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Kinderserie „Heidi“ im ZDF : Heidi springt aus dem Computer

So breit wie in der guten, alten Zeichentrickserie grinst sie nicht mehr: Heidi in der neuen ZDF-Serie. Bild: 2014 Studio 100 Animation / Heid

Das ZDF zeigt den Kinderbuchklassiker von Johanna Spyri in neuem Gewand. Der Sender jubelt, die Computergraphik sorge für einen ganz neuen „3D-Look“. Doch bringt das Leben in die Almhütte?

          Im Kinderprogramm des ZDF gibt es zu Ostermontag  ein Wiedersehen mit einer Klassikerin: Heidi ist wieder da, auferstanden als Animationsfigur, als die sie das erste Mal vor mehr als dreißig Jahren in einer japanischen Zeichentrickserie erschien. Doch das ist, um es vorweg zu sagen, leider ein ziemlich misslungenes Revival. Denn dieser Heidi  fehlt der Charme.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wir haben es vielmehr mit einer neunmalklugen Göre zu tun, die immer alles besser und das ohne Unterlass mitzuteilen weiß. Pausenlos beschallt sie die Bergwelt, den Alm-Öhi und den Geißenpeter, denen vor lauter „Ohs“ und „Ahs“ und „Hms“ und „Holadio!“ Hören und Sehen vergehen müsste. Ein Wunder, dass die Geißen Bärli und Schwänli nicht in die Tiefe hüpfen. Dabei ist Heidis Mund, der uns keine Plapperpause gönnt, der Formgebung nach etwas schmal geraten. In der japanischen Zeichentrickserie aus den Siebzigern sprang Heidi noch mit breitem Lachen auf den Almwiesen herum. Diese Heidi konnte auch einmal schweigen, zumindest kurz. Der Alm-Öhi, ein Bilderbuchmisanthrop mit weichem Herzen, tut einem angesichts seiner Erziehungsaufgabe, die ihn so plötzlich ereilt, jedenfalls leid.

          Spielgefährten der Plappergöre: Theresa, Karl und Willi, die Kinderbande aus dem Dörfli.

          Johanna Spyris Roman „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ erschien 1880, 1881 folgte „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“. Die Bücher wurden Weltbestseller, übersetzt in fünfzig Sprachen. Keine andere Figur der Schweizer Literatur reicht auch nur annähernd an Heidis Berühmtheit heran. Man mag sich nicht ausmalen, wie Johanna Spyri reagieren würde, sähe sie ihren, wie es das ZDF nennt „Klassiker im neuen Look“, womit der Sender die Computergraphik meint, die für einen  „3D-Look“ sorge (Buch Thierry Gaudin, Christel Gonnard). Gegen eine derart anstrengende Protagonistin richtet selbst die beste Technik wenig aus. Und was bewirkt diese schon? So sehr die animierten Bilder vielleicht an Tiefe gewinnen, die Figuren wirken roboterhaft und leblos. Weniger animiert und animierend jedenfalls, als sie es in der alten 2D-Serie noch taten.

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