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Gespräch zu Patchwork-Familien : Plötzlich liegt da wieder jemand mit im Bett

T.H.: Das wichtigste Erziehungsmittel ist das Vorbild. Wenn Eltern gut miteinander umgehen, auch wenn Patchwork-Eltern gut miteinander umgehen, offen sind, Konflikte austragen, dann ist das mindestens die halbe Miete. Erziehung im Sinne von Grenzen setzen – klar, das braucht es. Und Erziehung im Sinne von Einfühlen in die Kinder – das braucht es auch. In den letzten Jahren hat zugenommen, dass Eltern quasi die Erziehung aufgeben und nur das tun, was die Kinder wünschen. Das gibt es bei Kernfamilien, aber auch bei Patchwork-Familien.

C.S.: Die Erwachsenen machen es den Kindern auch dadurch leichter, dass sie sich in sie einfühlen können und Verständnis für ihre Bedürfnisse haben. Und indem sie den Kindern ermöglichen, zum externen Elternteil guten Kontakt zu pflegen.

Wie kann man es schaffen, diesem externen Elternteil den richtigen Platz und das richtige Verhältnis zur Patchwork-Familie zu geben?

T.H.: Wir arbeiten gerade mit einer Familie, die in Trennung ist – unter anderem, weil der Mann eine Freundin hat. Die schaffen es, sich gut zu trennen und eine Patchwork-Situation einzurichten. Die Frau sagt: Ich muss die Freundin zuerst kennenlernen, und dann machen wir den nächsten Schritt, dass die Kinder mit ihr zusammenkommen und vielleicht einmal ein Wochenende mit dem Vater und seiner neuen Freundin verbringen. Sie sieht: Es ist unser Job, die neue Frau langsam einzuführen und die Beziehung zwischen ihr und den Kindern wachsen zu lassen. Wir können nur bewundernd danebenstehen. Es fordert einiges von der Mutter, die betrauern muss, dass ihr Mann weggeht, und die Kinder ein Stück weit doch dieser Frau übergeben muss. Häufiger ist natürlich die Wut der verlassenen Frau so groß, dass sie die Rivalin auf den Mond schießen könnte, dass sie sie vielleicht terrorisiert und den Kindern sagt, ihr dürft sie nicht sehen oder ihr dürft nicht mit ihr sprechen. Dann versuchen wir sie so zu begleiten, dass es menschenwürdig wird und dass die Frau ihre Wut langsam verarbeiten und sehen kann, da ist auch mein Anteil dabei, dass es zu dieser Trennung kam.

Kommen auch die allein lebenden Elternteile zu Ihnen?

T.H.: Es ist so: Bei uns kann man nicht einfach anrufen und sagen „Ich komme“. Wir fragen genau nach, weshalb und mit welchem Ziel, um herauszufinden, wer zur Problemlösung noch dazugehört ...

C.S.: ... Aber zuweilen landen trotzdem Frauen, Mütter, die verzweifelt sind, bei mir, weil der neue Partner schon über alle Berge ist oder nicht mitkommen will. Oder Frauen, die einsam sind, die keinen Stich mehr haben bei ihren Kindern. Häufig geht es auch noch darum zu klären: Was war der tiefere Grund für die Trennung vom leiblichen Vater der Kinder. Oder was kann man tun, damit die Verletzungen verheilen können?

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