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Kinder über die Minischirn : Warum Ausstellungen langweilig sind und wo man die besten Höhlen baut

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Nicht nur rutschen: Kinder drehen am Farbkreis in der „Minischirn“. Bild: Norbert Miguletz

Die Schirn Kunsthalle bietet Eltern an, dass sie in Ruhe die Kunst ansehen können, während die Kinder in einem betreuten Bereich spielen. Funktioniert das für die Kinder? Oder eher für Erwachsene? Ein Gespräch.

          3 Min.

          Ein Freitagnachmittag in der Schirn Kunsthalle. Eine Kindergärtnerin versucht gerade, acht Kinder zu überreden, sechzehn Stiefel und Handschuhe anzuziehen - außerdem natürlich Jacken, Mützen und Schals. Seit Dezember können Eltern wählen: Entweder sie nehmen ihre Kinder mit in die Ausstellung, oder diese besuchen die „Minischirn“. Einhundert Quadratmeter umfasst der „Spiel- und Lernparcours“ im Erdgeschoss der Institution. Kann das gutgehen? Am besten fragt man die, die es ausprobiert haben: die eigenen Kinder.

          Hans (vier Jahre) und Jim (drei Jahre) testen das Kinderangebot.
          Hans (vier Jahre) und Jim (drei Jahre) testen das Kinderangebot. : Bild: privat

          Die Minischirn ist ein Angebot, das sich an Kinder ab drei Jahren bis ins Grundschulalter richtet. Wie läuft das ab, wenn man hier ankommt?

          Hans: Man muss die Schuhe ausziehen. Die muss man in eine Kiste stellen.

          Jim: Und dann geht es zur Rutsche. Dann geht man zur Kugelbahn. Dann geht man die Treppe hoch. Dann rutscht man noch mal.

          Hans: Oder man klettert den Tunnel hoch, rennt an alles vorbei - und rutscht dann wieder.

          Also der Reihe nach. Die Minischirn hat zwei Stockwerke. In das untere gelangt man mit einer Rutsche, die sich gleich am Eingang befindet. Was kann man sonst noch machen?

          Hans: Mit Dreiecken Höhlen bauen. Oder Dinger an die Wand kleben. Das gefällt mir auch. Es gibt eine Kugelbahn und einen Tunnel, durch den man hochklettern kann.

          Die Schirn Kunsthalle zeigt ja eigentlich Ausstellungen. Ist es besser, in die Minischirn zu gehen als in eine Ausstellung?

          Hans: Ja, das Spieldings hat mir besser gefallen.

          Jim: Mir hat nur das Rutschen gefallen. Das war’s.

          Die Idee der Minischirn besteht ja darin, dass die Kinder in einem betreuten Bereich spielen können, während sich die Eltern in Ruhe die Ausstellungen ansehen. Ist es okay, wenn die Eltern nicht dabei sind?

          Hans: Nee, finde ich nicht.

          Jim: Ja. Aber nur kurz.

          Was heißt das denn? Ihr habt doch eine Dreiviertelstunde gespielt, ohne dass ich dabei sein musste. Das ging doch?

          (Schweigen)

          Was wollt ihr also? Lieber in die Ausstellung mitkommen und Bilder anschauen?

          Hans: Wir wollen schon mitkommen. Aber Bilder anschauen ist langweilig für uns.

          Jim: Man darf auch nicht rumrennen. Und nichts anfassen.

          Gut, es gibt Museen, in denen die Vorschriften weniger streng sind. Naturkundemuseen haben sich schon lange auf den Besuch von vielen Kindern eingestellt. Hier in Frankfurt gibt es zum Beispiel das Senckenberg Naturmuseum. Ist die Minischirn besser oder das Senckenberg Museum?

          Hans: Beides ist gut. Da finde ich die Dinosaurier gut. Und die toten Elefanten. Und die Zebras.

          Jim: Senckenberg ist besser. Da ist der Triceratops.

          Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gibt es die sogenannte „Legobaustelle“. Da können auch Kinder mitbauen. Wie ist die im Vergleich?

          Jim: Da waren wir doch mit Onkel Konni. Aber es gibt keine Lego-Männchen! Nur Bausteine!

          Hans: Aber man muss nicht aufräumen.

          Betreut werden die Kinder auch in der Minischirn. Eine Mutter, die ihre Tochter abgibt, füllt am Eingang das Formular aus. Eine Betreuerin notiert die Daten, das Kind erhält einen Aufkleber. Darauf steht der Name. Ein Vater kommt schnaufend mit Einkaufstüten durch die Drehtür der Kunsthalle. Die drei Kinder, die er abholt, haben ihn schon entdeckt und winken fröhlich durch die Glasscheibe. Ob der Herr wirklich in einer Ausstellung war? Oder nur eine Eintrittskarte gekauft hat, um dann einkaufen zu gehen? Das wären neun Euro für immerhin maximal neunzig Minuten Kinderbetreuung, kein schlechter Schnitt. Die Betreuerin tut höflich so, als würde ihr nichts auffallen.

          In der Minischirn waren auch zwei Betreuerinnen. Was haben die mit euch gemacht?

          Hans: Da gab es einen Film, den die Kinder machen können, vom Bob, der Baumeister. Das haben die mit uns gemacht. Und die Kugelbahn aufgebaut. Da haben wir Türme draufgemacht, wo die Kugeln reinkommen. Dann fallen die wieder runter.

          Waren die Betreuerinnen nett?

          Jim: Ja.

          Hans: Ja.

          Würdet ihr auch mit anderen Kindern in die Minischirn gehen?

          Hans: Ja. Aber nicht mit fremden Kindern. Aber mit der Carla.

          Ich muss noch einmal darauf zurückkommen. Was ist an Bildern in Ausstellungen so schrecklich langweilig?

          Hans: Da gibt es gar nichts zum Spielen. Das ist an Bildern langweilig.

          Aber Bilderbücher findet ihr auch gut. Warum sind die nicht langweilig?

          Hans: Bilderbücher sind gut. Aber im Museum gibt es doch gar nichts zum Vorlesen.

          Aha, aber das kann ich ändern. Wenn wir das nächste Mal Bilder anschauen, erzähle ich euch Geschichten dazu. Versprochen.

          Jim: Kannst du mir jetzt vorlesen?

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