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„Shaun das Schaf“ im Kino : Dieser Herde will man folgen

Die Herde – nicht auf dem Bauernhof, sondern auf dem Weg in die ferne Großstadt Bild: Studiocanal

Endlich: Kurzfilmstar Shaun erobert die Kinoleinwand. Blökend führt er seine Schafherde diesmal in die Großstadt – und tappt von einer Gefahr in die nächste. Ein liebenswertes Bildvergnügen.

          Auch das genügsamste Schaf hat mal genug vom Einerlei des Bauernhofs aus Morgenkikeriki, Rempeleien am Futtertrog und dem absolutistischen Tagesplan des Hofbesitzers. Stattdessen Cocktails, coole Filme und das Sofa im Bauernhaus allein für die wollige Gesellschaft – das wäre ein idealer Tag für Shaun und seine Herde. Weil der Anführer der blökenden Bande ein pfiffiger Schafbock ist, könnte der Plan auch gelingen. Fast jedenfalls.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Denn der vorübergehend eingeschläferte Bauer landet durch eine Kaskade von Missgeschicken im fernen Krankenhaus, die liederlichen Schweine des Hofs stürzen unterdessen sein Anwesen ins Chaos, und die Schafsherde muss sich auf den gefahrvollen Weg in die unbekannte Großstadt machen, um ihrem Amnesie-geplagten Besitzer zu Hilfe zu eilen.

          Wer die seit Jahren erfolgreiche Kinderserie „Shaun das Schaf“ der Trickfilmer von Aardman Animations kennt, ahnt, dass sich den Tieren und ihrem wagemutigen Anführer auf dem Weg zur Rettung ihres Herrchens absurde Widrigkeiten in den Weg stellen werden. Hofhund Bitzer sieht sich plötzlich als Chirurg am OP-Tisch, Shaun und seine Herde verkleiden sich als zweibeinige menschliche Familie, um einem überambitionierten Tierfänger zu entkommen, und der Bauer kommt zu unverhofften Ruhm als Starfriseur. Oder eher: Kein Kunde kommt fortan ungeschoren an ihm vorbei.

          Zwanzig Jahre nachdem Shaun seinen ersten kurzen Auftritt als geschorenes Lamm in dem mit einem Oscar prämierten Aardman-Film „Wallace & Gromit – Unter Schafen“ hatte, spielt der liebenswerte Charakter nun selbst eine Hauptrolle in einem Kinofilm. Achtzig Minuten füllen Richard Starzak und Mark Burton (Drehbuch und Regie) mit einer einfachen Geschichte, die vom Zauber ihrer aberwitzigen Wendungen, ihrer Detailverliebtheit und ihrer liebenswerten Charaktere lebt. Die Welle der Gags ebbt zwar gegen Ende ein wenig ab, die Pointen tragen aber auch die Langfassung des Films.

          Vor allem Shaun ist ein bewundernswerter Held für ein Publikum im Grundschulalter, eine wollige Ausgabe von Michel aus Lönneberga, der es immer gut meint, aber ebenso häufig in völliger Arglosigkeit ein grandioses Chaos heraufbeschwört, das er mit der ihm eigenen Cleverness auf originelle Weise wieder beseitigen muss.

          Dabei zünden die Einfälle der Autoren so silvesterartig, dass man unwillkürlich die Stopptaste im Kino drücken möchte, um alles zu sehen, was Dutzende Animateure und Requisitenbauer da in monatelanger herzerwärmender Bastlerseligkeit erschaffen haben. Jede Kulisse muss für die Stop-Motion-Technik en miniature gebaut, jede Figur gebastelt, die Mimik geknetet werden, bevor alles geknipst und die nächste Einstellung mit etwas höher gezogenen Augenbrauen, hängenderen Schultern oder breiterem Grinsen aufgenommen wird. Aus Anstaltsmengen von Wolle und Knete einen so flüssig dahineilenden und derart liebenswerten Film zu machen, gelingt wohl nur den Trickfilmern von Aardman Animations.

          Absolut grandios, wie sich die wollene Anarchotruppe ohne ein deutlich gesprochenes Wort verständlich zu machen weiß. Grunzen, Mähen, Blöken und ein sorgfältig gehauchtes Seufzen setzen dem unverständlichen Gebrabbel der Menschenfiguren alles entgegen, was es zur Erklärung von Zuneigung, Treue und Freundschaft zu sagen gibt. Die Gesten, auch die kleinsten, sind alle überlegt getimt. Die Sprachlosigkeit des Slapsticks macht den Film auch für jüngste Zuschauer sehenswert. Die zahllosen Film-Anspielungen – vom „Schweigen der Lämmer“ bis „Edward mit den Scherenhänden“ – zielen dagegen eindeutig auf die erwachsenen Begleitpersonen. Wer die meisten Filme erkennt, gewinnt.

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