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Jobsharing : Teilzeit ohne Falle

Zwei Köpfe, eine Stelle: Katrin Bense und Kerstin Unger Bild: Beiersdorf

Wer weniger arbeitet als die Kollegen, ergattert seltener gute Positionen. Klingt logisch – aber es gibt Ausnahmen.

          5 Min.

          Katrin Bense und Kerstin Unger sind Freundinnen, Kolleginnen, Mütter und Chefinnen. Beide. Als wäre das nicht schon besonders genug, kommt noch etwas dazu: Sie sind Führungskräfte auf ein und derselben Position - Katrin Bense von Montag bis Mittwoch und Kerstin Unger von Mittwoch bis Freitag. Jede hat eine 60-Prozent-Stelle; zusammen arbeiten sie in 120 Prozent der Zeit auf der Position, die ansonsten ein einzelner Chef machen würde: Sie teilen sich die Rolle der Marketingleiterin für Nivea im Kosmetikkonzern Beiersdorf. Bense und Unger vertreten sich gegenseitig, wenn eine von beiden mal im Urlaub ist, krank wird oder auf ein krankes Kind aufpassen muss. Dieses Modell, neudeutsch Jobsharing genannt, ermöglicht ihnen etwas, was in Deutschland noch eher selten ist: Führung in Teilzeit.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Wie selten Menschen, die in Teilzeit arbeiten, überhaupt eine Chefposition ergattern können, ist gar nicht leicht in Zahlen zu fassen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, hat keine Daten, die jünger sind als von 2014. Damals war es in nur 16 Prozent der deutschen Betriebe überhaupt möglich, eine Führungsrolle in Teilzeit zu übernehmen. Von diesen 16 Prozent, die theoretisch die Möglichkeit boten, nutzten wiederum nur 63 Prozent dieses Modell tatsächlich in der Praxis.

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