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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir von Jugendbuchserien nicht genug bekommen

Ansturm: Am Samstag kam die deutschsprachige Ausgabe des Buches „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in den Handel. Schon das englischsprachige Original hatte auch bei uns die Bestsellerliste angeführt. Bild: dpa

Cornelia Funke hat eine Fortsetzung von „Drachenreiter“ geschrieben, Jeff Kinney eine von „Gregs Tagebuch“, „Harry Potter“ geht weiter: Dass es in der Jugendliteratur so viele Serien gibt, hat sein Gutes – und birgt Risiken.

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          Wer gern Bücher liest oder sich vorlesen lässt, der kennt das Gefühl: Man hat lange Zeit mit bestimmten Menschen, Tieren oder Fabelwesen verbracht, man hat eine gewöhnliche oder phantastische Welt sehr gut kennengelernt, dann kommt das letzte Kapitel, und alles ist vorbei. Oder es geht im nächsten Buch weiter und im übernächsten, ein bisschen verändert sich, es kommen neue Figuren oder Schauplätze hinzu, aber sehr viel bleibt auch gleich, schließlich liest man ja das neue Buch, weil man sich von dem, was man im ersten Buch gelesen hat, nicht trennen möchte.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Von solchen Romanreihen gibt es zwei Sorten. Die eine ist von vornherein als eine große Geschichte angelegt, die einen Anfang und ein Ende hat, die sich aber auf mehrere Bände verteilt. Die Geschichte geht also weiter, die Figuren werden älter, und was sie im ersten Band erlebt oder erlitten haben, nehmen sie in den zweiten und dritten mit. Ein Beispiel ist „Die Tribute von Panem“: Am Anfang kämpft die Heldin Katniss Everdeen gegen den finsteren Herrscher ihrer Welt, obwohl sie eigentlich nur ihren Frieden mit ihrer Familie haben will. Sie ist damit im ersten Band ein bisschen erfolgreich, im zweiten Band bricht am Ende die Revolution los, im dritten Band ist der Herrscher gestürzt. So ähnlich funktioniert auch „Harry Potter“: Im ersten Band kommt Harry ins Zaubererinternat Hogwarts, im siebten Band schließlich sind alle Rätsel gelöst, und Harry ist stark genug, um gegen Lord Voldemort zu siegen, der ihn schon im ersten Band töten wollte.

          Bild: Johannes Thielen

          Es gibt aber auch andere Serien wie „Warrior Cats“, „Das magische Baumhaus“ oder „Gregs Tagebuch“, die eigentlich immer weiter laufen könnten. Besonders Greg – demnächst erscheint der elfte Band seiner Abenteuer – ist eine Figur, die nicht älter wird und wie in einer Zeitblase lebt. Sein kleiner Bruder Manni bleibt immer winzig, seine Eltern bleiben auch genau so, wie sie sind, und das gilt auch für seine Freunde. Der Reiz dieser Serie ist ein ganz anderer als der von „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“: Man fragt sich nicht gespannt, wie die Handlung weitergeht, sondern freut sich daran, wieder in die gewohnte Geschichte einzutauchen.

          So wie Leser offensichtlich Serien mögen, so sind auch Buchhändler und Verlage glücklich darüber, wenn sie eine Serie haben, die sich gut verkauft. Denn während einbändige Romane meist nur für kurze Zeit in der Buchhandlung stehen und dann von neuen Büchern verdrängt werden, sind die einzelnen Bände einer Serie oft auch dann noch gefragt, wenn sie schon ein paar Jahre alt sind: Dann nämlich, wenn wieder ein Leser diese Serie neu für sich entdeckt und am liebsten alle Bände davon lesen möchte. Genau das kann aber zum Problem werden: Denn weil Serien so wichtig für Verlage sind und die einzelnen Bände möglichst rasch aufeinander folgen müssen, damit die Serie als Ganzes nicht in Vergessenheit gerät, gibt es auch viele Serien, die schnell und lieblos geschrieben sind oder bei denen man merkt, dass sie sich rasch an irgendeinen Trend anhängen. Zum Glück zwingt einen niemand, eine neue Serie, die man angefangen hat, zu Ende zu lesen.

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