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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum der Tempelberg für Muslime und Juden so wichtig ist

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Der Felsendom auf dem Tempelberg ist ist durch eine Tür mit einem Davidstern zu sehen. Bild: dpa

In der Altstadt von Jerusalem befindet sich einer der zentralen Streitpunkte im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Aber was bedeutet der Tempelberg Muslimen und Juden?

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          Wenn in den Nachrichten wieder vom Nahostkonflikt die Rede ist, geht es meist auch um den Tempelberg in Jerusalem. Das gerade einmal vierzehn Hektar große Plateau im Osten der Altstadt hat durch seine Rolle als ewiger Zankapfel zwischen Israelis und Palästinenser eine traurige Dauerpräsenz in den Nachrichtenspalten erlangt. Dabei ist der Tempelberg für Muslime und Juden, aber auch für Christen ein heiliger Ort von besonderer Bedeutung.

          Wer nach Jerusalem fährt und den Tempelberg besuchen möchte, wird schnell stutzig. Eigentlich ist bereits der Name – eine Übersetzung des hebräischen Begriffs “Har ha-Bait“ – eine Übertreibung. Der sogenannte Berg ist nur ein Hügel unter vielen in Jerusalem, und auch kein besonders hoher. Von seiner Umgebung wird das Plateau jedenfalls deutlich überragt. Warum wird ausgerechnet ein derart unscheinbarer Ort von so vielen Menschen aus so unterschiedlichen Gründen verehrt?

          Gottes Wohnstätte auf Erden

          Im Judentum wird der Tempelberg üblicherweise mit zwei Orten in Verbindung gebracht, die in der Bibel eine überragende Rolle spielen. Zum einen erkennen manche Juden in ihm den Berg Moriah, auf dem einst der Stammvater Abraham seinen Sohn Isaak als Beweis seiner Gottesfürchtigkeit zum Opfer darbringen sollte. Erst im letzten Moment, heißt es in der Bibel, griff Gott durch einen Engel ein. Isaak wurde verschont, und Moriah galt fortan als Symbol des Bundes zwischen Gott und den Juden.

          Noch wichtiger ist aber für viele Juden, dass nach ihrer Überlieferung Gott selbst den Hügel zu seinem Wohnsitz auf Erden bestimmt haben soll. Die Bibel erzählt, dass König Salomo deshalb an diesem Ort einen Tempel als Mittelpunkt der jüdischen Religion errichten ließ. Im Vorhof der Kultstätte wurden regelmäßig Tiere geopfert. Im Tempel befand sich das sogenannte „Allerheiligste“ – eine Kammer, in der die Steintafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt wurden und deren Betreten wegen der Präsenz Gottes streng verboten war.

          Nach der Zerstörung durch die Babylonier 586 v. Chr. wurde der Tempel nach Überzeugung der Juden an der gleichen Stelle wiedererrichtet. Unter Herodes im ersten vorchristlichen Jahrhundert erheblich ausgebaut, wurde das Gotteshaus 70 n. Chr. nach einem jüdischen Aufstand von den Römern endgültig niedergebrannt. Viele orthodoxe Juden erwarten, der Messias werde nach seiner Ankunft den Tempel ein drittes Mal errichten. Andere, radikalere Gruppen hoffen, der Messias werde erscheinen, sobald der Tempel wieder aufgebaut werde. Bis heute beten gläubige Juden an den Überresten der westlichen Stützmauer des antiken Tempelplateaus, der sogenannten „Klagemauer“.

          Mohammeds Himmelfahrt

          Für Muslime ist der Tempelberg ähnlich wichtig. Nicht umsonst wird der Berg auf Arabisch als „Al Haram al Scharif“ bezeichnet – zu Deutsch „das edle Heiligtum“. Nach islamischer Überlieferung reiste der Prophet Mohammed in einer Nacht von Mekka nach Jerusalem, um vom Tempelberg aus in den Himmel aufzusteigen. Die Himmelfahrt Mohammeds ist in verschiedenen Varianten ein wichtiger Bestandteil des islamischen Glaubens.

          Über dem Felsen, von dem der Prophet in den Himmel aufstieg, wurde bereits gegen Ende des siebten Jahrhunderts eine hölzerne Kuppelkonstruktion errichtet: der Felsendom, in dem der nackte Stein des Berges bis heute zu besichtigen ist. Gläubige Muslime erkennen auf der Oberfläche des Felsens den Fußabdruck des Propheten.

          Auf dem Tempelberg steht neben dem Felsendom – der streng genommen gar keine Moschee ist – die Al-Aqsa-Moschee, deren Ursprünge ähnlich weit zurückreichen. Anders als der prächtige, mit blauen Keramikfliesen und einer vergoldeten Kuppel geschmückte Felsendom wirkt der Bau von außen eher unauffällig. Doch der Schein trügt: Nach der Al-Haram-Moschee in Mekka und der Prophetenmoschee mit dem Grab Mohammeds in Medina ist die Al-Aqsa-Moschee das drittwichtigste Gotteshaus im Islam. Die Bedeutung des Tempelbergs für Muslime wird auch dadurch deutlich, dass zu Lebzeiten Mohammeds die Gläubigen sich beim Gebet zunächst noch nach Jerusalem ausrichteten – und nicht nach Mekka.

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