https://www.faz.net/-gqz-a0gi8

Corona-Studie : Bei Kindern weniger häufig Antikörper nachgewiesen

Normalbetrieb? Ein Sechsjähriger kommt Mitte Juni wieder in den Kindergarten. Bild: ZB

Eine Studie in Baden-Württemberg hat untersucht, wie stark sich Corona-Antikörper bei Kindern gebildet haben. Allerdings sind die Erkenntnisse der Forscher nur begrenzt aussagekräftig.

          2 Min.

          Bei Kindern bis zum Lebensalter von zehn Jahren sind in einer neuen Studie der Universitätsklinken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm nach einer möglichen Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus weniger häufig Antikörper nachgewiesen worden als bei Erwachsenen. Die Untersuchung hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Auftrag gegeben, um Gewissheit darüber zu bekommen, wie wichtig das Schließen von Kindertagesstätten sowie Schulen zur Eindämmung der Pandemie ist. Untersucht wurden 4932 Personen, davon handelte es sich bei 2.466 um Eltern-Kind-Paare.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Bei zwei Personen – es handelt sich um ein Elternteil mit Kind - ergab der PCR-Corona-Test ein positives Ergebnis. Bei insgesamt 64 Personen war der Antikörper-Test auf Sars-Cov-2 positiv (1,3 Prozent), davon waren 45 erwachsene Personen und 19 Kinder. Bei den Kindern zwischen eins und fünf Jahren war in sieben Fällen der Antikörpertest positiv, bei den Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren waren es zwölf Fälle. Festgestellt wurde auch, dass Kinder, die sich während der Pandemie-Hochphase in einer Notbetreuung aufhielten, keine höhere Antikörper-Häufigkeit aufwiesen als Kinder, die von ihren Eltern zu Hause betreut worden waren.

          Geringe Faktengrundlage

          Ob sich aus der Studie Erkenntnisse für die Pandemiepolitik in den Schulen ableiten lassen, ist äußerst fraglich: Die Studie ist nicht repräsentativ angelegt, sondern die ausschließlich baden-württembergischen Teilnehmer konnten sich freiwillig melden. Teilnehmen sollten nur Personen ohne vorab diagnostizierte Corona-Infektion. Um Aussagen über den Infektionsablauf in den Familien zu treffen, sind zwei per PCR-Test bestätigte Fälle zu gering. Wie Infektionen in Schulen oder Kindertagesstätten ablaufen, konnte nicht untersucht werden, weil die Tests zwischen dem 22. April und 15. Mai stattfanden, als im Südwesten kein Unterricht mehr stattfand und die Kindertagesstätten nur einen Notbetrieb anboten. Entscheidend für die Beantwortung der Frage, wie ansteckend Kinder in Schulen und Kindertagesstätten sind, ist aber die Viruslast im Nasen- und Rachenraum. Auch viele andere Faktoren, wie etwa der geringere Hustenausstoß bei Kindern, können eine Rolle spielen.

          Diesbezüglich hatte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité festgestellt, dass die Viruslast bei Kindern und Jugendlichen nicht signifikant geringer ist als bei Erwachsenen. Welche Aussage sich aus dem selteneren Antikörper-Nachweis bei Kindern ableiten lässt, ist fraglich: Es könnte sein, dass durchaus mehr Kinder infiziert waren, sie aber die Antikörper nach kürzerer Zeit wieder verlieren. Ob und welcher Zusammenhang zwischen Antikörper-Nachweis und der Viruslast, mit der eine Sars-Cov-2-Infektion durchstanden wurde, besteht, ist ebenfalls noch unzureichend erforscht.

          Politisch war es das Ziel Kretschmanns, auch über die wichtige Frage der Schulschließung die politische Deutungshoheit zu bekommen, auch auf wissenschaftlicher Grundlage. Aufgrund der Entscheidung anderer Bundesländer, die Schulen wieder zu öffnen und zum Teil zum Regelunterricht zurückzukehren, musste der grüne Ministerpräsident schon vor zwei Wochen wesentliche Aussagen aus der noch unfertigen Studie, die immer noch eine Vorab-Studie ist, vorzeitig bekannt machen.

          Inzwischen ist eine ganze Reihe von Feldstudien in mehreren deutschen Städten angelaufen, bei denen Kinder und Betreuungspersonen in Kitas und Schulen getestet werden. Sie sollen weiteren Aufschluss über Infektionswege geben und als Frühwarnsystem fungieren, falls die Ansteckungszahlen mit der Rückkehr in den Regelbetrieb wieder steigen sollten. Mit ersten Zwischenergebnissen wird frühestens Mitte Juli gerechnet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bestatter am Limit : „Die schiere Menge macht einen völlig fertig“

          In der Pandemie stapeln sich in vielen Krematorien die Särge. Vor allem im Osten, wo sich besonders viele Menschen mit Corona anstecken, kommen die Bestatter kaum hinterher. Das Virus verändert auch den Umgang mit dem Tod.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.