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Gespräch zu Patchwork-Familien : Plötzlich liegt da wieder jemand mit im Bett

T.H.: Eine Stiefmutter ist kein Mutterersatz, es ist eine Frau, die mit ihren Fähigkeiten, ihren Möglichkeiten, ihrer Persönlichkeit dazukommt. Die eine Beziehung aufbauen kann und die Kinder zu ihr, so wie es den beteiligten Personen möglich ist. Aber wenn sie dann versucht, eine bessere Mutter zu sein, und vielleicht denkt, die richtige Mutter hat es nicht so gebracht, jetzt muss ich eine Lücke füllen, dann kommt sie in große Bedrängnis. Und umgekehrt der Vater; der Retter Stiefvater auf dem Schleudersitz: Wenn ein Mann mal durchgreift, weil er sieht, seine Freundin ist mit den Kindern völlig überfordert, die Arme, die schafft es ja nicht mehr, jetzt mache ich mal, dann bekommt er Gegenwind von den Kindern. Kinder und Jugendliche sind sehr einfallsreich, wenn es darum geht, jemanden wieder rauszuekeln. Und sie haben ja auch recht: Wenn sie Angst haben müssen, dass ihr leiblicher Vater dadurch an Bedeutung verliert, dass er keinen richtigen Platz mehr hat in der neuen Familie, dann fangen sie an zu kämpfen. Für ihren Vater oder für ihre Mutter, je nachdem.

Die Menschen, die sich in Patchwork-Familien miteinander arrangieren, haben Enttäuschungen, Verunsicherungen, Verletzungen hinter sich. Wie sehen Sie die Gefahr, dem zu wenig – oder auch zu viel – Gewicht zu geben?

C.S.: Die Trennungserfahrungen sind ja wirklich sehr unterschiedlich, und ich denke, dass ihrer Verarbeitung dringend Raum gegeben werden muss. Man darf sich natürlich nicht dahinter verstecken und sagen: Weil ich so enttäuscht bin, musst du es jetzt so oder so machen, sonst erinnerst du mich wieder an meinen Ex. Das wäre falsch. Trennungen müssen verarbeitet sein. Es muss Raum gegeben werden, dass getrauert werden kann, dass auch die Kinder trauern können. Die schlimmste Trennung ist natürlich der Verlust durch Tod. Das muss betrauert werden. Aber so, dass der neue Partner oder die neue Partnerin auch einen Platz bekommt.

Das Schwierige ist immer, wenn man einen Menschen irgendwo als Ersatz an eine Stelle setzt, die für ihn nicht gemacht ist. Eine neue Frau, die genau den gleichen Platz hat wie die verstorbene Mutter, hat keine Chance. Aber wenn man ihr einen guten Platz gibt und ihr sagt, du bist jetzt die Frau, die für meine Kinder sorgt, ich bin dir dankbar dafür, dann können sie sich alle miteinander arrangieren. Die meisten Patchwork-Familien gehen kaputt, weil die Beteiligten keinen eigenen, für sich adäquaten Platz gefunden haben oder ihnen auch keiner gegeben wird. Das ist auch wieder Sache der Erwachsenen. Kinder sind ja abhängig von den Erwachsenen. Man kann nicht sagen, die Kinder haben mir keinen Platz gegeben, die Kinder haben mich rausgeekelt. Das sieht dann zwar manchmal so aus, aber die Kinder führen nur aus, was die Eltern meist unbewusst von ihnen erwarten.

Was können die Erwachsenen in einer Patchwork-Familie tun, um es den Kindern leicht zu machen?

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