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Unterricht zuhause : Überforderung durch Homeschooling

Wenn das Wohnzimmer zum Klassenraum wird: Viel Schüler lernen derzeit in zu Hause. Bild: dpa

Auch wenn die negativen Aspekte überwiegen, vielleicht kann das Homeschooling neue Phantasien bei Schülern erwecken. Denn in der digitalen Welt herrschen ganz neue Regeln.

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          Die Lösung lautet: Der Lkw rast mit 4376465,68890 Stundenkilometern den Berg hinauf. Wir haben das mal aufgerundet, weil hinter dem Komma noch viele weitere Stellen folgen, wir nehmen an: unendlich viele. Das Resultat könne nicht stimmen, behauptet der Schüler, aber wir sind da ganz anderer Meinung. Offenbar wird den jungen Menschen in der Schule jede Phantasie ausgetrieben, da ist Homeschooling eine günstige Gelegenheit, einmal gegenzusteuern. In einer anderen Welt, in einer anderen Zeit ist das Ergebnis der Physikaufgabe absolut korrekt, auf dem Planeten Krypton, auf Vulkan, und wenn nicht dort, dann in der siebzehnten oder siebzigsten Dimension, in einer Zeitfalte oder kurz nach dem Urknall, und in einem Schwarzen Loch bricht doch ohnehin alles zusammen, da gilt die Newton’sche Mechanik schon gleich überhaupt nicht mehr.

          Das wäre dann tatsächlich falscher Ehrgeiz, wenn die Erziehungsberechtigten als einzige Ansprechpartner beim Homeschooling, während die Lehrer längst bei Netflix die Füße hochlegen, auch noch sogenannte richtige Ergebnisse liefern wollten. So viele Youtube-Lernvideos kann sich gar niemand reinziehen, um beim Oberstufen-Stoff mithalten zu können. Nun gut, manch einer versucht es in diesen Tagen. Aber es ist zwecklos.

          Die englischen Gewerkschaften im 19. Jahrhundert hier, Parabeln in allen Varianten da, nein, nicht symbolische Geschichten, sondern das mathematische Gekurve. Wer selbst vollauf damit beschäftigt ist, in Videokonferenzen den Eindruck zu vermitteln, auch von zu Hause aus lässig den Überblick zu bewahren, kann sich nicht auch noch mit Steigungswinkeln und dem Hendiadyoin beschäftigen – obwohl: das ist wirklich interessant. Und irgendwie abgefahren.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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