https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/loewenzahn-moderator-peter-lustig-ist-tot-14087948.html

„Löwenzahn“-Moderator : Peter Lustig ist tot

  • Aktualisiert am

Peter Fritz Willi Lustig, geboren am 27. Oktober 1937 in Breslau, gestorben am 23. Februar 2016 in der Nähe von Husum, im Oktober 2012 Bild: dpa

Mit Latzhose und Nickelbrille hat er Generationen von Kindern die Welt erklärt. Dabei war er eigentlich nur für einen Gag mit einem rohen Ei vor die Kamera gekommen: Der langjährige „Löwenzahn“-Moderator Peter Lustig ist gestorben.

          2 Min.

          Der legendäre Moderator der ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“, Peter Lustig, ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum im Kreise seiner Familie, teilte das ZDF an diesem Mittwoch mit. Über 25 Jahre sei Lustig eine Institution im deutschen Kinderfernsehen gewesen, erklärte Programmdirektor Norbert Himmler: „Wir werden den Mann, der Kinder und Erwachsene immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen geführt hat, in lebendiger Erinnerung behalten.“

          Mehrere Generationen von Kindern, aber auch von Eltern, kannten den Mann mit der Latzhose und Nickelbrille, der in seinem Bauwagen lebte und Natur und Technik einfach und verständlich erklären konnte.

          Am Anfang fiel ein Ei auf seine Glatze

          Am 27. Oktober 1937 in Breslau als Einzelkind in kleinbürgerlichen Verhältnissen geboren, musste Peter Fritz Willi Lustig nach dem frühen Tod des Vaters 1945 mit seiner Mutter fliehen und lief zu Fuß bis nach Hamburg. Nach einer Handwerkerlehre zum Rundfunkmechaniker studierte er Elektrotechnik.

          Seit 1961 arbeitete Lustig als Tonmeister beim AFN Berlin, später beim ZDF, wo er aus purem Zufall eines Tages auch vor der Kamera stand: 1970 hatte ein Regisseur am Ende einer Produktion noch Film übrig und regte an, als Gag dem Tonmeister mit der Glatze, ein rohes Ei auf den Kopf fallen zu lassen, und dieser solle irgendeinen witzigen Kommentar dazu abgeben. Lustig spielte mit und offenbarte sein Talent.

          Kurz darauf stand er auch für eine Folge der „Sendung mit der Maus“ vor der Kamera, in der er sich quasi selbst spielte – wie auch später in der Sendereihe „Pusteblume“ des ZDF, die 1979 erstmals auf den Bildschirm kam. Lustig hatte sich zuvor erfolgreich geweigert, eine jünger machende Perücke aufzusetzen, wie es der Produzent ursprünglich verlangt hatte. 1980 in „Löwenzahn“ umbenannt, wurde die Sendung zu einem Dauerbrenner im Kinderprogramm beim Mainzer Sender. Jährlich wurden zehn Sendungen produziert. Der Marktanteil der Zuschauer von drei bis dreizehn erreichte nicht selten die 40-Prozent-Marke.

          Kinder können „nerven“

          In „Löwenzahn“ präsentierte sich Peter Lustig, immer gekleidet in eine Latzhose, von einem bunten, zum Wohnwagen umfunktionierten Bauwagen älteren Baujahrs in einem Garten aus. Sein schrulliger Nachbar Paschulke war im imaginären Bärstadt meist mit von der Partie, ebenso die sprechende Ukulele Klaus-Dieter. Lustig beantwortete Kinderfragen aus Natur, Technik und Umwelt wie: „Wo bekommen die Schnecken ihre Häuser her?“ oder „Warum hat der Hund vier Beine?“ und begab sich beispielsweise auch einmal auf die Jagd nach „braunen Bären“ im heimischen Wald, die sich dann als Nachtfalterart entpuppten. Die Produktionszeit einer Episode von „Löwenzahn“ dauerte von der Idee bis zur Fertigstellung bis zu anderthalb Jahren. Zum Markenzeichen wurde neben Latzhose, Nickelbrille und zunehmender Glatze Lustigs Schlusswort der Sendung, die Aufforderung an die kleinen Zuschauer: „Abschalten!“

          Für Unmut sorgte der Bericht einer Boulevardzeitung im Oktober 2003, nach dem Lustig eingestanden habe, er könne Kinder nicht leiden, sie seien anstrengend und klebrig, störend und laut. Das ZDF bezeichnete in seiner Reaktion darauf den Bericht als falsch und die Zitate völlig aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen. Lustig habe lediglich – mit Augenzwinkern – das gesagt, was alle Eltern wissen: Kinder könnten, wenn man konzentriert arbeiten muss, „nerven“. Der Moderator betonte immer wieder, dass es wichtiger und befriedigender für ihn sei, für Kinder zu arbeiten.

          Mehr als 20 Jahre lang lebte Peter Lustig mit einer halben Lunge, die andere Hälfte wurde ihm nach einer Krebserkrankung herausoperiert. In den letzten Jahren hatte ihm das zunehmend Schwierigkeiten beim Drehen verursacht, da ihm das Gehen fast nur noch mit Hilfe eines Stocks möglich ist. Nach 25 Jahren als Moderator von „Löwenzahn“ verabschiedete sich Peter Lustig im Herbst 2005 in den Ruhestand. Zwei Folgen der Sendung wurden mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, Peter Lustig erhielt 2007 das Bundesverdienstkreuz.

          Weitere Themen

          I’m a Denglishman in New York

          GNTM-Kolumne : I’m a Denglishman in New York

          Thomas Hayo kehrt zu „Germany’s Next Topmodel“ zurück und schickt die Kandidatinnen ins Trainingslager. Ob die 14. Folge der Modelcastingshow großes Tennis war, berichtet unsere Kolumnistin.

          Topmeldungen

          Leben in der Blase: Putin bei einem Treffen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit am Montag im Kreml

          Russische Geheimdienste : Putins fatale Echokammer

          „Mariupol in drei Tagen einnehmen, Kiew in fünf“: Eine Recherche zeichnet nach, wie groß in Russlands Geheimdiensten die Wut ist – auf jene Kollegen, die Putin mit gefälligen Informationen in den Ukrainekrieg ziehen ließen.

          F.A.Z. exklusiv : So will die Ampel den Bundestag verkleinern

          736 Abgeordnete hat der Bundestag, 138 mehr als vorgesehen. Doch Überhangmandate verzerren den Wählerwillen, sagen die Obleute von SPD, FDP und Grünen. In diesem Gastbeitrag legen sie dar, wie die Ampel das Wahlrecht ändern will.
          Aufgegeben: Ukrainische Kämpfer tragen einen Verwundeten vom „Asowstal“-Gelände.

          „Asowstal“-Kämpfer : Die Helden der Ukraine in Moskaus Fängen

          Die Ukraine hofft auf den Austausch der Kämpfer vom „Asowstal“-Gelände. Doch Moskaus Propaganda hat offenbar andere Pläne – die Ideen reichen bis hin zu einem großen Prozess gegen die ukrainischen „Nazis“.
          Die Mehrheit der Libanesen lehnt die Dominanz seiner Organisation ab: Hizbullah-Anführer Hassan Nasrallah zierte viele Wahlplakate.

          Wahl im Libanon : Ein Dämpfer für das Machtkartell

          Die Hizbullah verliert die Mehrheit im Parlament, und auch andere etablierte Kräfte erleiden bei den Wahlen im Libanon Verluste. Vor allem die Jungen haben offenbar genug von Klientelismus und Korruption.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch