https://www.faz.net/-i35-88sq9

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Blätter bunt werden

  • -Aktualisiert am

Herbst in Berlin: Das Laub wird bunt zwischen Reichstag und Kanzleramt. Bild: dpa

Im Herbst verliert das Laub der Bäume seine frische grüne Farbe. Die Blätter werden strahlendgelb oder sogar tiefrot. Wir finden den Anblick schön – für den Baum aber geht es ums Überleben.

          5 Min.

          Jetzt leuchten sie überall am Straßenrand: die gelb, orange, rot und manchmal sogar fast lila gefärbten Baumkronen. Und unten auf den Gehwegen und in den Gärten sammeln sich die bunten Blätter, bis man manchmal knöcheltief hindurchwaten muss. Für uns ist das Laub, das sein Grün gegen die warmen Herbsttöne eintauscht, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist. Was wir schön und herbstlich finden, was uns an Halloween denken lässt oder sogar schon mal daran, dass es irgendwann, ganz bald, wieder weihnachtlich werden wird, das hat für den Baum aber eine ganz andere Bedeutung. Der Baum beginnt gelb-orange-rötlich zu leuchten, damit er den Herbst und den Winter überhaupt überleben kann. Einfach grün zu bleiben, ist für ihn keine Option.

          Grün sind die Blätter des Baumes im Frühling und Sommer wegen eines grünen Farbstoffes, der in ihnen steckt: wegen des Chlorophylls. In einem Blatt sind Millionen winziger, rundlicher Gebilde, sie heißen Chloroplasten. In den Chloroplasten befindet sich das Chlorophyll. Es ist unbedingt notwendig für die Photosynthese, einen der wichtigsten Vorgänge überhaupt für das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen in dieser Welt. Mit Photosynthese bezeichnet man es, wenn Pflanzen die Energie des Sonnenlichtes einfangen und mit Hilfe dieser Energie wichtige Stoffe herstellen, aus denen die Pflanze besteht, insbesondere Kohlenhydrate, die man auch schlicht „Zucker“ nennt. Diese Stoffe wiederum brauchen Tiere und Menschen, weshalb sie Pflanzen verzehren. Bei der Photosynthese bildet sich außerdem Sauerstoff, den wir alle zum Atmen brauchen. Ein Baum braucht Blätter, weil sie die Hauptorte sind, an denen die Photosynthese stattfindet.

          Stacheln sind Blätter

          Andere Pflanzen benutzen ihre Blätter für andere Zwecke. So sind zum Beispiel auch die harten, spitzen Stacheln der Kakteen Blätter. Sie schützen die Pflanze, können aber für die Photosynthese nicht mehr dienlich sein. Für die Buchen, Ahornbäume oder Eichen jedoch, die wir im Moment am Wegesrand in kräftigen Farben leuchten sehen, erfüllen die Blätter vor allem den Zweck, dass in ihnen die Photosynthese ablaufen kann.

          Obwohl die Blätter so wichtig sind für den Baum, muss er sie im Herbst abwerfen. Über ihre Oberfläche würde sonst zu viel Wasser verdunsten, und im Winter kann der Baum kein neues Wasser aus dem gefrorenen Boden aufnehmen. Er würde also Gefahr laufen auszutrocknen. Bevor die Blätter fallen, werden wichtige Nährstoffe – zum Beispiel Magnesium oder Zucker – aus dem Blatt in Richtung der Äste, an denen die Blätter wachsen, abtransportiert. Die wertvollen Nährstoffe bleiben dort bis zum Frühjahr gespeichert und werden dann in die neuen, jungen Blätter zurückgeleitet.

          Sind die Nährstoffe „eingelagert“, bricht das Blatt samt Stiel ab – und zwar an einer Stelle, die genau dafür vorgesehen ist. Die Bindung des Blattstiels zu dieser Stelle wird schwächer und lockerer, wenn es Herbst wird. Man kann sich das ungefähr so vorstellen wie bei einem Notizblock für die Schule, der links an der Seite oder oben eine vorgeprägte Linie hat, an der man die Blätter leicht herausreißen kann. Der Unterschied ist nur, dass unsere Notizblöcke in der Schule nicht plötzlich anfangen, ihre Blätter selbst aus sich hinauszuwerfen.

          Hormone im Baum

          Woher „wissen“ aber die Stellen an den Zweigen des Baumes, dass sie aufweichen sollen? Auch in einem Baum zirkulieren Hormone, so wie im Körper von Menschen und Tieren. Wenn manche Hormone mehr produziert werden und andere weniger, verändert sich einiges in der Pflanze, und das betrifft eben auch die kleinen Verbindungsstellen, an denen das Blatt festsitzt. Und die Orte im Baum, an denen die Hormone produziert werden – man weiß über diese Orte noch sehr wenig –, werden direkt beeinflusst von der Länge der Lichteinstrahlung pro Tag. Werden die Tage kürzer, verändert das die Hormonbildung im Baum.

          Weitere Themen

          Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht Video-Seite öffnen

          Sensationsfund : Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

          Ein durch Zufall gefundenes Gemälde wurde als das vor mehr als 20 Jahren gestohlene Werk von Gustav Klimt "Bildnis einer Frau" identifiziert. Das Gemälde wurde im Dezember in der Außenmauer eines italienischen Museums in Piacenza entdeckt. Nun bestätigt die Museumsleitung, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um das Original handelt.

          Topmeldungen

          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.