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Junge Leute und Social Media : Wenn die Kontrolle endet

Influencerin Mollie Bylett in einem Badezimmer des Mandrake Hotels in London Bild: dpa

Eine Influencerin aus der Beauty-Welt erklärt ihren Followern, warum sie sich vor einem dritten Weltkrieg fürchten sollten. Wie naiv ist der Umgang junger Menschen mit den sozialen Medien?

          5 Min.

          Das Jahr ist noch jung und dabei doch schon wieder so reich an digitalen Erregungswellen. Neben all den politischen und weltanschaulichen Blasen-Scharmützeln nehmen sich dabei für den Mitlesenden diejenigen Shitstorms fast als harmonisch aus, in denen sich – weitgehend eindeutig – ein Individuum im digitalen Raum danebenbenommen hat und dafür öffentlich geächtet wird. In diesen Fällen kommt es zu einer seltenen Vereinigung der Netzgemeinde, man kann schmunzeln, den Kopf schütteln und dabei mit vielen anderen einer Meinung sein. Beispielsweise darüber, dass es schon sehr naiv ist, wenn sich eine achtzehnjährige, sonst vor allem an Beauty-Themen interessierte Schülerin dazu aufschwingt, der Welt in einer knappen Minute auf eher wirre Art zu erklären, warum wir uns derzeit vor dem Dritten Weltkrieg fürchten sollten, wie Anfang Januar auf der Plattform Tiktok geschehen.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei ist es eigentlich erstaunlich, dass ein Urteil in solchen Fällen vielen leichtfällt, denn genauso kann man auch mildernde Umstände geltend machen. Schließlich spielt neben dem Fehlverhalten selbst oft auch eine Rolle, dass es aus seinem ursprünglichen Kontext, seinem ursprünglich intendierten Publikumskreis, exportiert wurde. Konkret am Beispiel: Wäre das Video der Schülerin auf Tiktok in der Gruppe ihrer vermutlich jugendlichen und sie als Beauty-Influencerin kennenden Follower verblieben, wäre die Kritik daran sicher weit weniger vernichtend ausgefallen. Oder anders gewendet: Wäre der Schülerin bewusst gewesen, dass ihre Ausführungen per Twitter schließlich Politikexperten in ganz Deutschland erreichen würden, hätte sie vielleicht vorher doch noch einmal ihr Politik-Schulbuch konsultiert. Zumindest veröffentlichte sie mittlerweile auf Twitter eine Entschuldigung für ihr fehlerhaftes Verständnis der politischen Situation.

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