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Erziehungsstile : Bei Papa darf ich das aber!

Er ahnt, dass das Thema „Einhalten von Regeln“ ein Dauerkonflikt zwischen ihm und seiner Frau werden wird, und ist davon genervt: „Ich will ja nicht immer der Doofe sein, der alles verbietet oder der zum Beispiel sagt: ,Bevor du jetzt das Gummibärchen essen darfst, das Mama dir da hingelegt hat, musst du erst noch ein Stück Gurke essen.‘ Es ist nicht populär, so hart zu sein. Ich hab auch keinen Bock auf die Law-and-order-Rolle.“ Noch sei das Verhältnis zwischen ihm und seiner Frau gut, aber wenn es erst mal um die Schulwahl gehe oder um die Hausaufgaben, „dann wird es sich fortsetzen. Ich weiß, dass dann die Konflikte da sein werden.“

Lösen des Erziehungskonfliktes

Genau diese aus den unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen resultierenden Konflikte seien aber das größte Problem - und nicht die unterschiedlichen Erziehungsstile selbst, sagt Alexandra Langmeyer. Wenn die Eltern gut zusammenarbeiten und ein Team bilden, wenn sie also ihrem Kind bei Meinungsverschiedenheiten untereinander sagen: „Bei Mama darfst du das und bei Papa nicht“ - dann ist das in Ordnung.

Ebenfalls gut ist, wenn die Eltern dem Kind zeigen, wie sie ihren Erziehungskonflikt lösen - das geht aber meist nur bei kleineren Auseinandersetzungen. Wenn jedoch aus den unterschiedlichen Erziehungsstilen Konflikte zwischen den Eltern resultieren, so Langmeyer, sei das schädlich für die Kinder und führe zu Verhaltensauffälligkeiten. Aber natürlich sei es auch schlecht, wenn beide Elternteile autoritär oder vernachlässigend erzögen oder wenn die Kinder nicht wüssten, woran sie sind.

Räum sofort dein Zimmer auf!

So wie bei Roland Esser. Seine Frau Andrea sagt: „Er macht vieles aus dem Bauch heraus, sein Verhalten reicht von Laissez-faire bis überstreng.“ Eine Linie in seiner Erziehung sieht sie nicht. Manchmal werde er laut und harsch, die Kinder fürchteten sich dann vor ihm und täten ihr leid. Aber er ziehe nie Konsequenzen aus seinen Anfällen: „Er durchdenkt nie bis zu letzten Konsequenz, dass auf seine Drohungen auch Taten folgen müssen. Er droht also zum Beispiel: ,Das will ich aber nicht mehr sehen‘ Oder: ,Räum sofort dein Zimmer auf!‘

Aber da ist keine Linie drin, weil nichts passiert, wenn dann nicht aufgeräumt wird.“ Richtschnur für sein Verhalten sei stets nur seine eigene Befindlichkeit. Sie selbst sei da „opferbereiter“ und versuche, sein Verhalten zu kompensieren. Oft habe sie das Gefühl, sie müsse weicher zu den Kindern sein, um die harsche Art des Vaters auszugleichen.

Manche Elternteile gehen in solchen Beziehungen so weit, dass sie den Kindern hinter dem Rücken ihres Partners Dinge erlauben, die der verboten hat. „Dann lernen die Kinder, dass die Eltern einander in den Rücken fallen“, sagt Langmeyer. Dabei ginge es meist viel einfacher, selbst wenn Konflikte in Streit münden: Längst nicht jeder Streit sei schädlich. „Wenn man eine gemeinsame Lösung findet und sich zeigt, dass man sich trotzdem gern hat, lernen die Kinder dadurch, dass Streit zum Leben dazugehört und nicht per se bedrohlich für eine Beziehung sein muss.“

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