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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich manche Leute mehr Sorgen machen als andere

Gerade, wenn man mit ihnen alleinbleibt, können sich Sorgen im Kopf ganz schön festsetzen. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 04:10

Gerade, wenn man mit ihnen alleinbleibt, können sich Sorgen im Kopf ganz schön festsetzen. Bild: Picture-Alliance

Mit Sorgen ist das so eine Sache: Sie können ganz schön an uns nagen, gerade, wenn wir sie am liebsten gar nicht haben würden. Warum wir so unterschiedlich mit Sorgen umgehen.

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          Warum sich manche Leute mehr Sorgen machen als andere? Ganz klar, könnte man antworten: weil sie mehr Grund dazu haben.

          Das stimmt ja auch. Es gibt Leute, denen geht es nicht so gut wie anderen, sie sind vielleicht anfälliger für Krankheiten oder größeren Gefahren ausgesetzt. Und doch gibt es Unterschiede: Zwei Leute, die genau die gleichen Probleme haben, können sich ganz unterschiedlich Sorgen darum machen.

          Das kann mit dem zu tun haben, was sie schon erlebt haben. Oder mit dem, wie sie erzogen worden sind. Wer schon einmal ein schreckliches Unglück erfahren hat, wird eher damit rechnen, dass es noch einmal passiert, als jemand, dem das fremd ist. Wer schon einmal unter einer Krankheit litt, die ein Arzt zuerst mit einer anderen, harmlosen verwechselt hatte, bis sie lebensbedrohlich geworden ist, wird sich fragen, ob die nächste Krankheit, die er bekommt, nicht vielleicht auch wieder viel schlimmer ist, als der Arzt ihm sagt.

          Bild: F.A.Z.

          Sorgen sind also eine Frage des Vertrauens – in die Welt um einen herum, den Menschen gegenüber, auf die man sich verlässt, in den eigenen Körper. Je jünger die Menschen sind, umso geringer ist die eigene Erfahrung, aus der sie ein solches Vertrauen schöpfen können. Und umso größer ist der Teil des Vertrauens, den wir von anderen Menschen übernehmen. Wenn die Eltern einem kleinen Kind sagen, dass es sich über eine bestimmte Sache keine Sorgen machen muss, dann hilft das oft. Größere Kinder brauchen dafür vielleicht schon eine Begründung. Und wenn noch größere Kinder eine Begründung hören, die nicht zu ihren eigenen Erfahrungen passt, werden ihre Sorgen nicht gerade kleiner.

          Die Sache mit dem Vertrauen kann übrigens sogar das eigene Selbstvertrauen betreffen. Wer oft von Eltern oder Lehrern hört, dass er doch einfach nicht gut klettern oder rechnen kann, steht viel leichter mit einem mulmigen Gefühl vor dem schönsten Kletterbaum oder der nächsten Mathearbeit.

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          Manchmal wirkt es so, als wären Sorgen ansteckend. Das ist vor allem dann der Fall, wenn unter den Leuten, die eine solche Sorge betrifft, niemand ist, der die Situation besser einschätzen kann als die anderen. Es kann aber in Gruppen von Menschen – in Familien, in Freundeskreisen, in einer Klasse oder unter Kollegen – auch anders sein: Gerade der Umstand, dass manche aus einer solchen Gruppe vielleicht sehr besorgt sind, kann es anderen leichtermachen, das Problem für nicht so schlimm zu halten. Die einen haben dann das Gefühl, dass jemand in der Gruppe die Rolle, sich Sorgen zu machen, schon übernommen hat. Sie selbst können sich dann entspannen.

          Aber wenn man nun zu den Leuten gehört, die sich eher mehr Sorgen machen und vielleicht manchmal das Gefühl haben, es könnten zu viele sein – was macht man dann? Ein ganz guter Trick ist, sich zu fragen, wann der beste Zeitpunkt für eine solche Sorge ist. Wer zum Beispiel die Sorge hat, dass es an seinem Geburtstag regnet, könnte zumindest abwarten, bis ein paar Tage vorher die Wettervorhersage einigermaßen zuverlässig ist. Wer die Angst hat, eine Klassenarbeit zu verhauen, könnte mit dieser Sorge am besten erst anfangen, wenn es keine große Gelegenheit mehr gibt, sich auf die Klassenarbeit vorzubereiten.

          Manchmal hilft es auch, sich dann, am Abend vorher, immer noch zu überlegen, was man am besten gerade tun kann: Das Beste, was jetzt noch zu tun bleibt, damit alles klappt, ist gut zu schlafen. Das kann man sich richtig als Aufgabe vornehmen. Und was bei allen Sorgen, die für uns allein eine Nummer zu groß sind, überhaupt am besten ist: sich jemandem anvertrauen. Sich beruhigen lassen. Sich trösten lassen. Von Eltern, von Geschwistern, von Freunden. Selbst wenn sie am Grund der Sorgen nicht viel ändern können. Sie können wenigstens dafür sorgen, dass wir uns damit nicht auch noch alleinfühlen.

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