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Kindersendungen : Als das Fernsehen noch zur Familie gehörte

Der frühere Moderator und Kinderbuchautor 2010 in Hamburg Bild: dpa

Kulturpessimistische Gedanken zum Tode von Peter Lustig: Wir haben nicht nur einen Helden der Kindheit verloren.

          Ein prominenter Mann ist gestorben, ein Mann, der viele Jahre im Fernsehen aufgetreten ist, dort seit langem aber nicht mehr zu sehen war; ein klassischer Fall, sollte man meinen, aus der „Was macht eigentlich . . . ?“-Rubrik.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist er gestorben, mit 78, und auch wenn man gern sagt, dass das heute ja gar kein Alter sei, ist es natürlich doch eines. Um so erstaunlicher ist es, mit welcher Anteilnahme, ja Bestürzung so viele Menschen auf diese Nachricht reagiert haben: Wirklich, Peter Lustig ist tot?

          Natürlich haben wir es hier einmal mit der leidenschaftlich zelebrierten Nostalgie einer Generation zu tun, die in ihrer Kindheit noch televisionäre Kollektiverfahrungen machen durfte: Wer heute zwischen 25 und 45 ist, der weiß mit ziemlicher Sicherheit mit dem Namen Peter Lustig etwas anzufangen. Jemand, der ein gutes Vierteljahrhundert lang Woche für Woche im Kinderfernsehen zu sehen war und dessen Karriere in einer Zeit begann, als es nur drei Kanäle gab, der wird fast zwangsläufig zum guten Bekannten.

          20 Jahre Löwenzahn im ZDF: Peter Lustigs Bauwagen hielt zu diesem Anlass im Jahr 2000 vor dem Berliner Zoo.

          Das ganze Ausmaß der Trauer, die zahllosen Kondolenz-Tweets und Facebook-Nachrufe, erklärt das allein nicht. Es scheint, als sei all dies auch mit der Ahnung verbunden, dass wir uns nicht nur vom vertrauten Gesicht einer Person verabschieden müssen, die die allermeisten privat ja gar nicht kannten, sondern dass mit den Jahren noch viel mehr verlorengegangen ist. Im Kinderfernsehen, im Fernsehen und womöglich auch im Leben allgemein.

          Das klingt jetzt so kulturpessimistisch, wie man es von Leuten aus der Branche selbst gelegentlich hört. Armin Maiwald zum Beispiel, Miterfinder und Urgestein im Team der „Sendung mit der Maus“, hat sich häufiger über Eltern beklagt, die das Fernsehgerät als „elektronische Großmutter“ betrachteten, welcher sie ihren Nachwuchs gedankenlos stundenlang anvertrauten – und so kritisch Maiwalds Bild auch gemeint ist: Wenn es dem Fernsehen oder einzelnen seiner Vertreter gelingt, zu einer Art Familienmitglied zu werden, dann muss das nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Bei Peter Lustig zum Beispiel ist das so gewesen.

          Ein altersloser Freund

          Als Lustig 1979 erstmals die ZDF-Sendung „Pusteblume“ präsentierte, die bald darauf in „Löwenzahn“ umgetauft wurde, war er schon über vierzig. Mit seiner Nickelbrille, dem Walrossbart und der blauen Latzhose sah er aus wie der schrullige Onkel; als er 2005 seine letzte Sendung moderierte, war er zum kauzigen Opa geworden. Für die Kinder jedoch, die ihm zusahen, war er irgendwie alterslos und einfach: ein Freund. Und zwar auch deshalb, weil er offensichtlich nie um ihre Freundschaft bettelte.

          Lustig war kein Schauspieler, sondern ein bastel- und entdeckungsfreudiger Tonmeister, den es vor die Kamera verschlagen hatte, weil jemand gemerkt hatte, wie gut er erzählen konnte. Viel mehr brauchte es nicht. Lustig verstellte sich nicht, er biederte sich nicht an, er versuchte nichts zu verkaufen. Seine Latzhose war kein nach den Schnittmustern der Marktforschung erstelltes Outfit, sondern praktische Arbeitskleidung, und wenn er am Ende des Vorspanns den Namen der Sendung sprach, klang es lakonisch und fast ein wenig erstaunt darüber, dass er das hier machen durfte.

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