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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es gut ist, mit vielen Sprachen aufzuwachsen

  • -Aktualisiert am

Zweisprachigkeit macht gedanklich flexibel: deutsch-chinesische Kita in Berlin Bild: Picture-Alliance

Bayerische Politiker haben vorgeschlagen, dass in Deutschland lebende Ausländer zuhause mit ihren Kindern deutsch sprechen sollen. Dabei gibt es viele Vorteile, wenn man schon als Kind mehrere Sprachen lernt.

          Sophia wird es mal leichter haben in der Schule, zumindest in Englisch und Französisch. Denn das fünf Jahre alte Mädchen hat einen britischen Vater und eine französische Mutter, mit denen es in Deutschland wohnt. Zuhause redet Sophia mit ihren Eltern Englisch und Französisch, im Kindergarten und mit den Nachbarskindern Deutsch. Klar, dass sie da manchmal etwas durcheinander bringt: „Can I have ein bisschen Schokolade, s’il vous plaît?“

          Früher dachte man, dass so eine Sprachverwirrung für Kinder schädlich sei. Inzwischen sind sich die meisten Sprachforscher einig, dass Probleme wie das Vermischen der Sprachen oder eine anfangs oft etwas langsamere Sprachentwicklung bald vorübergehen. Der Vorteil, mehrere Sprachen wie eine Muttersprache zu beherrschen bleibt dafür ein Leben lang.

          Und so richtig geht das eben nur im Vor- und Grundschulalter, in dem Kinder wahre Meister im Sprachenlernen sind. Anstatt mühevoll Vokabeln und Grammatik zu pauken, saugen sie die Sprache oder eben auch mehrere Sprachen ihrer Eltern und anderer Bezugspersonen ganz nebenbei in sich auf und lernen sie dabei besser, als man es später mit Unterricht im Jugend- oder Erwachsenenalter je könnte. Berieselung durch Hörbücher oder Filme hilft dabei nur bedingt. Wirklich lernen kann das Kind nur durch den aktiven Umgang mit anderen Menschen. Und die sollten die Sprache natürlich auch wirklich beherrschen.

          Geistige Beweglichkeit auch in anderen Bereichen

          Wenn aber zum Beispiel aus dem Ausland nach Deutschland gezogene Eltern selbst erst ein Paar Brocken Deutsch können, werden es ihre Kinder auch kaum von ihnen lernen. Dass klappt dann eher, wenn sie die Kinder in einen Kindergarten schicken, wo sie mit Gleichaltrigen und Betreuern die Landessprache lernen können.

          Die Vorteile der Mehrsprachigkeit beschränken sich durchaus nicht darauf, später faulenzen zu können, während die Mitschüler Vokabeln büffeln müssen – da würden einem exotischere Sprachen wie Aserbaidschanisch oder Thailändisch auf deutschen Schulen wohl auch wenig bringen. Dafür gibt es aber viele Hinweise darauf, dass es mehrsprachig aufgewachsenen Menschen später leichter fällt, weitere Sprachen zu lernen und dass sie allgemein etwas flexibler denken können. Die Erklärung: Wer mehrsprachig aufwächst, versteht schon früh, dass Wörter nur willkürlich vereinbarte, austauschbare Geräuschfolgen sind - ein Hund ist ein „Hund“, weil wir uns im Deutschen irgendwann darauf geeinigt haben, ihn so, und nicht etwa „Schnyrx“ zu nennen.

          Dieses sogenannte „metalinguistische Verständnis“ ist bei Mehrsprachlern stärker ausgeprägt und scheint bis ins hohe Alter günstig auf alle möglichen anderen geistigen Fähigkeiten abzufärben. Besonders groß sind diese Effekte allerdings nicht und es braucht sich niemand doof vorzukommen, weil er nur eine einzige Muttersprache hat.

          In mehreren Kulturen zuhause

          Übrigens ist es durchaus nicht so ungewöhnlich, mehrsprachig aufzuwachsen, wie wir das bei uns in Europa oft glauben: In vielen Ländern der Welt ist die Mehrheit der Menschen mehrsprachig. So gibt es in der westliche Ukraine eine deutschstämmige Minderheit, für deren Angehörige es ganz normal ist, gleichzeitig Deutsch, Russisch, Ukrainisch und Ungarisch zu sprechen. Und in Indien werden neben den beiden Amtssprachen Hindi und Englisch mehr als 120 andere Sprachen gesprochen. Drei-, vier- oder fünfsprachige Menschen sind dort eher die Regel als die Ausnahme.

          Das wichtigste Argument für eine mehrsprachige Erziehung von Einwandererkindern dürfte am Ende sein, dass sie sich so später gleichzeitig in mehreren Kulturen zuhause fühlen können: der ihrer Eltern und der des Landes, in dem sie aufwachsen. Grund genug, die Sprache des Landes zu erlernen, in dem man lebt.

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