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Gespräch zu Patchwork-Familien : Plötzlich liegt da wieder jemand mit im Bett

Über die Hälfte der Patchwork-Familien zerbricht. Dabei könnte man doch hoffen, dass die Eltern aus ihren Erfahrungen gelernt haben und sich mit Umsicht auf eine Patchwork-Konstellation einlassen. Wo ist das Problem?

T.H.: Ein Problem ist sicher, wenn die Partner von einer Partnerschaft regelrecht abhängig sind. Sie können gar nicht allein leben und wollen oft zu rasch wieder in den Hafen einer Partnerschaft einlaufen. Natürlich gibt es auch Leute, die in der Lage sind sich zu fragen: Was habe ich falschgemacht, dass jetzt die Partnerschaft auseinandergegangen ist? Um es beim nächsten Mal anders zu gestalten. Aber es gibt leider auch Leute, die dreimal hintereinander mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner immer wieder in dieselben Fallen trampeln.

C.S.: Oft liegt es auch daran, dass die Partner denken, es sei das gleiche wie eine Kernfamilie, weil sie die Unterschiede nicht erkennen. Die glauben dann, die Kinder lehnen den Partner ab, die Kinder sind doof, die Kinder sind unerzogen oder die Ex-Partner haben unsere schöne neue Familie kaputtgemacht. Und sie übersehen, dass die leiblichen Elternteile, die außerhalb leben, natürlich noch ein Recht haben auf ihre Kinder. Dass die auch schmerzt, dass jetzt ein fremder Mann die eigenen Kinder erzieht und man nicht als Vater da ist – oder umgekehrt eben als Mutter. Und wenn diese Themen nicht sorgsam bedacht werden, hat das Paar, das sich dann meistens doch noch liebt, den Eindruck, die anderen sind gegen uns. Die Ex-Partner sind dann schuld. Oder die Kinder des neuen Partners. Oder sie sind aufgehetzt worden vom Ex-Partner. Wir glauben aber, die Kinder sind die Indikatoren der Probleme, die die Erwachsenen untereinander haben. Wenn die Erwachsenen miteinander auskommen können, gute Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen, wo sie sie übernehmen müssen, dann kommen die Kinder zurecht. Sie müssen den neuen Partner ja nicht lieben. Liebeszwang ist noch etwas, das zum Zerbrechen führen kann.

In Ihrem Buch geben Sie Bildern ein großes Gewicht – gesellschaftlichen Bildern vom Vater- und Muttersein, aber auch den Wunsch- und den Selbstbildern der Beteiligten selbst. Wie weit ist das Glücken einer Patchwork-Familie von solchen Bildern abhängig?

Claudia Starke, Thomas Hess und Nadja Belviso: „Das Patchwork-Buch“. Wie zwei Familien zusammenwachsen. Beltz Verlag, Weinheim 2015. 345 S., br., 16,95 €.

C.S.: Bilder sind ja auch Rollenvorstellungen und Rollenerwartungen. Wenn man einem Bild nachhängt, dann verdeckt das Bild manchmal wie eine Kulisse die reale Situation. Wichtig ist, auch mal dahinter zu schauen und zu überlegen: Was ist möglich, was ist machbar? Und nicht die Wirklichkeit dem eigenen Bild anzupassen, sondern vielleicht mal die eigenen Bilder zu korrigieren.

Und da ist das Bild vom beschützenden Vater dann vielleicht doch nicht so einfach übertragbar auf die in einer Patchwork-Familie dazugekommenen Kinder. Oder das Bild der fürsorglichen Mutter nicht gegen den Widerstand der nicht-leiblichen Kinder durchzuhalten.

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