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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob Fleischverzicht das Klima rettet

Frisch gebratenes Rindersteak: Bleibt uns künftig davon nur das Rosmaringrün? Bild: Picture-Alliance

Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte doch am besten aufhören, Fleisch zu essen. Das hört man immer wieder. Doch unter Umständen sind Kühe sogar gut fürs Klima.

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          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Immer mehr Menschen essen kein Fleisch. Viele von ihnen wollen nicht, dass für ihre Nahrung andere Lebewesen getötet werden. Doch es gibt auch andere Gründe, auf Fleisch oder sogar ganz auf tierische Produkte wie Milch, Käse und Eier zu verzichten. Denn Tierhaltung kann dem Klima schaden und dazu beitragen, dass es auf unserem Planeten immer wärmer wird. Schuld an der Erwärmung sind die sogenannten Treibhausgase. Dazu gehört CO2, dass von Autos und Flugzeugen ausgestoßen wird, aber auch Methan. Methan entsteht zum Beispiel, wenn Kühe pupsen und rülpsen. Je mehr Kühe, desto mehr Methan, desto wärmer wird es. Logisch, oder? Bedeutet das also, dass Kühe klimaschädlich sind und wir lieber kein Rindfleisch essen und keine Milch trinken sollten? Und was ist überhaupt mit anderen Tieren wie Hühnern und Schweinen? Sind die genauso schlecht für unser Klima?

          Leider ist das alles nicht so einfach. Es macht nämlich einen großen Unterschied, wo die Tiere leben und was sie fressen. Werden Kühe im Stall gehalten und kriegen kein frisches Gras, bekommen sie oft Futter aus Soja. Das fressen Hühner und Schweine auch. Soja wird aber zu großen Teilen nicht bei uns, sondern in Südamerika angebaut. Bis das Futter bei Tieren in Deutschland landet, hat es also schon eine lange Reise hinter sich. Und bei dieser Reise, mit Auto, Schiff oder Flugzeug, entsteht CO2. Und das, wir erinnern uns, ist gar nicht gut für das Klima.

          Ein anderes Problem ist, das der Soja-Anbau einiges an Platz braucht. Es gibt schließlich ganz schön viele Tiere zu füttern. Dieser Platz wird oft geschaffen, indem man in Südamerika Regenwälder abholzt. Die sind aber für unser Klima extrem wichtig, denn sie speichern CO2, so dass es nicht in die Atmosphäre gelangen kann. Je weniger Bäume es gibt, desto wärmer wird es auf der Erde. Wenn Kühe, Schweine oder Hühner also Soja fressen und dafür Bäume gefällt werden, schadet das dem Klima.

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          Und dann war da ja noch die Sache mit dem Methan. Das stoßen Schweine und Hühner viel weniger aus als Kühe. Trotzdem sind Kühe nicht unbedingt klimaschädlicher als andere Tiere. Stehen sie nämlich nicht im Stall, sondern auf der Weide, fressen sie gar kein Soja. Kuhweiden sind Wiesen, und die sind gut für das Klima. Wenn Kühe auf der Weide stehen, entsteht durch Kuhfladen Humus. So nennt man eine bestimmte Art von Boden, wie er im Moor, im Waldboden oder eben auf Kuhwiesen vorkommt. Dieser Boden speichert CO2 genauso wie Bäume, so dass der Stoff nicht in unsere Atmosphäre gelangt. Mit ihren Fladen können Kühe dem Klima also sogar nützen. Wenn gesagt wird, dass Kühe so klimaschädlich wie Autos sind, stimmt das nicht in jeder Hinsicht.

          Welchen Unterschied es macht, ob Kühe auf einer Wiese oder im Stall stehen, kann man auch an Zahlen sehen. Durchschnittlich werden für 125g Rindfleisch 1.927 Liter Wasser verbraucht. Das sind fast 11 volle Badewannen für ein sehr, sehr kleines Steak. So viel Wasser sind aber nur dann nötig, wenn die Kuh Futter bekommt und nicht grast. Steht sie auf der Wiese, ist der Wasserverbrauch sehr niedrig. Das ist auch beim CO2-Ausstoß so. Durch 125g Rindfleisch kommen durchschnittlich 1,664 kg CO2-Äquivalente in die Atmosphäre. Steht die Kuh auf der Weide, produziert sie Humus und jede Tonne Humus entlastet die Atmosphäre um 1,8 Tonnen CO2.

          Wer etwas für das Klima tun will, muss nicht unbedingt ganz auf Fleisch verzichten. Sondern nur weniger davon essen und darauf achten, was die Tiere gefressen haben und woher sie kommen.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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