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Mediennutzung Jugendlicher : 37 Prozent suchen nach Sex im Netz

  • Aktualisiert am

Das Smartphone bietet überall und zu jedem Zweck den Weg ins Netz. Bild: Picture-Alliance

Kinder und Jugendliche nutzen das Internet intensiv und auf vielfältige Weise. Dabei stimmt ihre Risikowahrnehmung nicht immer mit der ihrer Eltern überein, wie eine neue Studie zeigt.

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          Im Durchschnitt sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und siebzehn Jahren einer Studie zufolge 2,4 Stunden täglich online. Das geht aus einer an diesem Donnerstag vorgestellten Erhebung des Hamburger Leibniz-Instituts für Medienforschung hervor, die vom UN-Kinderhilfswerk Unicef unterstützt wurde. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, sich zu langweilen, wenn sie nicht online sein könne.

          Ältere Jugendliche zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren berichteten von einer deutlich höheren Internetnutzung: Sie gaben an, täglich 3,4 Stunden und am Wochenende vier Stunden im Internet zu sein. 28 Prozent berichteten demnach, dass sie bereits mehrmals erfolglos versucht hätten, ihre Nutzungszeit zu reduzieren.

          Ein Viertel der Jugendlichen gab an, sich im Netz mit anderen über Hobbys und gemeinsame Interessen auszutauschen. Ein Drittel informiert sich dort nach eigener Aussage über aktuelle Nachrichten. Es zeigten sich auch Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen: Mädchen informierten sich häufiger berufsbezogen und seien stärker in sozialen Netzwerken aktiv, hieß es. Jungen verbrachten dagegen mehr Zeit mit Onlinespielen.

          Für die repräsentative Studie befragte das Institut 1044 Kinder und Jugendliche sowie jeweils einen Elternteil. 62 Prozent der befragten Eltern gaben ebenfalls an, mehrmals täglich das Internet zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Elternteile äußerte die Angst, dass das Kind im Netz vom Fremden kontaktiert wird. Jeder zweite befragte Elternteil befürchtete, dass der Nachwuchs ungeeignete Inhalte im Netz sieht.

          Von Eltern unterschätzt

          Neun Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gaben tatsächlich an, online etwas Schlimmes oder Verstörendes erlebt zu haben – davon waren Mädchen stärker betroffen als Jungen. Fast ein Drittel der befragten Zwölf- bis Siebzehnjährigen erklärte auch, in den zurückliegenden zwölf Monaten ungewollt mit intimen oder anzüglichen Fragen konfrontiert worden zu sein.

          Der Studie zufolge unterschätzen viele Eltern insbesondere die Häufigkeit, mit der ihre Kinder Kontakt mit sexuellen Inhalten im Netz haben. 54 Prozent der befragten Zwölf- bis Siebzehnjährigen sind nach eigener Angabe in den vergangenen zwölf Monaten mit sexuellen Darstellungen in Form von Texten, Fotos oder Videos in Berührung gekommen – meistens über das Internet, 37 Prozent davon haben diese sogar gezielt ausgewählt. 61 Prozent der befragten Jungen geben an, Gefallen an den sexuellen Inhalten zu finden.

          Sensibilisierung für die Rechte von Kindern

          Für Uwe Hasebrink, Direktor des Leibniz-Instituts für Medienforschung, ist das nicht unbedingt ein Alarmsignal: „Kinder haben in manchen Punkten ein anderes Risikoverständnis als Erwachsene. Während Eltern sich beispielsweise sorgen, dass ihr Kind mit sexuellen Inhalten in Berührung kommt, zeigen die Ergebnisse, dass diese Inhalte nicht per se negativ sein müssen, sondern mitunter für Heranwachsende im Rahmen ihrer sexuellen Entwicklung auch eine Informations- oder Orientierungsfunktion erfüllen können.“

          Auch die Sorglosigkeit mancher Eltern im Umgang mit Fotos ihrer Kinder spiegelt sich in der Studie: Neun Prozent der befragten Kinder im Alter von neun bis siebzehn Jahren berichteten, ihre Eltern hätten bereits ohne ihr Einverständnis Texte, Bilder oder Videos von ihnen ins Netz gestellt. Jeweils sechs Prozent waren verärgert über die veröffentlichen Informationen oder haben ihre Eltern sogar explizit darum gebeten, diese wieder zu löschen. Für den Medienforscher Uwe Hasebrink geben diese Ergebnisse „auch Hinweise, dass fehlendes Bewusstsein über die Folgen des eigenen Medienhandelns zu Risiken für andere führen kann“. Er hält eine Sensibilisierung auch mit Blick auf die Rechte von Kindern für notwendig.

          Allgemein riefen die Autoren der Studie zur Stärkung von Kinderrechten auf. Zudem brauchten Kinder und Jugendliche, die im Netz verstörende oder schlimme Erfahrungen gemacht hätten, mehr Hilfsangebote und Begleitung. Auch müssten ihnen unter anderem Familie und Schule soziale Fähigkeiten für den Internetumgang vermitteln.

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