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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie man erdbebensicher baut

Kaum mehr als Schutt und Asche: Italien nach dem schweren Erdbeben mit über 240 Toten. Bild: dpa

Ob in Italien oder Myanmar - Erdbeben sind unberechenbare Naturkatastrophen mit schrecklichem Ausgang. Doch die Folgen lassen sich abmildern. Vor allem beim Neubau.

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          Wieder hat ein Erdbeben schwere Schäden angerichtet, wieder trifft es das idyllische Mittelitalien bis tief ins Mark. Der Grund: Unser Planet hat ähnlich wie eine Frucht einen Erdkern, um den sich verschiedene Schichten spannen. Deren äußerste Schicht, die Erdkruste, setzt sich wiederum aus einzelnen Erdplatten zusammen. Wegen der Temperaturschwankungen im Erdinneren sind diese Platten immer in Bewegung – und geraten in manchen Regionen, wie etwa in Italien, seit Jahrtausenden ständig aneinander. Die Entstehung der Alpen, eines sogenannten Faltengebirges, sind eine Folge, abrupte Stoßbewegungen eine andere. Das nennen wir Erdbeben. Sie kommen ganz plötzlich, dauern meist nur wenige Sekunden und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn die heutige Wissenschaft noch keinen Weg gefunden hat, vor kommenden Erdbeben rechtzeitig zu warnen, kennt sie zumindest bauliche Lösungen, um die Schäden zu verringern. Damit ein Erdbeben nicht ganze Städte zerstört, wenn die absackende Erdoberfläche und die Erschütterung Häuser zum Einsturz bringt, wurde das erdbebensichere Bauen entwickelt. Das fängt schon mit dem Grundriss an. Verwinkelte Hausstrukturen, etwa in L-Form, sind zu vermeiden, damit die Gebäudeteile im Winkel nicht aufeinanderprallen, wenn die Erde zu beben beginnt. Besser sind einfache und symmetrische Grundrisse, zum Beispiel in Form eines Rechtecks.

          Wie beim Kartenhaus

          Das gilt so ähnlich auch für die äußere Gestalt, den Aufriss. Häuser mit einseitig hervorstehenden Gebäudeteilen wie Zwischengeschossen oder Erkern sind zumeist zwar schön fürs Auge, aber gefährlich beim Beben. Zudem sollte beim Hausbau verformbaren, sogenannten duktilen Materialien der Vorzug gegeben werden: Während Glas sofort bricht, sobald man es auch nur leicht biegt, kann sich Stahl zunächst verbiegen und das Haus dadurch länger am Leben halten. Gerade die Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Stahlträgern sollten deshalb aus dem selben Material und mit besonderem Augenmerk angefertigt werden. Das gilt in ähnlicher Weise auch für Häuser aus Holz. Zusätzlich dazu bestechen Holzbauten durch ihr geringes Gewicht – ein großer Vorteil, wenn die Erde bebt. Die größere Brandgefahr spricht allerdings wieder gegen den Einsatz von Holz.

          Bild: Johannes Thielen

          Auch beim Untergrund kann man die Erdbebensicherheit verbessern. Eine schiefe Grundfläche am Hang ist ebenso gefährlich wie schmale Stützpfeiler. Denn wie bei einem Kartenhaus hängt der Segen des ganzen Gebäudes vom stabilen Fundament ab. Optimal als Untergeschoss ist deshalb ein sogenannter „steifer Kasten“. Die Decken der einzelnen Geschossen fungieren dagegen als „quasi starre Scheiben“. Sie sollen die Last der Erschütterung gleichmäßig auf Wände und Treppen verteilen. Deckenöffnungen und andere Unebenheiten stören dabei.

          Jeder kann was tun

          So auch bei den Wänden: Fenster und Türen sollten möglichst klein gehalten werden – schade für das sonnendurchflutete Traumwohnzimmer, aber wichtig für die Sicherheit. Beim Dach liegt das Geheimnis darin, die einzelnen Bauelemente stabil zu verbinden, zum Beispiel durch diagonale Pfosten. Und um aus den außen liegenden Dachziegel keine tödlichen Geschosse für Leute auf der Straße und Umwelt werden zu lassen, sind sogenannte Sturmklammern zu empfehlen. Sie befestigen die Ziegel fest am Dach.

          Erdbebenanfällige Regionen in Deutschland liegen neben Nordrhein-Westfalen vor allem im Bundesland Baden-Württemberg. Dessen Ministerium hat vor einiger Zeit einen Katalog mit Empfehlungen zur häuslichen Vorsorge herausgegeben. Dazu gehört, hohe Schränke oder schwere Bilderrahmen zu sichern. In Regalen sollten schwere Gegenstände möglichst unten plaziert werden. Da Erdbeben leicht Brände auslösen, sollten zudem dringend Rauchmelder in die Zimmer – selbst wenn es manchmal enervierend piepst. Zu guter Letzt, falls plötzlich der Strom ausfällt: ein mobiles Radio und eine batteriebetriebene Taschenlampe können nie schaden. Nicht nur beim Erdbeben.

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