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Sicherheitstraining für Kinder : Die Angst ist oft ein guter Schutz

Nein sagen: Trainer Jörg Fröhlich zeigt Kindern, wie wichtig es sein kann, unhöflich zu sein. Bild: Max Kesberger

Woran erkennt man böse Menschen? Im Sicherheitstraining mit einem ehemaligen Polizisten lernen Kinder, brenzlige Situationen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Und dann nicht nur unhöflich, sondern auch richtig laut zu werden.

          Wenn Jörg Fröhlich seine „Erwachsenenwindel“ anzieht, dann wird es ernst für die rund 30 Kinder, die sich zum Sicherheitstraining in einer Frankfurter Schule an einem Wochenende versammelt haben. Im Rollenspiel dürfen sie jetzt richtig zutreten, während sie den Arm des Angreifers fest im Griff haben. Erst das gepolsterte Schienbein und dann „in die Mitte“, wie es Trainer Jörg Fröhlich ausdrückt - begleitet von verschämten Kichern, das vor allem von den Mädchen kommt.

          Ina Lockhart

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Was nach Spaß aussieht und unter den Kindern für viele Lacher sorgt, soll im Ernstfall helfen, wenn sie belästigt oder gar körperlich angegriffen werden. Sie müssen dem Trainer aber versprechen, dass sie nur dann treten, wenn es sich um einen Notfall handelt und ihr Angreifer nicht jünger ist als sie. Im Familienkreis sind die Tritte tabu.

          Die erste Waffe ist die Stimme

          In den Spielen lernen die Grundschüler, dass sie noch andere „Waffen“ haben, um sich zu verteidigen. Wenn sie nach insgesamt 15 Trainingsstunden nach Hause gehen, haben sie oft wiederholt und geübt, dass ihre Stimme ihr erstes Mittel ist, um mit einem bestimmten „Lassen Sie mich los!“ den Menschen, der ihnen Angst macht, abzuwehren.

          Ihre zweite Waffe ist ein lautes und selbstbewusstes „Nein“, um verlockende Angebote wie Süßigkeiten oder Spielzeug abzuwehren, mit denen jemand sie zum Mitkommen bewegen will. Hilft das nichts und der Trainer packt sie am Arm, dann wissen sie, dass ihre letzte Waffe das Treten ist.

          Im Sicherheitstraining ist Treten erlaubt.

          Doch woran erkennen Kinder böse Menschen? „Daran, dass sie schwarze Sachen anhaben“, sagt ein Mädchen und muss dann lachen, weil Jörg Fröhlich komplett in Schwarz gekleidet ist. Sicherlich kein Zufall. Leonie ist sich sicher: „Böse Menschen kann man nicht erkennen, weil sie genauso aussehen wie alle anderen.“

          Deswegen verrät der Trainer den Kindern einen Trick, woran sie gefährliche Situationen erkennen können. Er erzählt ihnen dazu eine Geschichte über das Baumklettern. Er fragt die Kinder, was sie fühlen, wenn der Ast unter ihrem Fuß plötzlich laut „Knack“ macht. Alexander spricht von einem komischen Gefühl im Bauch, das ihn vorsichtig werden lässt. Trainer Jörg nennt dieses Bauchgefühl Angst, und er sagt, dass Angst ein gutes Gefühl ist, weil sie schützt.

          Der Bauch kann allerdings auch kribbeln, wenn die Kinder allein zu Hause sind und es plötzlich an der Tür läutet oder das Telefon klingelt. Situationen, für die Jörg Fröhlich mit den Schülern Antworten einstudiert, mit denen sie verhindern können, dass jemand versucht, sie auszuhorchen. Und um ihre innere Alarmanlage zu schärfen, damit sie bei „doofen“ Anrufen nicht höflich sind, sondern einfach auflegen.

          Doch nicht nur die Kinder lernen eine Menge. Immer wenn der Trainer mit den Schülern in die Luft springt und lautstark „Hausaufgabe“ brüllt, müssen die Eltern Papier und Stift zücken, um sich einen Merksatz aufzuschreiben. Ein ganz wichtiger ist: das Versprechen, nicht gleich zu schimpfen, wenn es mal ein Problem gibt. Denn sonst sagen die Kinder den Eltern nicht mehr, wenn sie in Schwierigkeiten sind. Und gerade dadurch, dass man erzählt, wenn sich jemand merkwürdig verhält, kann man sich schon schützen.

          An die drei „L“ denken und Hilfe holen

          Dort wo Licht, Lärm oder Leute sind, findet man am ehesten Hilfe, diese drei „L“, sagt Jörg Fröhlich, sollte sich daher jeder merken. Eltern sollten mit ihren Kindern auch üben, wie sie Polizei und Feuerwehr anrufen können und was sie dann sagen sollen. Wer in einem Gebäude schnell Hilfe holen muss, aber weit und breit niemanden sieht, kann in einem wirklichen Notfall sogar den Feueralarm-Knopf drücken - aber nur mit einem Gegenstand oder einer dicken Jacke, sonst verletzt man sich.

          Wer Erwachsene um Hilfe bitten will, sollte sich folgende fünf Sätze merken: „Bitte helfen Sie mir!“ - „Ich habe Angst!“ - „Mir ist folgendes passiert, . . .“ - „Bitte rufen Sie meine Eltern an!“ Und falls jemand nicht reagiert: „Ich bestehe darauf, dass Sie mir helfen.“ Gerade der letzte Satz ist wichtig, um Erwachsene davon zu überzeugen, dass es sich nicht um einen Spaß handelt und dass sie helfen müssen, sagt der Trainer. (lr.)

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