https://www.faz.net/-gqz-81z28

Gespräch zu Patchwork-Familien : Plötzlich liegt da wieder jemand mit im Bett

T.H. Hingegen Männer kommen in ähnlichen Situationen selten allein. Es gibt aber auch die Fälle, in denen Paare kommen, die sich mit uns zusammen auf die Patchworkfamilie vorbereiten wollen. Wir laden dann natürlich den dritten Teil mit ein – die Frau, die verlassen wurde, oder den Mann, der verlassen wurde – und achten darauf, dass alle miteinander gut unterwegs sein können. Aber häufiger nehmen wir bereits einen Scherbenhaufen entgegen, und der getrennte Partner kann nur noch mit Mühe hereingeholt werden. Aber wir beginnen solche Beratungen erst, wenn alle Beteiligten bereit sind, mit uns in einem Raum zusammenzusitzen und zu schauen, wo sind die Baustellen, die man jetzt klären muss.

Das ist Ihre Bedingung?

T.H.: Natürlich gibt es Situationen, wo so viel Feuer unterm Dach ist, dass wir es nicht durchziehen können. Dann machen wir ein Vorgespräch mit dem extern Lebenden und dem neuen Paar getrennt und schauen, dass wir sie zusammenführen können. Letztlich geht es um das getrennte Paar, das die Differenzen hereinbringt. Da ist etwas ungeklärt geblieben, und das muss bearbeitet werden, zumindest soweit es die Kinder betrifft. Damit sie ein gutes Team werden als Eltern für die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre.

C.S.:  Wir versuchen schrittweise, alle Beteiligten einzubeziehen. Denn ohne dass die leiblichen Eltern irgendwie miteinander auskommen, ohne dass die Kinder merken, wir dürfen zum Papa genau so gerne gehen wie zur Mama, kann eine Patchwork-Familie nicht gut funktionieren.

Was kann das familiäre Umfeld, vielleicht sogar die Gesellschaft tun, um Patchwork-Familien zu unterstützen?

C.S.: Wenn zwei Familien zusammenkommen, dann verdoppelt sich der Verwandtenkreis, es gibt mehr Großeltern,  Bekannte und Freunde. Das ist eigentlich eine große Ressource, die man als Patchwork-Familie auch nutzen kann. Das geht aber natürlich nur, wenn man offen ist für die Unterschiedlichkeiten aller beteiligten Personen und wenn die Großeltern zum Beispiel nicht ausschließlich loyal sind zu ihrem eigenen Kind – oder zum getrennt lebenden Schwiegersohn oder der Schwiegertochter, auch das kommt vor. Denn dann wird ein Krieg auf der Großelternebene weitergeführt, den vorher die Partner hatten. Wenn aber auch das Umfeld es schafft immer wieder die Perspektive der anderen einzunehmen, dann unterstützen sie auch die Patchworkeltern auf ihrem Weg ihre Familien zusammen zu führen.

T.H.: Vor zwanzig Jahren hieß es, jede zerbrochene Familie macht kranke Scheidungskinder, das war so das Klischee. Alle Kinder, die von geschiedenen Eltern abstammen, wurden in der Schule primär einmal als gestört eingestuft, und es ging ihnen nicht gut, weil die Eltern geschieden waren. Dann gab es die Gegenbewegung: Alle Promis, die patchworken, wurden hochgejubelt. Jetzt beginnt eine differenzierte Darstellung: Es gibt gut funktionierende Patchwork-Familien, aber es gibt auch Probleme. Man muss genau hinschauen, mit diesem Bild der Gesellschaft sorgsam umgehen und sich ein eigenes Bild machen: als Patchwork-Vater, als Patchwork-Mutter, als extern lebender Elternteil und als Außenstehender. Dann wird sich auch das gesellschaftliche Bild langsam verändern.

Weitere Themen

Schwarze Titelseiten in Australien Video-Seite öffnen

Ruf nach Pressefreiheit : Schwarze Titelseiten in Australien

Einige der großen Tageszeitungen in Australien erschienen am Montag mit geschwärzten Titelseiten. Damit wollten die Blätter nach eigenen Angaben auf die australische Gesetzgebung aufmerksam machen. Diese erschwere Journalisten die Arbeit, biete keinen ausreichenden Schutz der Pressefreiheit und lasse etwa die Durchsuchung von Redaktionsräumen zu.

Topmeldungen

Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.