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Gespräch zu Patchwork-Familien : Plötzlich liegt da wieder jemand mit im Bett

T.H. Hingegen Männer kommen in ähnlichen Situationen selten allein. Es gibt aber auch die Fälle, in denen Paare kommen, die sich mit uns zusammen auf die Patchworkfamilie vorbereiten wollen. Wir laden dann natürlich den dritten Teil mit ein – die Frau, die verlassen wurde, oder den Mann, der verlassen wurde – und achten darauf, dass alle miteinander gut unterwegs sein können. Aber häufiger nehmen wir bereits einen Scherbenhaufen entgegen, und der getrennte Partner kann nur noch mit Mühe hereingeholt werden. Aber wir beginnen solche Beratungen erst, wenn alle Beteiligten bereit sind, mit uns in einem Raum zusammenzusitzen und zu schauen, wo sind die Baustellen, die man jetzt klären muss.

Das ist Ihre Bedingung?

T.H.: Natürlich gibt es Situationen, wo so viel Feuer unterm Dach ist, dass wir es nicht durchziehen können. Dann machen wir ein Vorgespräch mit dem extern Lebenden und dem neuen Paar getrennt und schauen, dass wir sie zusammenführen können. Letztlich geht es um das getrennte Paar, das die Differenzen hereinbringt. Da ist etwas ungeklärt geblieben, und das muss bearbeitet werden, zumindest soweit es die Kinder betrifft. Damit sie ein gutes Team werden als Eltern für die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre.

C.S.:  Wir versuchen schrittweise, alle Beteiligten einzubeziehen. Denn ohne dass die leiblichen Eltern irgendwie miteinander auskommen, ohne dass die Kinder merken, wir dürfen zum Papa genau so gerne gehen wie zur Mama, kann eine Patchwork-Familie nicht gut funktionieren.

Was kann das familiäre Umfeld, vielleicht sogar die Gesellschaft tun, um Patchwork-Familien zu unterstützen?

C.S.: Wenn zwei Familien zusammenkommen, dann verdoppelt sich der Verwandtenkreis, es gibt mehr Großeltern,  Bekannte und Freunde. Das ist eigentlich eine große Ressource, die man als Patchwork-Familie auch nutzen kann. Das geht aber natürlich nur, wenn man offen ist für die Unterschiedlichkeiten aller beteiligten Personen und wenn die Großeltern zum Beispiel nicht ausschließlich loyal sind zu ihrem eigenen Kind – oder zum getrennt lebenden Schwiegersohn oder der Schwiegertochter, auch das kommt vor. Denn dann wird ein Krieg auf der Großelternebene weitergeführt, den vorher die Partner hatten. Wenn aber auch das Umfeld es schafft immer wieder die Perspektive der anderen einzunehmen, dann unterstützen sie auch die Patchworkeltern auf ihrem Weg ihre Familien zusammen zu führen.

T.H.: Vor zwanzig Jahren hieß es, jede zerbrochene Familie macht kranke Scheidungskinder, das war so das Klischee. Alle Kinder, die von geschiedenen Eltern abstammen, wurden in der Schule primär einmal als gestört eingestuft, und es ging ihnen nicht gut, weil die Eltern geschieden waren. Dann gab es die Gegenbewegung: Alle Promis, die patchworken, wurden hochgejubelt. Jetzt beginnt eine differenzierte Darstellung: Es gibt gut funktionierende Patchwork-Familien, aber es gibt auch Probleme. Man muss genau hinschauen, mit diesem Bild der Gesellschaft sorgsam umgehen und sich ein eigenes Bild machen: als Patchwork-Vater, als Patchwork-Mutter, als extern lebender Elternteil und als Außenstehender. Dann wird sich auch das gesellschaftliche Bild langsam verändern.

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