnt das chinesische Neujahr. Mit dem Fest, das auch Frühlingsfest genannt wird und als der wichtigste Feiertag in China gilt, beginnt 2018 das Jahr des Erd-Hundes. Während unser Kalender vom Lauf der Erde um die Sonne ausgeht, richtet sich das neue Jahr in China nach einem traditionellen Mondkalender. Der Neujahrstag fällt immer auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, also zwischen den 21. Januar und den 21. Februar.

          Gefeiert wird das neue Jahr nicht nur in China, sondern im gesamten chinesischen Kulturkreis, das heißt auch in Ländern wie Korea, der Mongolei und Vietnam. Eine unglaublich hohe Zahl Reisender macht sich vor Beginn des Festes auf den weiten Weg zu ihren Familien. Am weitesten haben es die geschätzt etwa vierzig Millionen Chinesen, die im Ausland leben. Man könnte es die größte Völkerwanderung der Welt nennen. Während des Festes, das insgesamt einen ganzen Monat lang gefeiert wird, ergeben sich bei einigen Chinesen auch neue Kontakte und Jobangebote, weswegen manche nach den Feiertagen gar nicht an ihren vorherigen Arbeitsort zurückkehren, sondern bei ihren Familien bleiben. Vor allem Baustellenbetreiber, Hoteliers, Restaurantbesitzer und Friseure müssen sich dann neue Mitarbeiter suchen.

          Wie bei uns auch wird das neue Jahr mit Feuerwerk und Festessen begrüßt. Die Vorbereitungen dafür beginnen meist schon mehrere Wochen vorher. Die Chinesen dekorieren öffentliche Gebäude und Straßen mit roten Laternen. Am Neujahrstag selbst erhalten Kinder und unverheiratete Familienmitglieder Geldgeschenke in roten Umschlägen, weil man mit der roten Farbe in der chinesischen Kultur Glück und Freude verbindet. Eine Legende besagt, dass vor langer Zeit in China ein gefürchtetes menschenfressendes Monster namens „Nian“ lebte und jedes Jahr in der Neujahrsnacht aus den Bergen gekommen sei, um ein Dorf zu überfallen und seinen Hunger zu stillen. Um das Ungeheuer zu vertreiben, machten die Menschen Lärm und Feuer.

          In der chinesischen Astrologie wechseln sich Jahr für Jahr zwölf Tierkreiszeichen und fünf sogenannte Wandlungsphasen ab, nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, in deren gemeinsamem Zeichen das Jahr steht. So entsteht ein Kreislauf, der alle sechzig Jahre wieder von vorne beginnt. 2018 ist das Jahr des Erd-Hundes. Menschen, die im Jahr des Hundes geboren sind, also zum Beispiel 2006, 1994, 1982 oder 1970, wird nachgesagt, dass sie treu, pflichtbewusst und verlässlich sind, aber gleichzeitig auch misstrauisch gegenüber Fremden. Im Jahr ihres Tierkreiszeichens sind sie besonders anfällig für Unheil. Deshalb sollen sie dann so oft wie möglich rote Kleidung tragen.

          Der Glaube, dass ein bestimmtes Verhalten an den Neujahrstagen Glück, ein anderes aber Unglück bringt, ist weit verbreitet. Zum Beispiel soll es helfen, vor dem Fest das Haus zu putzen, die Fenster zu öffnen und nachts ein Licht brennen zu lassen, um dem Glück den Weg zu weisen. Unglück bringen soll es dagegen, wenn man sich während der Neujahrstage die Haare schneidet, weil das chinesische Wort für Haar sehr ähnlich wie das Wort für Wohlstand klingt, den man bewahren möchte. An den Festtagen soll man zudem keine schwarze oder weiße Kleidung tragen, da Schwarz die Farbe des Unglücks ist und Weiß die Farbe der Trauer.

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          Weltweit werden viele verschiedene Neujahrsfeste gefeiert. Das Neujahr im westlichen Kulturkreis richtet sich nach dem gregorianischen Kalender, einem Sonnenkalender, nach dem das Jahr eine Länge von 365 Tagen hat. Das jüdische Neujahr, auch Rosch Haschana genannt, wird wie das chinesische Neujahr nach einem Mondkalender berechnet und fällt nach unserer Kalenderrechnung in den Herbst.

          Auch das islamische Neujahr richtet sich nach einem Mondkalender, dem zufolge ein Jahr elf Tage kürzer ist als bei uns. Die Muslime gedenken an diesem Tag der Flucht ihres Propheten Mohammed von Mekka nach Medina, die den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert. Die verschiedenen Bräuche und Rituale, mit denen das neue Jahr begrüßt wird, führen zu einer großen Vielfalt an Festen. Köstlichkeiten gehören überall dazu.

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