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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir schwitzen und das manchmal so unangenehm riecht

Oh Schreck, ein Fleck! Bild: Picture-Alliance

Alle tun es, doch niemand tut es gern – außer in der Sauna. Dabei ist das Schwitzen sogar lebenswichtig. Über eine wichtige Funktion als Erbe unserer Ur-Vorfahren und die eigentlichen Verursacher des Schweißgeruchs.

          3 Min.

          Jetzt gibt es die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer kennt das nicht? Die Sonne scheint mit ihrer vollen Kraft vom Himmel herunter, und man tobt wie wild auf dem Spielplatz, kickt auf dem Fußballfeld oder tritt in die Fahrradpedale, und plötzlich tropft es von der Stirn und das T-Shirt wird ganz nass unter den Achseln – man ist kräftig ins Schwitzen gekommen.  Das geht jedem Menschen so, ob jung oder alt, ob Frau oder Mann. Schwitzen ist etwas ganz Natürliches. Unser Schweiß ist sozusagen die Klimaanlage für unseren Körper.

          Normalerweise haben wir Menschen eine Körpertemperatur von um die 37 Grad. Wenn wir Sport treiben, uns anstrengen oder eben in der Sonne baden, dann erhöht sich die Körpertemperatur. In einem bestimmten engen Rahmen ist das kein Problem – irgendwann dann aber schon. Denn alle Vorgänge im Körper wie das Verdauen, Atmen oder auch das Denken funktionieren eben am besten bei diesen 37 Grad. Aus diesem Grund ist der Körper daran interessiert, möglichst nahe an dieser Temperatur zu bleiben, und beginnt bei steigenden Gradzahlen mit verschiedenen Mechanismen, uns wieder runterzukühlen.

          Schwitzen ist einer dieser Mechanismen. Befiehlt das Gehirn den Schweißdrüsen, Schweiß zu produzieren, dann läuft er uns über die Haut, verdunstet dort und kühlt uns so. Aber auch ohne Anstrengung, zum Beispiel während des Schlafs, produzieren wir täglich Schweiß. Er befördert dann Abbauprodukte, die wir nicht mehr benötigen, aus unserem Körper und leistet damit einen Beitrag zur Entgiftung. Das ist auch einer der Gründe, warum manche Menschen extra zum Schwitzen in die Sauna gehen

          Aber auch, wenn wir Angst haben oder aufgeregt sind, fangen viele Menschen an zu schwitzen. Man könnte glauben, das liegt daran, weil es auch ganz schön anstrengend sein kann, Angst zu haben. Aber genaugenommen haben wir diesen Angstschweiß mal wieder unseren Ur-Vorfahren zu verdanken. Wenn sie fürchteten, dass gleich der wilde Bär oder ein gefährlicher Angreifer um die Ecke geschossen kommt, hat sich ihr Körper schon mal auf Flucht und körperliche Anstrengung eingestellt und den Organismus vorsichtshalber abgekühlt, damit man dann auch volle Leistung bringen kann. Außerdem leitet der Körper in solchen Momenten das Blut vor allem in die Muskeln, damit man schnell ist, wenn es drauf ankommt. Die Haut wird damit weniger durchblutet und kälter. Aus diesem Grund ist Angstschweiß oft kalt.

          Schweiß besteht zu 99 Prozent aus Wasser, das restliche ein Prozent setzt sich zusammen aus Elektrolyten wie Natrium oder Calcium sowie aus Carbonsäuren und Harnstoffen. Schweiß ist etwas sehr Individuelles. Er setzt sich bei praktisch jedem Menschen etwas anders zusammen und riecht auch etwas anders. Was aber gleich ist: Die allermeisten Menschen finden, Schweiß stinkt – allem voran der von anderen, den eigenen kann man meist noch recht gut ertragen.

          Warum ist das so, wo Schwitzen doch so lebenswichtig für uns ist?

          Vorneweg, an einigen Dingen wird immer noch geforscht in diesem Bereich, was man aber weiß: Ganz frischer Schweiß riecht eigentlich nicht. Er beginnt erst zu müffeln, wenn er länger an unserer Haut und unseren Klamotten klebt. Forscher gehen davon aus, dass die Bakterien, die sich ganz natürlich auf unserer Haut befinden, diesen Schweiß zersetzen. Dabei entstehen Fettsäuren, die dann für den strengen Geruch sorgen. Besonders Schweiß unter den Achseln riecht oft unangenehm, was unter anderen an der Zusammensetzung der Schweißdrüsen dort, aber auch an den Bakterien liegen kann.

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          Weiß man das alles, heißt das aber im Umkehrschluss: Wer sich regelmäßig wäscht, immer mal wieder ein Deo benutzt und die Kleider wechselt, muss keine Bedenken haben, dass er unangenehm riecht. Denn wie gesagt, erst wenn wir länger mit dem Schweiß herumrennen, stinkt er. Daher könnte auch der Grund stammen, dass wir uns vor Schweiß ekeln. Denn wer stark nach Schweiß stinkt, der hat sich wohl länger nicht gewaschen, das gilt als unhygienisch, und das finden die meisten Menschen abstoßend.

          Sonderfall Teenager

          Allerdings muss man auch wissen: Wie viel man schwitzt und wie schnell der Schweiß durch Bakterien zersetzt wird, ist auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und es gibt auch welche, bei denen die Schweißbildung krankhaft erhöht ist, die also unter ihrem vielen Schwitzen und dem vielleicht daraus resultierenden Geruch leiden und nur schwer etwas dagegen tun können. Das sollte man nicht vergessen, wenn man Menschen nach ihrem Geruch beurteilt.  

          Babys und Kleinkinder riechen übrigens in der Regel nicht nach Schweiß, sie haben keinen unangenehmen Körpergeruch. Das liegt wohl daran, dass die Schweißdrüsen erst mit der Pubertät und  den damit verbundenen Veränderungen im Hormonsystem ihre volle Funktion aufnehmen. Ab diesem Alter kann es dann auch passieren, dass man mal streng riecht. Besonders fies dabei ist, etwas, das Forscher herausgefunden haben: Die Hormone sind wohl auch dafür verantwortlich, dass bei Teenager auch schon relativ frischer Schweiß riecht, obwohl sie sich jeden Tag waschen. Deshalb ist ein Deo in der Schul- oder Sporttasche auf jeden Fall ab diesem Alter erlaubt.

          Übrigens: Angstschweiß riecht, so sagen Wissenschaftler, anders als etwa der Sportschweiß. Auch das hat mit unseren Ur-Vorfahren zu tun: Angstschweiß soll durch seinen Geruch Mitmenschen aufmerksamer machen und warnen. Ganz nach dem Motto: Hier hat einer Angst, es könnte auch für dich gefährlich werden.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen

          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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