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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Vögel im Schwarm nicht zusammenstoßen

  • -Aktualisiert am

Dunkle Wolke? Zerbröselndes Ufo? Nein, Stare in Großbritannien Bild: Picture-Alliance

Jetzt fliegen die Zugvögel wieder los in ihre Winterquartiere. Wenn sie als Schwärme ihre Proberunden drehen, kommen wir Menschen aus dem Staunen nicht heraus. Zum Glück können Forscher das Spektakel erklären.

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          Wer sich für Vögel interessiert, sollte im Moment besonders wachsam sein. Denn in diesen Wochen ereignet sich ein Schauspiel der Superlative, an dem so unterschiedliche Arten wie Kranich und Kuckuck, Weißstorch und Nachtigall beteiligt sind: der Vogelzug. Was ist das eigentlich? Kurz gesagt, handelt es sich dabei um zwei ziemlich anstrengende Flugreisen, vom Winterquartier ins Brutgebiet und vom Brutgebiet ins Winterquartier. Trip eins wird im Frühling absolviert, Trip zwei im Herbst. Motto: immer dem Magen nach. Angesteuert werden nur Gegenden, wo es genügend Nahrung gibt. Die Rauchschwalbe zum Beispiel kommt Ende März aus Afrika zu uns und legt drei bis sechs Eier, die sie ungefähr zwei Wochen bebrütet. Nachdem ihre Jungen geschlüpft sind, werden sie noch zwanzig Tage lang gefüttert. Danach müssen sie alleine zurechtkommen. Zwischen Mitte September und Mitte Oktober ziehen Eltern und Kinder zurück nach Afrika, wo sie die Wintermonate verbringen.

          Kai Spanke

          Redakteur im Feuilleton.

          Das ist schon allerhand für einen Vogel, der gerade mal zwanzig Gramm wiegt. Wenn man sich dann noch anschaut, was für halsbrecherische Flugmanöver so eine Schwalbe vollführen kann, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Überhaupt haben es die Rekorde des Vogelzugs in sich. Jedes Jahr gehen rund fünfzig Milliarden Vögel auf große Tour. Ihr Streckennetz umspannt den ganzen Globus, selbst über Wüsten und Gebirgen piepst und schnattert es. Ohne Ausdauer geht da nicht viel. Küstenseeschwalben, echte Profis des Langstreckenflugs, legen im Jahr mehr als fünfzigtausend Kilometer zurück. Pfuhlschnepfen, die man momentan sehr gut an unserem Wattenmeer beobachten kann, schaffen nicht ganz so viel, können dafür aber andere Sachen. Im Jahr 2007 hat eine von ihnen die elftausendfünfhundert Kilometer von Alaska bis Neuseeland in acht Tagen non-stop hinter sich gebracht.

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          Solche Leistungen kriegen nur professionelle Vogelkundler mit. Sie schnallen ihren Schützlingen kleine Sender auf den Rücken, verfolgen ihre Standortwechsel per Satellit und werten die Daten am Computer aus. Das ist ziemlich cool, aber auch kompliziert. Eine Spitzenperformance, die wirklich jeder während der Zugzeit beobachten und genießen kann, ist die Schwarmbildung. Vor allem Stare tun sich im September und Oktober gerne zusammen – also kurz vor ihrem Abflug nach West- und Südeuropa. So ein Schwarm kann zu unglaublicher Größe heranwachsen. In Berlin haben Stare einen Schlafplatz direkt am Dom, wo sich im Spätsommer mehr als vierzigtausend Individuen einfinden. Das ist aber noch gar nichts, wenn man bedenkt, dass in Rom regelmäßig Schwärme den Himmel verdunkeln, die aus einer Million Vögel bestehen. Zum Vergleich: Dortmund und Bielefeld zusammen haben weniger menschliche Einwohner. Übrigens hinterlässt so eine gefiederte Mannschaft ganz schön viel Dreck, was vor allem die Besitzer von teuren Autos regelmäßig auf die Palme bringt.

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