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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Mädchen Jungen doof finden und umgekehrt

Auch ein Machtspiel: Mädchen lachen einen Jungen aus. Bild: Picture-Alliance

Irgendwann sind nicht allein Puppen angeblich „für Mädchen“ und Autos „für Jungen“, sondern auch Mädchen selbst nur noch „für Mädchen“ und Jungen „für Jungen“: über Geschlechterrollen, Abgrenzung und Ausgrenzung.

          5 Min.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Es beginnt spätestens mit der Geburt: Kaum kommt ein Baby auf die Welt, wollen immer gleich alle wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Die Frage nach dem Geschlecht und das Verständnis, was ein Junge oder ein Mädchen ausmacht, beschäftigen uns ein Leben lang. Teil der einen oder anderen Gruppe zu sein, gibt vielen ein Gefühl der Zugehörigkeit. Und die Möglichkeit, sich von den anderen, die nicht dazugehören, abzugrenzen. Aber warum finden wir diese anderen eigentlich irgendwann auf einmal doof – oder warum wird das zumindest von uns erwartet?

          Häufig fangen Eltern schon bei Babys an, ihnen rosa oder blaue Sachen anzuziehen und lieber Puppen oder lieber Bausteine zum Spielen zu kaufen. Sie machen das in der Überzeugung, dass bestimmte Dinge eher „für Mädchen“ oder „für Jungen“ sind – und geben diese Überzeugung damit an ihre Kinder weiter. Es kommt vor, dass Jungen, wenn sie doch mit Puppen spielen wollen, mit diesem Interesse erst einmal die eigenen Eltern überraschen. Aber es geht noch weiter: Irgendwann sind nicht nur bestimmte Dinge „für Mädchen“ oder „für Jungen“, sondern auch Mädchen selbst „für Mädchen“ und Jungen „für Jungen“.

          Spätestens ab dem Schulanfang hört man von den ersten in Klassen und in Freundeskreisen, dass man mit den Zeitgenossen des anderen Geschlechts doch eigentlich nichts anfangen kann und dass man besser Abstand hält. Diese Auffassung setzt sich durch, und an ihr ändert sich dann bis zum Eintritt in die Pubertät herzlich wenig. Dazu, sich gegenseitig blöd zu finden, kommt häufig auch noch die Ablehnung durch Freunde hinzu, wenn doch mal jemand mit dem anderen Geschlecht spricht. Besonders Jungen sind davon betroffen. Also vermeiden es viele, mit Mädchen auch nur gesehen zu werden, um dem Gekicher und Gespött der anderen zu entgehen. Wenn Jungen und Mädchen dann doch immer noch etwas miteinander zu tun haben, dann meist heimlich.

          Diese Abgrenzung ist möglich, weil wir Menschen die Welt um uns herum in Kategorien einteilen, um sie zu ordnen und leichter zu verstehen. Kategorien machen das Leben übersichtlicher und bringen Struktur ins Chaos. Viele dieser Kategorien bilden sich bereits im Kindergarten, in einem Alter, wenn Kinder Unterschiede zwischen sich und ihrer Umwelt erkennen. Solche Kategorien sortieren nicht nur unsere Gedanken, sondern sie wirken wie im Falle der Geschlechtszugehörigkeit identitätsstiftend: Sie sind Teil des großen Bildes, wer wir sind. Die Überzeugung, ein Junge oder ein Mädchen zu sein, entwickelt sich zum Beispiel mit anderthalb bis zwei Jahren. Später kommt zu diesem Wissen noch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe hinzu.

          Diese Form der Abgrenzung ist wichtig für die Entwicklung und funktioniert wie ein Kompass, nach dem sich Kinder bei der Entdeckung der Welt richten. Die eigene Zugehörigkeit muss jeder für sich selbst entdecken. Mit dieser Zugehörigkeit geht jedoch auch die Erwartung der Umwelt an das eigene Verhalten einher, die sogenannte Geschlechterrolle. Je nachdem, ob man wie ein Junge oder ein Mädchen aussieht, erwarten die meisten Eltern, Lehrer und Freunde unterschiedliche Fähigkeiten, Interessen und ein bestimmtes Verhalten von einem. Das entsprechende Verhalten wird uns von unserer Umwelt anerzogen.

          Die Sache mit den Erwartungen und dem Anderssein

          Es gibt allerdings Kinder, die diesen Erwartungen nicht entsprechen wollen oder können: Manche haben das Gefühl, zwar körperlich ein Mädchen, innerlich aber eigentlich ein Junge zu sein oder umgekehrt. Manche haben das Gefühl, sie würden am liebsten überhaupt keinem Geschlecht zugehören. Und bei manchen kann man sogar körperlich gar nicht genau sagen, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind. Solche Kinder haben es nicht leicht, auch als Jugendliche und selbst als Erwachsene nicht. Sie müssen selbst anerkennen, dass es mit ihnen so ist, wie es ist, sie müssen ihrer Familie und ihren Freunde das beibringen, und sie müssen sich damit immer wieder in Situationen behaupten, in denen sie auffallen und ausgegrenzt werden.

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