https://www.faz.net/-i35-81zbs

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum der Ausländerhass ohne Ausländer besonders groß ist

In der Nacht auf den Ostersamstag hat es hier gebrannt: Dachstuhl des Hauses in Tröglitz, in dem Asylbewerber unterkommen sollten. Bild: dpa

In Tröglitz hat eine Unterkunft für Flüchtlinge gebrannt, und auch in anderen Orten wehren sich Leute dagegen, dass Asylbewerber kommen. Warum es dort am schlimmsten ist, wo es kaum Fremde gibt.

          1 Min.

          In einigen Orten vor allem in den östlichen Bundesländern wehren sich manche Leute dagegen, dass Flüchtlinge bei ihnen untergebracht werden. In Tröglitz in Sachsen-Anhalt wurde neulich nachts sogar ein Haus angezündet, in das Asylbewerber ziehen sollten. Obwohl es dort bislang kaum Ausländer gibt, ist der Ausländerhass besonders groß. Das ist typisch, haben Forscher herausgefunden. Aber warum ist das so?

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Viele kennen das Gefühl, wenn man umgezogen ist, keinen kennt und dann in eine neue Schulklasse kommt: Niemand weiß, wer ich bin, und dann habe ich auch noch einen komischen Namen, vielleicht sehe ich auch noch anders aus als alle anderen. Man ist ein Fremder.

          Aber was ist, wenn alle gerade umgezogen sind, alle sich zum ersten Mal sehen, alle einen komischen Namen haben und alle ganz unterschiedlich aussehen? Richtig: Dann sind alle wieder irgendwie gleich, und keiner ist fremd.

          Wenn alle sich kennen und nur einer ist fremd, gibt es zwei Möglichkeiten: Die einen sind freundlich gegenüber dem „Neuen“, die anderen sind misstrauisch. Wenn es ganz blöd läuft, gibt es einen, der Spaß daran hat, den Fremden noch fremder werden zu lassen, indem man ihn ärgert, ausgrenzt und seine Schwäche ausnutzt, anstatt ihn zu unterstützen, seine Stärken zu sehen und ihn heimisch werden zu lassen.

          Je größer aber der Anteil derer ist, die schon einmal dieselbe Situation erlebt haben, die wissen, was es heißt, „fremd“ zu sein, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Freundlichen durchsetzen. Desto größer auch die Chance, dass der Fremde die neue Heimat akzeptiert und selbst zu jemandem wird, der jeden kennt und keinen komischen Namen mehr hat.

          Weitere Themen

          Künstler isst 120.000 Dollar teure Banane Video-Seite öffnen

          Festnahme : Künstler isst 120.000 Dollar teure Banane

          Auf der Art Basel in Miami hat ein Performance-Künstler eine an die Wand geklebte Banane aufgegessen, die ein Werk des Italieners Maurizio Cattelan und bereits für einen sechsstelligen Betrag verkauft worden war.

          Topmeldungen

          Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

          Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.
          Warnt die SPD: der CSU-Vorsitzende Markus Söder

          Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

          Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

          Johnson gegen Corbyn : Eine radikale Wahl

          Die Labour-Partei unter Corbyn ist keine sozialdemokratische Partei mehr. Mit sozialistischen Forderungen und geplanten Verstaatlichungen macht er auf sich aufmerksam. Die Tories dagegen sind weiter nach rechts gerückt.

          Attentat auf Militärstützpunkt : War es ein Terrorakt?

          Die Ermittler in Florida können noch nicht sagen, ob der Attentäter von Pensacola allein handelte oder Mittäter hatte. Weil es sich um einen saudischen Soldaten handelte, diskutieren aber auch die Republikaner über die Beziehungen des Präsidenten zum Königreich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.