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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Der Trick von Brüllern wie Donald Trump

Er will bestimmen, wer dazugehören darf und wer nicht: Donald Trump will Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Republikaner werden. Bild: dpa

Im Ringen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bekommt gerade der Politiker am meisten Zuspruch, der die verrücktesten Sachen sagt. Dabei bedient sich Donald Trump eines Tricks, den man oft beobachten kann. Sogar auf dem Schulhof.

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          In Amerika kämpfen gerade einige Politiker darum, von den Republikanern, einer der beiden großen Parteien, als Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl aufgestellt zu werden. Von den vierzehn Männern und Frauen führt ausgerechnet der in den Beliebtheitsumfragen, über dessen Äußerungen sich gleichzeitig ganz viele Menschen in der ganzen Welt aufregen: Donald Trump.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Donald Trump ist ein Unternehmer und hat mal in einer Casting-Show Leute ausgesucht, die auch das Zeug haben könnten, so ein Unternehmer zu werden wie er. Als Politiker tut er jetzt dasselbe, was er auch als Fernsehstar getan hat: Er sortiert Leute, um dann die meisten wegzuschicken, einige aber dafür zu belohnen, dass sie beim Leutesortieren überhaupt mitspielen.

          Das Spiel mit Ähnlichkeiten und Unterschieden

          Leute wie Trump gibt es auf jedem Schulhof, in jedem Sportclub und in vielen anderen Gruppen. Wenn sie verlangen, dass man ihnen mehr Zeit zum Reden gibt als allen anderen, und wenn sie dann immer lauteres und dümmeres Zeug sagen, müssten die anderen eigentlich davonlaufen, aber es passiert etwas Überraschendes: Plötzlich glauben einige, der Brüller und Angeber wüsste irgendwie genauer, wo es lang geht, als andere, die lieber still sind. Das erreicht so ein Brüller mit einem einfachen, aber fiesen Trick: Er bringt einen Teil seiner Zuhörerinnen und Zuhörer dazu, sich mit dem Brüller zu verwechseln. Sie helfen ihm und wiederholen seine Sprüche, weil er ihnen einredet, dass einerseits Leute, die auch nur ein bisschen verschieden sind, überhaupt nichts gemeinsam haben, und andererseits Leute, die in einigen wenigen oberflächlichen Punkten einander ähneln, praktisch derselbe Mensch sind.

          Bild: Johannes Thielen

          Die mit den Unterschieden erklärt er dann zu Feinden, also zu denen, die, weil sie andere Dinge glauben oder essen oder anziehen, angeblich in allen Angelegenheiten im Gegensatz stehen zu den anderen, die der Brüller als seine eigenen Leute bestimmt, weil sie ihm und einander irgendwie ähneln – weil sie zum Beispiel alle Amerikanerinnen und Amerikaner sind oder alle gerne Waffen besitzen, weil sie sich dann sicherer fühlen vor den Feinden, vor denen der Brüller ihnen Angst einjagt. Das Spiel mit den Ähnlichkeiten und den Unterschieden beherrscht ein erfolgreicher Brüller perfekt: Wenn jemand beispielsweise ein Verbrechen begeht und einen Turban trägt, sagt der Brüller: Alle, die einen Turban tragen, sind Verbrecher, und alle, die keinen Turban tragen, sind meine Leute.

          Nur wenn niemand genauer hinschaut

          Damit bringt er diejenigen, die keinen Turban haben, dazu, zu vergessen, dass sie keineswegs der Brüller sind und er auch nicht ihr Freund ist, sondern ihnen beispielsweise Geld abnehmen oder bei einer Abstimmung ihre Unterstützung kriegen will. Weil sie sehen, dass ihm viele nachlaufen, und weil er ihnen sagt, sie wären wie er, haben sie das verwirrte Gefühl, ihnen würden auch viele nachlaufen – sie machen ihn mächtig und fühlen sich dann so mächtig wie er.

          Weil das ein Trick ist, der nur funktioniert, so lange der Brüller schlau genug ist, die richtigen Ähnlichkeiten und die richtigen Unterschiede auszunutzen – das kann sich im Laufe der Zeit ändern, da muss der Brüller aufpassen –, merken die Leute lange nichts. Weil nämlich der Brüller dummes Zeug redet und als Brüller auch nicht besonders klug aussieht, denken sie, mit dem Kopf kann er seinen Erfolg ja nicht erreicht haben, und nehmen daher an, er wäre so erfolgreich, weil er wirklich so stark ist, wie er als Angeber tut.

          Das klappt allerdings nur so lange, bis die Leute sich die Unterschiede und Ähnlichkeiten, die der Brüller durcheinanderbringt, genauer anschauen – aber die Zeit dafür kommt meistens erst, wenn der Brüller als Anführer seine Leute irgendwohin führt, wo sie in Schwierigkeiten geraten, die noch größer sind als die, von denen der Brüller ihnen versprochen hat, er würde sie lösen können. Das eigentlich Schlimmer daran ist: Dann ist es meistens zu spät, die Sache wieder in Ordnung zu bringen, weil der Brüller und seine Leute diejenigen, die wüssten, wie das geht, als Erste zum Schweigen bringen.

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