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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Zeit unterschiedlich schnell vergeht

Unser inneres Zeitgefühl stimmt nicht immer mit der Uhrzeit überein Bild: Jakob von Siebenthal

Es ist zum Mäusemelken: Kaum haben die Ferien angefangen, sind sie auch schon wieder vorbei – während in der Schule schon ein halber Tag ewig lange dauert. Warum vergeht die Zeit mal schnell und mal langsam?

          „Mama, ist es noch weit?“, „Papa, sind wir bald da?“, „Ich muss mal!“ Sätze, auf die viele Eltern bei langen Autofahrten genervt reagieren. Dabei ist es ja nun wirklich interessant zu wissen, wie lange es noch dauert – gefühlt sitzt man eine halbe Ewigkeit auf der Rückbank fest, hat sämtliche Ratespiele schon zehn Mal durchgespielt und naja, irgendwie hat man das Gefühl, dass man doch so langsam mal aufs Klo gehen könnte. Warum also verstehen die Erwachsenen das nicht?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Ein Grund dafür ist, dass für Erwachsene die Zeit anders vergeht als für Kinder. Das heißt nicht, dass sie verschiedene Uhren haben, die anders ticken. Es ist eher eine Art innere Uhr, die da eine Rolle spielt: Die Erwachsenen, die während der Autofahrt vorn sitzen, unterhalten sich in der Regel. Da werden oft Themen besprochen, die im Alltag liegen geblieben sind, zum Beispiel was auf der Arbeit des jeweils anderen gerade so los ist. Manchmal werden auch Dinge geregelt, für die sonst keine Zeit ist, oder Termine vereinbart. Erwachsenen macht so etwas nicht immer Spaß, aber sie sind oft froh, einmal in Ruhe miteinander reden zu können – auf einer langweiligen Autofahrt bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig. Jedenfalls sind Erwachsene dann ziemlich beschäftigt und ihnen ist, im Gegensatz zu den Kindern, nicht langweilig. Es ist nämlich so: Während Kinder am liebsten spielen, reden Erwachsene besonders gerne.

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          Diese unterschiedlichen Gefühle darüber, wie viel Zeit vergeht, haben etwas mit den Vorgängen im menschlichen Gehirn zu tun. Forscher haben herausgefunden, dass es für diese innere Uhr, die macht, dass Kindern langweilig und Erwachsenen weniger langweilig ist, eine Erklärung gibt. Man nennt das „subjektives Zeitempfinden“. Das bedeutet, dass für jeden einzelnen Menschen die Zeit anders vergeht. Die Einschätzung eines Menschen, wie lange etwas dauert, hängt davon ab, was er in diesem Zeitabschnitt tut oder erlebt. Wenn man sich weniger anstrengt und wenig nachdenkt, also zum Beispiel ein einfaches Ratespiel spielt, dann kommt es einem so vor, als würde die Zeit sehr langsam vergehen. Eigentlich vergeht sie aber natürlich genauso schnell wie bei den Erwachsenen, die sich vorne unterhalten und für die die Zeit nur so dahinfliegt. Das ist natürlich blöd, lässt sich aber ändern: Kinder können eine schöne Kassette hören oder ein spannendes Buch lesen (es sei denn, ihnen wird beim Lesen im Auto schlecht).

          Aber das ist nicht die einzige Situation, in der unsere innere Uhr uns täuscht. In den Sommerferien ist das Leben eine einzige Wonne, Kinder können von morgens bis abends spielen, durch den Wald stromern oder schwimmen gehen. Jeden Tag können sie sich mit anderen Kindern verabreden, ohne auch nur einen Gedanken an die Schule zu verschwenden. Das ist natürlich die beste Zeit im Jahr (auch wenn die Schule manchmal gar nicht so übel ist) und zu Beginn der Ferien erscheinen diese sechs (!!) Wochen wie der längste Zeitraum, den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Wenn dann aber von heute auf morgen das neue Schuljahr vor der Tür steht, ist der Schrecken groß. Wo sind diese magischen sechs Wochen hin? Im Rückblick erscheinen sie wie ein langer, wunderschöner Sommertag.

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          Das liegt daran, dass Kinder in den Sommerferien oft sehr viele Dinge tun, die ihnen Spaß machen. Zum Beispiel den Rasensprenger im Garten aufstellen und darunter durchlaufen. Oder drei Eis am Stück essen. Oder ein Zelt aufbauen und darin übernachten. Das sorgt natürlich für viel Abwechslung und neue Geschichten, die das Gehirn erst verarbeiten muss. Und das wiederum bewirkt, dass man glaubt, die Zeit wäre viel schneller vergangen als sonst. So kommt es einem am Ende der Ferien oft vor, als wäre ein fetter Brocken Zeit einfach abgebrochen. Das ist zwar schade, aber man kann sich immer noch mit dem Gedanken trösten: Meine Sommerferien waren so aufregend, dass sie so schnell vergingen wie ein einziger Tag.

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