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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Die Sache mit dem Aufstieg

Die größten Fans eines kleinen Vereins: junge Zaungäste beim Testspiel des Bundesliga-Aufsteigers Darmstadt 98 gegen Betis Sevilla am 31. Juli Bild: dpa

Wenn es jetzt wieder losgeht in der Fußball-Bundesliga, sind zwei Neulinge dabei. Was erwartet die Vereine? Was ändert sich für die Mannschaften? Was heißt es eigentlich aufzusteigen?

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          Ein Aufstieg ist schwer. Das ist schon beim Treppensteigen so, wenn es in den dritten oder vierten oder gar achten Stock geht. Und so ähnlich ist es auch mit dem Aufstieg im Fußball. Eine Spielklasse höher zu kommen, erfordert Ausdauer wie beim Aufstieg im Treppenhaus eines Wolkenkratzers. Denn so ein Aufstieg gelingt ja nicht mal so eben in einem Spiel, das eine Mannschaft zufällig gewinnt. Um beispielsweise aus der Zweiten in die Erste Bundesliga aufzusteigen, muss eine Mannschaft 34 Spiele bestreiten und davon viele gewinnen, um am Ende ganz weit oben zu stehen in der Tabelle. Dann steigt der Verein auf.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ist der Aufstieg dann gelungen, dann freuen sich die Spieler tagelang, weil sie ein Traumziel erreicht haben. Denn so ein Aufstieg ist fast noch schöner als eine Meisterschaft. Zumindest schöner als eine Meisterschaft mit Bayern München. Denn die gewinnen fast jedes Jahr den Titel. Deshalb ist da schon viel Routine dabei. Die aktuellen Neulinge aus Ingolstadt und Darmstadt, die am Samstag erstmals erstklassig spielen dürfen, mussten hingegen ganz schön lange warten auf den Bundesligaaufstieg: Ingolstadt hat das zum ersten Mal geschafft, Darmstadt erstmals seit 35 Jahren. Entsprechend groß war die Freude im Mai, als der Erfolg feststand.

          Die Lilien sind da : Aufsteiger Darmstadt freut sich auf die Bundesliga

          Ein Aufstieg ist freilich nicht nur in der Bundesliga möglich: Aufstiege gibt es auch bei ganz kleinen Vereinen wie beispielsweise Vitesse Mayence Mainz. Das ist ein Verein aus der B-Klasse Mainz, bei dem der Autor dieser Zeilen seine Karriere beendete und mit zwei Aufstiegen krönte. 1986 haben sich einige junge Talente zusammengetan und einen Klub gegründet mit dem klaren Ziel, sofort den Aufstieg aus der C-Klasse in die B-Klasse zu schaffen. Es dauerte mehr als zehn Jahre bis dieser Schritt endlich gelungen war und der Klub den wenig ehrenwerten Spitznamen „Die Unaufsteigbaren“ ablegen konnte. Und die Spieler freuten sich dann gar nicht so viel weniger als jetzt die Sportskameraden in Darmstadt oder Ingolstadt. Das liegt am Zauber des Wortes Aufstieg, das nur ganz wenig anders geschrieben wird als das Schreckenswort  der Sportsprache.

          Bild: Johannes Thielen

          Denn Aufstiege bringen immer auch die Gefahr des Abstiegs mit sich: Der Aufsteiger ist meist in der höheren Liga ein Abstiegskandidat. Von den bislang letzten 13 Aufsteigern in die Bundesliga sind beispielsweise sieben im kommenden Jahr direkt wieder abgestiegen. Das Problem ist, dass in der neuen Spielklasse ganz andere Konkurrenten mitmischen, die viel mehr Geld und dadurch bessere Spieler in ihren Teams haben. Da hat ein Aufsteiger kaum eine Chance.

          Immerhin

          Deshalb ist ein Aufstieg nicht zu vergleichen mit dem Gang in die nächste Klassenstufe nach den Sommerferien: Das ist zwar auch irgendwie ein Aufstieg Richtung des Ziels des Schulabschlusses. Aber die meisten Mitschüler kommen ja mit in die nächste Klasse, wenn nicht gerade ein Schulwechsel ansteht. In der sportlich höheren Liga sieht das hingegen anders aus: Plötzlich sind da ganz Klassenkameraden, die man alle nicht kennt und die dazu noch deutlich besser Fußball spielen können als die vorherigen Klassenkameraden.

          Ein Aufstieg in die Bundesliga ist zugleich auch nicht vergleichbar mit einem Aufstieg auf einen Berg: Der endet nämlich auf dem Gipfel. So weit oben ist selbst ein Bundesligaaufsteiger freilich noch nicht angekommen. Denn der Gipfel im Sport ist ja die Tabellenspitze der obersten Liga und letztlich die deutsche Meisterschaft. Das freilich gelingt Aufsteigern so gut wie nie. Die rühmliche Ausnahme ist der 1. FC Kaiserslautern, der 1998 tatsächlich als Klassenneuling alle Klassenkameraden hinter sich ließ und die Meisterschale erhielt. 17 Jahre später spielt der Klub aus der Pfalz in der Zweiten Bundesliga. Und da hat er natürlich einen Traum: den Aufstieg. Nach zwei Spielen steht er immerhin schon einmal auf dem dritten Platz, der hoffen lässt. Aber es sind ja noch 32 Treppenabsätze zu erklimmen. So ein Aufstieg ist eben mühsam.

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