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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Spenden vom Schenken und Sponsern unterscheidet

„Sea Watch“ beim Rettungseinsatz Bild: AP

Mehr als eine Million Euro floss in den vergangenen Tagen an die Hilfsorganisation „Sea Watch“ und Kapitänin Carola Rackete. Was die Organisation mit dem Geld machen darf und was sie von anderen unterscheidet.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Menschen in Not zu helfen. Schnell, unkompliziert und weit verbreitet ist die Spende: Man verschenkt, was man selbst nicht zwingend zum Leben braucht. Das können an Weihnachten ein paar Euro in der Kirche sein (Geldspende) oder ein paar Semmeln für den Bettler in der U-Bahn (Sachspende). Hauptsache ist, dass man es freiwillig tut und dass man keine Gegenleistung erwartet, also anders als beim Einkaufen für seine Spende nichts bekommt außer vielleicht ein dankbares Lächeln.

          Das unterscheidet die Spende auch vom Sponsoring, wie wir es zum Beispiel aus dem Fußball kennen. Wenn der Wursthersteller Wiesenhof dem Verein Werder Bremen mehrere Millionen Euro überweist, dann macht er das nicht aus Spaß oder edlen Motiven – sondern weil die Fußballer im Gegenzug mit dem Wiesenhof-Logo auf dem Trikot rumlaufen und Werbung für das Wurstgeschäft machen. Abgesehen davon kann bei Bundesliga-Fußballern ohnehin nicht von Not die Rede sein.

          Bei flüchtenden Menschen aus Afrika, die auf Schlauchbooten im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen, allerdings schon. Für viele Menschen in Deutschland ist nicht so wichtig, wie die Afrikaner in diese schlimme Lage gekommen sind. Sie wollen einfach nur helfen und machen das über Spenden an Organisationen, die auf dem Meer zwischen Italien und Libyen aktiv sind – mit der deutschen Organisation „Sea Watch“ und ihrer Kapitänin Carola Rackete als einer der bekanntesten. Mehr als eine Million Euro floss in den vergangenen zwei Wochen von deutschen Bankkonten an „Sea Watch“.

          Im Prinzip sind solche Spenden nichts anders als Geschenke, wie die Tante sie ihrem Neffen Jahr für Jahr zum Geburtstag macht. Trotzdem ist die Sache im Falle von „Sea Watch“ etwas anderes. Denn bei der Organisation handelt es sich um einen sogenannten gemeinnützigen Verein. Solche Vereine sind offiziell dazu verpflichtet, kein wirtschaftliches Geschäft und auch nicht wie Parteien Politik zu betreiben, sondern ausschließlich Gutes für die Menschheit zu tun. Etwas Gutes, das bedeutet konkret die Förderung von Kunst, Bildung, Völkerverständigung, Umweltschutz – oder, wie bei „Sea Watch“, die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr.

          Wer mit Geld gemeinnützige Vereine unterstützt, hat im Vergleich zur Spende an nicht gemeinnützigen Organisationen einen großen Vorteil: Er darf dann bis zu einer bestimmten Höhe weniger Steuern zahlen. 20 Euro an „Sea Watch“ bedeutet also ein paar Euro weniger Steuern am Ende des Jahres, wenn man normal arbeitet. Geregelt wird das über sogenannte Spendenquittungen, also Nachweise in Papierform, die Spender und Empfänger unterschreiben.

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          Gemeinnützige Vereine haben dafür aber weniger Freiheiten als andere Organisationen. Sie müssen mit Spenden genau das machen, was ihr offiziell genehmigter Zweck ist – ansonsten sind sie ihren Vorteil schnell wieder los, und es steht vielleicht sogar die Polizei vor der Tür. „Sea Watch“ zum Beispiel darf also nicht das viele Geld für den Kauf von Luxusautos oder teuren Kaviar verwenden. Erlaubt ist hingegen, ein neues Schiff für die Rettung von Menschen im Mittelmeer zu kaufen, wie es der Verein angekündigt hat. Wichtig ist, dass jeder eingenommene Euro und jeder ausgegebene Euro fehlerfrei und lückenlos notiert wird.

          Auf diese Weise sind Spenden anders als Geschenke, zumindest wenn sie an gemeinnützige Vereine gehen: Man sieht, was mit dem Geld passiert. Diese Kontrollierbarkeit und Nachvollziehbarkeit nennt man Rechenschaftspflicht. Wer also spenden und wissen will, wem wirklich geholfen wird, sollte immer nach einer Spendenquittung fragen.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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