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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Grippewelle? Rette sich wer kann!

Wer bisher verschont blieb, hat es fast geschafft: Bis Ende März müssen wir noch durchhalten, dann ist die diesjährige Grippewelle passé. Bild: dpa

In diesen Wochen werden wir wieder überall vor ihr gewarnt: der gefürchteten, alljährlichen Grippewelle. Aber was hat es mit dem Phänomen eigentlich auf sich, und wie können wir uns vor ihr schützen?

          Diese Woche konnte man sie wieder lesen und hören, die Meldungen, die jedes Jahr kommen und einem schon ein wenig Angst und Bange machen können: „Grippewelle rollt auf Deutschland zu“ oder „steigende Zahl von Grippekranken“. Mediziner nennen die Grippe Influenza und verstehen darunter eine durch ein Influenzavirus verursachte Erkrankung der Atemwege.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass man an einer richtigen Grippe erkrankt, kommt viel seltener vor, als man denkt. Meistens sprechen Menschen schon von einer Grippe, obwohl man nur an einer Erkältung leidet. Der Unterschied ist aber häufig schwer zu treffen, da die Symptome ähnlich sind. Ärzte machen die Einteilung an der Schwere der Krankheitszeichen und dem Verlauf fest. 

          Doch in dieser Woche sind die Zahlen von Menschen, die wirklich an einer Grippe leiden, deutlich gestiegen. Die Entwicklung der Grippe wird in Deutschland  von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) überwacht, einem Ärztenetzwerk von mehreren Hundert Arztpraxen und Experten des Robert Koch-Instituts. Die AGI wertet regelmäßig Daten aus ganz Deutschland aus und ermittelt die Zahl der Arztbesuche aufgrund einer akuten Atemwegserkrankung. Damit haben sie einen guten Überblick und eine zuverlässige Statistik zu den Krankheitsdaten – auch aus den vergangenen Jahren. Und dabei fällt auf: Obwohl es in Deutschland schon im November richtig kalt werden kann und viele schon davon sprechen, dass die Grippe-Saison begonnen habe, treten die meisten Grippefälle in Deutschland immer im Februar auf.

          Viren mögen es kalt und trocken

          Warum ist das so?  Andere Virus-Erkrankungen können auch das ganze Jahr hindurch den Menschen befallen. Nachgefragt beim Robert Koch-Institut, heißt es: Wir verbringen im Winter mehr Zeit in geschlossenen Räumen, die Schleimhaut der Atemwege ist durch trockene Heizungsluft möglicherweise empfänglicher für Viren, das Immunsystem etwas anfälliger für Infektionen.

          Influenzaviren fühlen sich bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft besonders wohl. Unter diesen Voraussetzungen können sie besonders gut überleben, auch außerhalb des menschlichen Körpers. Wird es im Frühjahr wärmer und die Luft wieder feuchter, fühlen sie sich lange nicht mehr so wohl – bis zum nächsten Winter.

          Zirkulieren dann ab November erst einmal Influenzaviren in Deutschland, beginnt die Ausbreitung.  „Es kann mit wenigen Erkrankten anfangen, die sich in Ländern oder Regionen, die bereits eine höhere Grippe-Aktivität haben, infizieren und die Grippe dann weiter in andere Städte und Regionen verbreiten“, heißt es beim Robert Koch-Institut.  Die Zeit zwischen Infektion und Erkrankung ist sehr kurz, etwa ein bis zwei Tage dauert dies. Sobald man Symptome wie Husten und Schnupfen verspüre, könne man weitere Personen anstecken, sagt das Institut.

          Viren programmieren das Erbgut um

          Diese stecken wiederum andere an – und wie bei einem Schneeballsystem ist die Grippewelle dann irgendwann überall in Deutschland. So wie es in dieser Woche geschehen ist. Erst waren besonders im Norden und Osten die Menschen krank, gegen Ende der Woche kamen solche Meldungen auch aus dem Süden. Da man erst einmal genügend Viren und genügend kranke Menschen braucht, erreicht die Grippe ihren Höhepunkt  meist im Februar oder März.

          Viren wie die bei einer Influenza können sich, im Gegensatz zu Bakterien, nicht selbständig vermehren. Sie befallen daher eine fremde Zelle, etwa die Zellen unserer Schleimhäute im Mund, und schleusen ihre Erbinformationen ein. Dann programmiert sie das Erbgut der Wirtszelle so um, dass plötzlich wir Menschen neue Viren produzieren.

          Doch das ist nicht der einzige Trick der Viren, sich zu vermehren und uns immer wieder krank zu machen. Es gibt Hunderte dieser Influenzaviren, die sich alle ein kleines bisschen voneinander unterscheiden, trotzdem aber ähnliche Symptome auslösen. Kaum hat sich unser Immunsystem gegen einen der Erreger gewehrt und ihn bekämpft, kommt schon der nächste. Da dieser etwas anders aussieht, kann das Immunsystem zur Bekämpfung nicht einfach die alten Mittel nutzen, sondern muss neue herstellen in Form von Abwehrzellen. Das dauert. Meist so zwischen drei bis sieben Tagen. In dieser Zeit fühlen wir uns krank.

          Wie gut ist die Mischung dieses Jahr?

          Da es so viele verschiedene Grippeerreger gibt, die sich auch noch verändern können, ist die Produktion eines sicheren Impfstoffs schwierig. Deshalb kommen auch jedes Jahr wieder die Fragen auf: Wie gut ist die Grippeimpfung in diesem Jahr? Hat man bei der Mischung möglichst viele Viren getroffen, die in diesem Jahr besonders aktiv sind? Das Robert Koch-Institut ist bislang zufrieden für diesen Winter. In der aktuellen Saison sei der Virussubtyp „A(H1N1)pdm09“ bislang dominant. Das Virus mit diesem komplizierten Namen sei derzeit für rund 70 Prozent aller Grippefälle verantwortlich. Und die gute Nachricht sei, er ist in der diesjährigen Impfung enthalten.  Wie gut diese am Ende vor der anrollenden Welle wirklich schützt, wird sich zeigen.

          Ärzte empfehlen vor allem alten und chronisch kranken Menschen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Auch Schwangere und Menschen, die etwa an der Kasse stehen, andere pflegen oder unterrichten, sollten über eine Impfung nachdenken. Allerdings wird es langsam knapp dafür. Der Impfstoff benötigt rund zehn Tage, bis er wirklich schützen kann. Und im besten Fall wird es ab Ende März so frühlingshaft, dass die Viren ihr Treiben für dieses Jahr einstellen.

          Experten empfehlen: Gründlich die Hände mit Wasser und Seife waschen und  sorgfältig mit einem sauberen Tuch abtrocknen. Hände nicht zu sehr an Augen, Mund und Nase reiben. Abstand zu niesenden oder hustenden Personen halten. Regelmäßig die Zimmer lüften. Und schließlich: Vitaminreich und gesund essen.

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