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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Messi, Rosberg und die Briefkastenfirmen

Was ist denn los mit ihm? Lionel Messi bei einem Fußballspiel Mitte März in Barcelona Bild: Picture-Alliance

Die „Panama Papiere“ bringen Staatschefs und Stars in Erklärungsnot. Auch die Spitzensportler Lionel Messi und Nico Rosberg gehören dazu, sie sollen Briefkastenfirmen besitzen. Was ist das Problem?

          In dieser Woche haben zwei Sportstars Schlagzeilen gemacht: Lionel Messi, vielleicht der beste Fußballspieler der Welt, und Nico Rosberg, Formel-1-Rennfahrer bei Mercedes. Schlagzeilen haben sie gemacht, weil der eine, Messi, mit dem FC Barcelona das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales gewonnen hat, 2:1 gegen Atletico Madrid. Und weil der andere, Rosberg, in Bahrein zum fünften Mal nacheinander ein Formel-1-Rennen gewonnen hat. Solche Schlagzeilen lieben Fans und Star gleichermaßen.

          Aber Schlagzeilen haben die beiden auch gemacht, weil ihre Namen in den „Panama Papieren“ auftauchen, im Zusammenhang mit den Berichten eines internationalen Zusammenschlusses von Journalisten über Hunderttausende Briefkastenfirmen, die eine Rechtsanwaltskanzlei im mittelamerikanischen Staat Panama eingerichtet hat. Briefkastenfirmen heißen Unternehmen, die nur zum Schein gegründet worden sind: damit auf ihrem Konto Geld landet, für das seine Besitzer sonst anderswo Steuern zahlen müssten, zum Beispiel.

          Jeder zahl nur so wenig Steuern, wie er muss

          Seither wehren sich beide, der Fußballspieler und der Formel-1-Fahrer, gegen den Verdacht, da könnte etwas krumm gelaufen sein. Denn: Briefkastenfirma, das klingt selbst für den größten, treuesten Fan nicht gut. Das klingt, als gebe es etwas zu verbergen. Warum errichten Sportler eine geschäftliche Fassade, hinter der undeutlich wird, was mit dem vielen Geld passiert, dass sie verdienen?

          Zum einen, weil internationale Sportstars im Hauptberuf Geschäftsleute sind, die, wie viele gute Geschäftsleute, ihr Geld damit verdienen, was sie besonders gut können. Dafür werden sie phänomenal bezahlt. Und zwar von ihrem Arbeitgeber, fürs Fußballspielen und Autofahren. Aber auch von Sponsoren und anderen Geldgebern, die wollen, dass Star mit seinem guten Namen für deren Produkt wirbt. 80 Millionen Dollar soll Cristiano Ronaldo 2014 verdient haben, Lionel Messi knapp 65 Millionen – aus den unterschiedlichsten Quellen, eben wegen der zahlreichen Werbeverträge.

          Um diese Geschäfte zu verwalten, beschäftigen die Sportler (oft mehrere) Berater, die dafür sorgen sollen, dass vom Geld möglichst viel übrig bleibt (und möglichst wenig ans Finanzamt geht). Ist das gierig? In gewisser Hinsicht schon – andererseits zahlt auch jeder Ottonormalverdiener nur so viele Steuern, wie er muss. Und Modelle um Steuern zu sparen, sind nicht grundsätzlich verboten – selbst wenn dafür Briefkastenfirmen gegründet werden. Ein Ottonormalverdiener, der beim Fußball nur zuschaut, im Stadion oder im Fernsehen, und der keine Autorennen fährt, kann sich vielleicht einen Steuerberater leisten, aber sicher keine Briefkastenfirmen. Deshalb wird er schon mal neidisch, wenn er von den Möglichkeiten der Superreichen erfährt – zum Beispiel durch die „Panama Papiere“. Muss er aber nicht unbedingt – wenn das Finanzamt die Möglichkeit hat, diejenigen zu erwischen, die mit ihrer Briefkastenfirma tatsächlich die Allgemeinheit betrügen. Selbst wenn es Sportstars sind.

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